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"Alle Signale auf Grün": Stimmen zum FED-Zinsentscheid


01.02.24 11:45
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) hat die Leitzinsen am Mittwoch (31.1.) unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent belassen, so die Experten von "FONDS professionell".

Dies sei allgemein erwartet worden. Umfangreiche Änderungen habe es allerdings im Statement und in der Presseerklärung gegeben, mit denen der Offenmarktausschuss um FED-Chef Jerome Powell seine Entscheidung erläutere und einen Ausblick auf die künftige Geldpolitik gebe.

Einerseits würden die Zentralbanker verdeutlichen, dass sie die Zinsen erst senken würden, wenn sie sich wirklich sicher seien, dass die Inflation auf Dauer und nicht nur kurzfristig abgekühlt sei. Damit würden Powell und seine Kollegen Hoffnungen auf eine allzu schnelle Zinswende dämpfen. Andererseits werde in der schriftlichen Erläuterung keine weitere Erhöhung der Leitzinsen mehr in Aussicht gestellt. Der nächste Schritt werde Stand heute also eine Senkung ein.

Was würden die Experten großer Fondsanbieter und spezialisierter Investmentboutiquen zum Zinsentscheid der FED sagen?

Hier die ausgewählte Einschätzungen:

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka: "Statt des bisherigen Ausblicks, möglicherweise das Leitzinsintervall weiter anzuheben, liegt der Fokus nun auf einer Senkung des Leitzinsintervalls. FED-Chef Powell machte deutlich, dass die Zuversicht, das Inflationsziel von zwei Prozent nachhaltig zu erreichen, noch nicht ausreichend hoch genug für eine Leitzinswende wäre. Seiner Einschätzung nach dürfte dies auch beim Zinsentscheid im März noch nicht der Fall sein. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die FED beim Zinsentscheid im Juni die Leitzinswende einläuten wird."

Andreas Busch, Senior Economist bei Bantleon: "Alles in allem sehen wir es als wahrscheinlich an, dass die bis zur FOMC-Sitzung im März eingehenden Inflationsdaten noch nicht ausreichen, um eine Leitzinssenkung zu rechtfertigen. Im Mai dürfte es dann aber so weit sein. In unseren Augen stehen die Chancen gut, dass auf die Zinssenkung im Mai um 25 Basispunkte in den kommenden Monaten weitere Lockerungen folgen werden. Weil wir mit deutlicher nachgebenden Inflationsraten rechnen als die FED, sollten die Lockerungen mindestens doppelt so umfangreich ausfallen wie die 75 Basispunkte, die in den Dezember-Projektionen der FED genannt werden."

Christian Scherrmann, US-Volkswirt der DWS: "Insgesamt bewegt sich FED-Chef Powell auf einem schmalen Grat zwischen einer falkenhaften Haltung hinsichtlich der Inflation und taubenhaften Signalen bezüglich zukünftiger Erwartungen - ein Manöver, das ihm bei der letzten Sitzung nicht ganz gelungen ist. Mit Blick auf die Zukunft fühlen wir uns bestätigt, dass es im März für die US-Notenbank zu früh sein dürfte, den Sieg über die Inflation zu verkünden. Wir glauben weiterhin, dass eine erste Zinssenkung im zweiten Quartal erfolgen könnte."

Kevin Thozet, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac: "Das Goldlöckchen-Szenario ist in vollem Gange. Die US-Wirtschaft wächst um drei Prozent, und das Narrativ einer makellosen Disinflation scheint sich zu bestätigen. Das Tempo der Disinflation ist schneller als erwartet - die Kombination aus Einwanderungsströmen und sich auflösenden Engpässen hat auf der Angebotsseite der Gleichung geholfen, und die Deflation in China hat auf der Nachfrageseite unterstützt. Die Kernrate der privaten Konsumausgaben und die Löhne liegen auf einem Niveau, das mit dem Zwei-Prozent-Ziel der FED übereinstimmt, was bedeutet, dass alle Signale auf Grün stehen, damit die FED bei Bedarf eine dovishere Politik einschlagen kann, da die derzeitigen Leitzinsen weit über dem neutralen Zinsniveau liegen."

