Anleihen 2023: Optimismus, steigende Kurse, viele Neuemissionen


09.01.23 09:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz einer drohenden Rezession erwarten viele ein positives Anleihejahr 2023, vor allem ab der zweiten Jahreshälfte, so die Deutsche Börse AG.

Der Optimismus hänge nach einhelliger Einschätzung allerdings an den Zinsentscheidungen der Notenbanken. Mit weiter steigenden Zinsen sei sowohl in den USA wie im Euroraum zu rechnen. Die Erwartungen vor allem an die FED, die Zinsen im Jahresverlauf zu senken, würden sich hartnäckig halten. Doch der Auftakt in das Anleihenjahr 2023 sei positiv verlaufen.

Nachdem die zehnjährige Bundrendite am letzten Handelstag des vergangenen Jahres erstmals seit September 2011 wieder über 2,5 Prozent gestiegen sei, seien die Renditen in der ersten Handelswoche zunächst zurückgegangen. Die Kurse seien überwiegend gestiegen.

"Die niedriger als erwartet ausgefallene Inflation in Deutschland war der Kurstreiber", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank vom Frankfurter Parkett. Die Inflation für Dezember sei auf 8,6 Prozent gesunken. Auch in Frankreich als zweiter großer Volkswirtschaft Europas seien die Verbraucherpreise mit 7,6 Prozent niedriger als im Vormonat ausgefallen. "Der Rückgang der Inflationsraten in den beiden größten Volkswirtschaften des Euroraumes könnte den Druck auf die EZB mindern, mit deutlichen Zinserhöhungen gegen die starke Teuerung vorzugehen", kommentiere Burkhard Fehling von der Commerzbank.

Mit der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts aus den USA und des FED-Protokolls der vergangenen Sitzung würden die Renditen jedoch etwas anziehen: Aktuell würden zehnjährige Bundesanleihen mit 2,31 Prozent und zweijährige mit 2,65 Prozent rentieren. Laut Bericht hätten die US-Unternehmen im vergangenen Monat deutlich mehr Jobs als gedacht geschaffen. 235.000 Arbeitsplätze seien entstanden, hingegen nur 150.000 erwartet worden. "Das schürt Zinsängste am Markt", berichte Tim Oechsner von Steubing. "Damit bleibt auch die Rezession ein Thema im neuen Jahr mit der Frage, ob sie kommt und wie stark."

Das Protokoll der letzten Sitzung habe bestätigt, dass die FED ihrem restriktiven Kurs treu bleiben und die Zinsen weiter erhöhen dürfte. Darin sei festgestellt worden, dass es niemand im Markt für angemessen halte, den Leitzins im Jahr 2023 zu senken. "Dies steht im Gegensatz zu der Marktmeinung, dass der Leitzins nach einem Zinsgipfel von 5 Prozent, der Mitte des Jahres erreicht werden könnte, wieder um 25 bis 50 Basispunkte gegen Jahresende gesenkt werden sollte", stelle Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank fest. "In dieser Fehlinterpretation der Geldpolitik seitens des Marktes sieht die FED eine Gefahr für die Erreichung des Inflationszieles und wird dementsprechend versuchen, die Marktmeinung zu korrigieren."

"Tempo und Ausmaß der Zinserhöhungen sind gegenwärtig die entscheidende Stellschraube für das Geschehen an den Anleihemärkten", fasse Oechsner zusammen. Für die EZB erwarte der Markt eine weitere Zinserhöhung von 50 Basispunkten und zwei von je 25. Dann sollte der Zinserhöhungszyklus enden.

"Die große Anpassung am Rentenmarkt haben wir hinter uns, zunehmend werden Zinskupons wieder interessant", erkläre Ulrich Stephan von der Deutschen Bank im Jahresausblick. Die Deutsche Bank erwarte, dass der Renditeanstieg in der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte abebbe. Anleiherenditen in den USA dürften bereits im ersten Halbjahr ihr Hoch erreichen. Bis Ende 2023 sollten die Renditen zehnjähriger US-Treasuries bei 4,2 Prozent liegen und die zehnjährigen Bundrenditen bei 2,4 Prozent, eine mäßige Rezession vorausgesetzt.

