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Am Rentenmarkt wird es keine Rückkehr zu alten Verhältnissen geben


09.11.22 11:49
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - "Marktteilnehmer, die erwarten, dass die Rentenmärkte nach der Pandemie und der Beendigung des Krieges in der Ukraine zu den alten Verhältnissen zurückkehren, werden enttäuscht werden", sagt Jonathan Gregory, Head of the Global Fixed Income Team bei UBS Asset Management (UBS-AM).

Die Zentralbanken stünden in der nächsten Zeit vor der schwierigen Wahl zwischen Deflation und Depression. Im Unterschied zu früheren Zinserhöhungsphasen sei das Wirtschaftswachstum aktuell bereits niedrig, während die Inflation hoch sei. Für Zentralbanken werde es deshalb herausfordernd sein, an hohen Zinsen festzuhalten, sobald die Wirtschaft in eine Rezession falle.

"Wenn in einigen Monaten das Wirtschaftswachstum in der Breite einbricht und die Arbeitslosigkeit steigt, werden die Zentralbanken höhere Inflationsraten akzeptieren", erläutere Gregory. Erste Indizien dafür seien in den US-amerikanischen Frühindikatoren zu finden. Zudem gebe es langfristige strukturelle Faktoren, die das Wachstum stützen und helfen würden, die Inflation zu senken. "Wir sollten nicht damit rechnen, dass Gewinner und Verlierer die Gleichen bleiben, wie vor der Krise", gebe Gregory zu bedenken.

Die Zentralbankpolitik habe sich von einer vorausschauenden Politik, die proaktiv versucht habe, die Inflation von einem zu niedrigen Niveau anzuheben, zu einer reaktiven Politik gewandelt, die nun beobachte, ob ihre Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung stark genug wirken würden. Anleger sollten dies besonders in ihren Entscheidungen bedenken. Falls sich die Zentralbanken nächstes Jahr entscheiden würden, eine höhere Inflation zu akzeptieren oder sogar die Zinsen noch weiter zu erhöhen, dann wäre dies zunächst kein gutes Umfeld für Anleger, die in Rentenmärkten investiert seien. Inflation werde nun zu einem attraktiven geldpolitischen Ziel, um die hohen Schuldenstände der Staaten bedienen zu können.

Flexibilität in den Assetklassen werde in den nächsten zehn Jahren zum Schlüsselfaktor für Anlagen in Anleihen. Eine erfolgreiche Strategie werde darin liegen, zwischen Assetklassen wechseln zu können. Zudem sei eine globale Perspektive ausschlaggebend, die die veränderte Reaktionsstrategie der Zentralbanken, strukturelle Inflation und den Einfluss auf Arbeitsmärkt als weltweite Themen berücksichtige.

"Erträge sind am Rentenmarkt wieder möglich", erkläre Alex Wise, Fixed Income Investment Specialist bei UBS-AM. "In den vergangenen Jahren wurde der Rentenmarkt als 'langweilig' betrachtet, das hat sich geändert. Die gute Nachricht ist, dass die Risikoprämien sehr attraktiv geworden sind. Die schlechte Nachricht liegt jedoch darin, dass bestehende Anlagen durch die geldpolitischen Veränderungen in Mitleidenschaft gezogen wurden", erläutere Wise, und fasse zusammen: "In dem hochgradig unsicheren Umfeld von niedrigem Wachstum und hoher Inflation ermutigen wir Anleger hochflexible Anlagestrategien und eine kurze Duration zu wählen, um Risiken zu minimieren und Erträge zu maximieren." (09.11.2022/alc/a/a)