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Anleiheallokationen müssen jetzt neu bewertet werden


06.09.22 12:00
Wellington Management

London (www.anleihencheck.de) - Jetzt könnte ein guter Zeitpunkt sein, Anleihe-Portfolios opportunistisch aufzustellen, so die Experten von Wellington Management.

Ein opportunistisches Element in der Vermögensallokation ist nach Meinung von Tobias Ripka, Anleiheexperte bei Wellington Management, der Schlüssel, zur Nutzung regionaler Ungleichgewichte, die im weiteren Jahresverlauf und darüber hinaus entstehen dürften. In seinem Blog analysiere Ripka regelmäßig die Fixed-Income-Märkte rund um den Globus aus Sicht eines europäischen Anleiheinvestors. Diesmal im Fokus: Allokationsfragen nach einer langen Ära der Beinahe-Deflation und der Volatilitätsunterdrückung durch die Zentralbanken.

Während passive Anlagestrategien weiterhin ein breites Markt-Beta bieten könnten, rechne Ripka angesichts des neuen, marktbeherrschenden Dreiklangs - steigende Inflation, höhere Zinsen und eine größere Streuung über Anleihesektoren und Regionen hinweg - mit gutem Nährboden für aktives Fixed-Income-Management.

Den Hintergrund zu dieser Einschätzung würden zwei große Themenfelder bilden: Zum einen die unterschiedlichen Ursachen für die Inflation in Europa und den USA. Während die jüngste Rückkehr der Inflation weitgehend ein globales Phänomen sei, werde die Inflation in Europa von anderen Katalysatoren angetrieben als die in den USA, wobei jede Region auch mit ihrem eigenen strukturellen Gegenwind zu kämpfen habe. "Diese Divergenz zwischen den beiden Regionen bietet den Anlegern potenzielle Chancen", so Ripka. Zum anderen die Erwartung einer anhaltenden Marktvolatilität in den kommenden Monaten. Der russische Krieg in der Ukraine, die stotternden globalen Lieferketten und eine lokal getriebene Politik rund um den Globus würden laut Ripka das langfristige Thema der Deglobalisierung weiter untermauern, das Wellington bereits in seinem Halbjahresausblick erörtert habe. Darüber hinaus seien viele Zentralbanken ob der wirtschaftlichen und marktbezogenen Herausforderungen gezwungen, ihre geldpolitischen "Reaktionsfunktionen" neu zu definieren. Nach Meinung von Wellington Management sind die Zeiten vorbei, in denen die Zentralbanken versuchten, die Marktvolatilität durch exzessive Ankaufsprogramme zu glätten oder zu unterdrücken.

"Regionale Ungleichgewichte werden wahrscheinlich immer häufiger und stärker auftreten. Die größere Flexibilität eines globalen Portfolios kann den Anlegern die Möglichkeit geben, von relativen Chancen und kurzfristigen Fehlbewertungen zu profitieren und gleichzeitig das Gesamtrisiko explizit zu steuern", schlussfolgere Ripka am Ende seiner Marktbetrachtung. (06.09.2022/alc/a/a)