Tiffany Wilding, US-Ökonomin bei Pimco: "Wir sind der Meinung, dass die FED mit dem Beginn ihres Lockerungszyklus und einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bis kurz vor Jahresmitte warten wird. Was die anschließenden Zinssenkungen betrifft, so deuten die jüngsten Projektionen der FED (vom Dezember) auf eine Senkung um 25 Basispunkte bei jeder zweiten Sitzung hin. Allerdings könnte das Tempo auch noch an die jeweiligen makroökonomischen Entwicklungen angepasst werden."

Eric Winograd, Director Economic Research bei Alliance Bernstein: "Der genaue Zeitpunkt der ersten Zinssenkung und ob sich das Komitee 2024 für fünf oder sechs Senkungen entscheidet, wird für niemanden wirklich wichtig sein - außer vielleicht für kurzfristige Trader. Wichtiger ist, dass die FED bereit ist, zu senken. Diese Rückkehr zu einer ausgewogeneren Geldpolitik bedeutet, dass die Währungshüter im Falle einer Verlangsamung der Wirtschaft in einer guten Position sind, um Unterstützung bieten zu können. Dies war in den vergangenen Quartalen nicht der Fall, als die FED noch gegen die Inflation ankämpfen musste - und ist durchaus eine wichtige Stütze für die Finanzmärkte."

Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust: "Die Botschaft einer stetigen Geldpolitik durch die US-Notenbank ist sehr zu begrüßen. Die jüngsten Daten zur US-Wirtschaft - kräftiges Wachstum, steigende Beschäftigung und anhaltende Preissteigerungen bei Dienstleistungen (ohne Energie) - geben keinen Anlass, baldige Zinssenkungen in Aussicht zu stellen und die Finanzmarktteilnehmer damit noch stärker auf einen Richtungswechsel einzustimmen. Schon in den vergangenen Monaten haben die Zinssenkungserwartungen der Finanzmärkte die Finanzierungsbedingungen an den Kapitalmärkten verbessert und damit die erwünschten Bremswirkungen der Geldpolitik gemindert."

Paul Mielczarski, Leiter der globalen Makrostrategie bei Brandywine Global: "Die FED wies darauf hin, dass sie mehr Anhaltspunkte dafür benötigt, dass sich die Inflation in Richtung zwei Prozent bewegt, bevor sie die Zinsen senkt. Die Erklärung verringert die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im März. Es gibt bereits zahlreiche Anzeichen dafür, dass sich die Inflation und die Arbeitsmärkte nach den pandemiebedingten Schocks normalisieren. Die US-Wirtschaft nähert sich wieder einem Gleichgewicht von etwa zwei Prozent realem BIP-Wachstum und zwei Prozent Inflation. Durch eine schrittweise Senkung des Leitzinses in kleinen Schritten als Reaktion auf die sinkende Kerninflation dürfte die FED in der Lage sein, die restriktiven geldpolitischen Einstellungen erfolgreich zu normalisieren. Der Beginn dieser Anpassung könnte sich um ein oder zwei Monate verzögern, aber wir sind zuversichtlich, was die Richtung angeht."

Thomas Altmann, Leiter Portfoliomanagement bei QC Partners: "Einen konkreten Zeitplan bleibt die FED schuldig. An der Zinserwartung der Börsianer ändert das aber nichts. Die Börsen gehen unverändert davon aus, dass die FED ihren Zins beim nächsten Meeting im März konstant halten wird und anschließend am 1. Mai erstmals nach unten anpassen wird. Das Betonen des unsicheren wirtschaftlichen Ausblicks darf durchaus als Signal dafür verstanden werden, dass die Börsen nicht allzu lange auf die erste Senkung warten müssen." (01.02.2024/alc/a/a)