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2024 im Fokus: Euro-Staatsanleihen, Schwellenländer und Tech-Aktien


13.02.24 11:36
Mediolanum International Funds

Dublin (www.anleihencheck.de) - Nach Krisen, Krieg, Inflationsschock und der drastischsten geldpolitischen Straffung der Geschichte würden die Märkte nun gespannt auf Zinssenkungen warten, so Marco Meijer, Deputy Head of Fixed Income, und Terry Ewing, Head of Equities bei Mediolanum International Funds.

Doch welche Anlageklassen würden proftieren? Und welche Regionen und Sektoren seien vielversprechend? Wohin Anleger ihr Augenmerk richten sollten und wie sie unabhängig vom Wirtschaftsszenario Renditen generieren würden.

Grundsätzlich seien Zinssenkungen für die meisten Anlageklassen positiv: Sie würden tendenziell die Anleihekurse in die Höhe treiben und die Kosten für Unternehmen senken - das lasse die Gewinne und damit auch die Aktienkurse steigen. Die Wirtschaftslage in den USA, Europa und den Schwellenländern unterscheide sich jedoch stark - mit schwerwiegenden Folgen für die Entwicklung von Aktien und Anleihen. Und auch die Wahl der richtigen Segmente und Sektoren könne für Anleger darüber entscheiden, ob man zu den Gewinnern oder zu den Verlierern gehöre.

Euro-Staatsanleihen würden Treasuries übertreffen

Eine Verlangsamung des Wachstums und ein Rückgang der Inflation im Jahr 2024 dürften den Druck auf die Anleihemärkte verringern, vor allem in vergleichsweise sicheren Segmenten wie den Staatsanleihen der Industrieländer. Im Euroraum dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte überraschen und die Zinsen stärker senken als erwartet. Grund sei die europäische Wirtschaft, die sich in einem kritischen Zustand befinde: Deutschland, der Wachstumsmotor Europas, stecke bereits in einer Rezession, die durch steigende Energiekosten und eine geringere Nachfrage aus China verursacht werde. Aus diesem Grund halte Mediolanum International Funds das Umfeld für europäische Staatsanleihen für günstig, insbesondere am kürzeren Ende der Zinskurven. Niedrigere kurzfristige Zinssätze würden dazu führen, dass die europäischen Zinsstrukturkurven auf breiter Basis steiler würden. Auch im Vereinigten Königreich könnten die Anleiherenditen zurückgehen, denn auch Großbritannien befinde sich kurz vor einer Rezession.

Eine andere Dynamik der Zinsstrukturkurve erwarte Mediolanum International Funds für die USA. Grund seien das stärkere Wachstum, das höhere Haushaltsdefizit (6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP)) und die Ungewissheit angesichts der Wahlen. Hinzu kämen die harten Lehren aus den 1970er Jahren, als die Inflation zweistellige Werte erreicht habe. Die FED könnte mit Blick auf diese Einflüsse bestrebt sein, die Zinsen nicht zu schnell zu senken - und dann werde sich die Entwicklung bei den Anleiherenditen umkehren: Statt eines starken Rückgangs, wie er Ende des letzten Jahres zu beobachten gewesen sei, dürfte es zu Anstiegen kommen. Wir hätten dies 2024 bereits erlebt.

Alles in allem dürften europäische und britische Anleihen besser abschneiden als ihre US-amerikanischen Pendants. Ebenso dürften die Zinssenkungen in Ländern mit schwächerer Wirtschaft größer ausfallen, etwa in Kanada und Schweden, die beide mit Problemen auf dem Immobilienmarkt zu kämpfen hätten.

Schwellenländer robust, Vorsicht bei Unternehmensanleihen

Auch die Schwellenländer sollten Anleger gerade jetzt nicht aus den Augen verlieren. Einige Schwellenländer hätten die Leitzinsen in den Jahren 2022 und 2023 besonders stark angehoben und könnten jetzt mit Zinssenkungen beginnen. Vorsicht sei in Asien angebracht. denn dort würden die schwächeren Aussichten für China die gesamte Region belasten. Anders in Lateinamerika: Dort seien vor allem energieproduzierende Länder wie Kolumbien, Mexiko und Brasilien weniger anfällig für Ölpreisspitzen. Ähnlich positiv sehe Mediolanum International Funds das ölproduzierende Indonesien, das ein moderates Haushaltsdefizit von 3,7 Prozent des BIP verzeichne, während das Wirtschaftswachstum bei beachtlichen 5 Prozent liege. Insgesamt könnten die Schwellenländer, sofern der US-Dollar in diesem Jahr nicht deutlich ansteige, einem starken Jahr 2024 entgegensehen. Die 10-jährigen Staatsanleihen würden hier bereits höhere reale Renditen als in den meisten entwickelten Märkten bieten.

