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Die Angst etwas zu verpassen


22.11.22 08:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Da ein Großteil der künftigen Komplexität (2023) jetzt weitgehend eingepreist sein sollte, dürfte bei Anlegern die Angst, etwas zu verpassen, in den Vordergrund rücken, so die Analysten von Postbank Research.

Sorgen, den Anschluss zu verpassen, seien vielleicht auch nicht völlig irrational, denn in den letzten Wochen habe es eine Welle positiver Nachrichten gegeben, der die Aktienmärkte gestützt habe (der S&P 500 habe die Woche wenig verändert mit -0,69% geschlossen). Selbst kleinere positive Überraschungen wie die US-Verbraucherpreisdaten hätten den Markt stark ansteigen lassen, was viel darüber aussage, wie groß der Pessimismus unter den Anlegern gewesen sei. Normalerweise seien Kurserholungen nur dann von Dauer, wenn es technische oder fundamentale Neuigkeiten gebe.

Unterstützende technische Faktoren könnten in der Leveraged-Community angesichts der erheblichen Eindeckung von Leerverkäufen zu finden sein. Eine Verbesserung des fundamentalen Umfelds werde durch die Inflationsdaten angedeutet - aber an der Umsatz- und Gewinnfront gebe es kein grünes Licht. Der britische Finanzminister habe einen Plan zur Haushaltskonsolidierung in Höhe von 55 Mrd. GBP angekündigt, der sich zu etwa gleichen Teilen auf geringere Ausgaben und höhere Steuern verteile - obwohl der größte Teil der Haushaltskürzungen wahrscheinlich zu spät komme, um die Bank of England bei der Kontrolle der kurzfristigen Inflationsentwicklung zu unterstützen.

Der FTSE 100 habe die Woche mit einem Plus von 0,92% geschlossen und die Renditen 10-jähriger Gilts seien um 12,7 BP zurückgegangen. Beachtung würden diese Woche die Protokolle der Sitzungen von FED und EZB finden. Die globalen Einkaufsmanagerindices dürften Aufschluss darüber geben, wie die monetäre Verknappung sich konjunkturell bemerkbar mache. Wer sich mit China befasse, dürfte sich über Lockerungen der Covid-Politik, die Unterstützung des Wohnungsbaus und ein Treffen zwischen Joe Biden und Xi Jinping freuen, das besser verlaufen sei als erwartet. Aber auch das gehöre natürlich zur Komplexität der Zukunft, wobei in absehbarer Zeit noch keine harten Fakten zu erwarten seien. Genießen Sie also die (Weihnachts-)Rally, solange sie dauert, so die Analysten von Postbank Research.

Die Analysten würden immer noch nicht gegen die FED kämpfen und würden das wahrscheinlich auch nie tun. Sie hätten sich zwar auf eine Art Markterholung eingestellt, aber die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen könnte die Zinsentscheidung der FED im Dezember tatsächlich erschweren. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die US-Notenbank die Konjunktur bremsen wolle, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Tage wie jene, als der NASDAQ in der Hoffnung auf eine langsamere Zinserhöhung um 7% angestiegen sei, seien eindeutig nicht das, was die FED sich wünschen dürfte. Daher würden sich die Analysten von den jüngsten Marktbewegungen nicht mitreißen zu lassen versuchen, und vorsichtig bleiben, bis "der Weihnachtsmann kommt". (22.11.2022/alc/a/a)