"Die Leitzinsen dürften bereits im ersten Quartal 2023 in den USA bei 5 Prozent und im Euroraum bei 3 Prozent für Einlagensatz ihren Höhepunkt erreicht haben", prognostiziere Martin Hartmann von der Commerzbank. Das sei auch am Anleihemarkt so eingepreist. Danach dürfte die Europäische Zentralbank erst einmal eine Pause bei den Zinsen einlegen, und die US-Notenbank könnte im zweiten Halbjahr die Leitzinsen sogar leicht senken.

Der Jahresauftakt sei jedenfalls von Optimismus geprägt, würden Händler vom Parkett berichten: "Optimismus ja - Euphorie nein", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die ersten Handelstage des Jahres zusammen. Der Handel verlaufe in ruhigen Bahnen, wenngleich die Umsätze im Dezember lebhafter gewesen seien. "Womöglich wird sich mit mehr Unternehmensnachrichten das Geschäft beleben, wenn in den kommenden Tagen noch mehr Marktteilnehmer aus den Ferien zurück sind."

"Wir sind sehr gut in das Jahr gestartet", kommentiere Brunner. Kaufgelegenheiten würden genutzt, weil die Renditen - anders als noch vor zwei Jahren - recht attraktiv seien. "Die Stimmung ist positiv, die Kurse steigen, die Liquidität ist zurück", berichte Oechsner.

Traditionell komme nach Oechsners Angaben zu Jahresbeginn der Markt von Neuemissionen in Schwung. Brunner berichte, dass vor allem Staaten wie Portugal, Irland und Österreich die Gunst der Stunde genutzt hätten sowie Unternehmen wie E.ON. Privatanleger*innen würden vor allem Anleihen bekannter Unternehmen mit Laufzeiten von zwei bis drei Jahren kaufen. "Allerdings müssen die Laufzeiten überschaubar, die Bonität gut und die Geschäftsmodelle intakt sein."

Nach Brunners Einschätzung könnte der aktuelle Optimismus dennoch etwas zu viel des Guten sein, wenn die EZB künftig weitere Zinserhöhungen bekannt gebe. Die Anleger*innen würden noch nicht ausreichend hinterfragen, inwieweit dies Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne habe. "Eine Rezession steht nach wie vor im Raum."

Aktuell vermerke Brunner einmal mehr Käufe einer Anleihe (ISIN NO0012702549 / WKN A3LBT7) des finnischen Finanzdienstleisters Multitude. "Die Rendite ist mit aktuell 10,9 Prozent attraktiv." Allerdings werde der Kupon vierteljährlich angepasst. Er bestehe aus dem Drei-Monats Euribor plus 750 Basispunkte. Der Euribor sei der Zins, zu dem sich Banken kurzfristig untereinander Geld leihen würden. Käufe registriere Brunner auch bei Mutares. Die Anleihe des Beteiligungsunternehmens mit 7,798 Prozent Kupon und Laufzeit bis 2024 notiere bei 98,5 Prozent.

Auch eine Anleihe (ISIN XS2248827771 / WKN A284CZ) der CA Immobilien sei gefragt sowie ein Papier (ISIN XS2530444624 / WKN A30VPB) von Fresenius Medical Care mit Laufzeit bis 2027 und einem Kupon von 3,875 Prozent. "Es gehörte schon im vergangenen Jahr zu den beliebten Anleihen von Privatanleger*innen", berichte Brunner. Aber auch Mittelstandspapiere wie das der Katjes Greenfood (ISIN DE000A30V3F1 / WKN A30V3F), das derzeit bei 108 Prozent stehe, hätten sich gut geschlagen. (Ausgabe vom 06.01.2023) (09.01.2023/alc/a/a)






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