In Anbetracht des langsamen Wachstums sei Mediolanum International Funds bei Unternehmensanleihen generell defensiv aufgestellt, insbesondere bei Hochzinsanleihen aufgrund ihrer niedrigeren Kreditwürdigkeit. Eine moderate wirtschaftliche Verlangsamung dürfte die qualitativ hochwertigsten Bereiche des Marktes jedoch nicht übermäßig belasten, weshalb Mediolanum International Funds die defensiveren Sektoren Versorger und Basiskonsumgüter bevorzuge. Trotz dieser vorsichtigen Einschätzung rechne man nicht mit einer signifikanten Ausfallwelle, denn die sogenannte "Funding Maturity Wall" werde erst im Jahr 2025 wirklich erreicht. Allerdings sei eine generelle Ausweitung der Spreads auch angesichts der gegenwärtig angespannten Lage recht wahrscheinlich.

Aktienbewertungen würden Rally bremsen, Wahlen Anlagechancen schaffen

Die aktuelle Schätzung für das Gewinnwachstum pro Aktie liege bei über 10 Prozent. Angesichts der starken Renditen im Jahr 2023 dürften Gewinne dieses Jahr jedoch schwieriger zu erzielen sein. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 15,9 seien globale Aktien leicht überbewertet, und das werde durch die US-Technologiewerte noch verstärkt, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz. Und auch außerhalb des Technologiesektors sei ein optimistischerer Ausblick eingepreist.

Im Jahr 2024 müssten sich aktive Manager erneut bewähren. Langsameres Wachstum und höhere Bewertungen dürften die Aktienrally bremsen, die wir Ende vergangenen Jahres erlebt hätten. Das könne sich jedoch wieder ändern, wenn eine globale Rezession abgewendet werden könne: Eine erneute Aktienrally wäre dann durchaus möglich, beflügelt durch widerstandsfähige Konsumenten und Wachstumssektoren wie Technologie und Gesundheitswesen. Anleger sollten dabei weder das Wachstumspotenzial unterschätzen, das der zunehmende Einsatz von KI in Unternehmen schaffe, noch die positiven Auswirkungen verkennen, die die neuen Adipositas-Medikamente auf die Gesundheitskosten und Verbrauchergewohnheiten haben dürften. Für aktive Manager sei in diesem Jahr nicht nur die Auswahl der richtigen Titel eine mögliche Quelle für Renditen. Auch die Wahlen würden Chancen schaffen: Laut Bloomberg würden 2024 in 40 Ländern 41 Prozent der Weltbevölkerung ihre Stimme abgeben - das entspreche 42 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. In den Turbulenzen, die die Wahlen auf den Märkten verursachen dürften, könnten sich für geschickte Investoren günstige Kaufgelegenheiten ergeben.

Europäische und China-Aktien unterbewertet

Seien Tech-Aktien weiterhin interessant für Investoren? Auch die Frage, ob die Anleger weiterhin auf Technologie und künstliche Intelligenz setzen oder ob sie in weniger teure Bereiche des Marktes umschichten würden, sei von großer Bedeutung. Nach Ansicht von Mediolanum International Funds sei Technologie ein langfristiger Trend, der sich über viele Jahre hinweg fortsetzen werde. Kurzfristig könnte es 2024 allerdings zu einer Neubewertung kommen, falls eine eintretende Rezession die Anleger dazu veranlasse, Gewinne mitzunehmen und auf defensive Sektoren wie Gesundheitswesen, Pharmazie, Basiskonsumgüter und Versorger auszuweichen.

Eine weitere treibende Kraft für die Aktienperformance könnte China werden. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt könnte das Wachstum der globalen Aktien beflügeln - aber nur, wenn es dem Land gelinge, die derzeit angeschlagene Konjunktur wieder auf Kurs zu bringen. Davon wiederum könnten europäische Exporteure profitieren, darunter deutsche Autohersteller, französische Luxusgüterkonzerne und britische Dienstleistungsunternehmen. Sowohl europäische als auch chinesische Aktien würden derzeit mit eher günstigen Bewertungsmultiplikatoren gehandelt, nämlich dem 11-fachen bzw. 14-fachen des Gewinns. Das mache sie bei einem wirtschaftlichen Aufschwung zu einem attraktiven Investment.

Bei unklaren Wachstumsaussichten: Diversifikation und Qualität

Die Weltwirtschaft stehe an einem Scheideweg zwischen Wachstum und Rezession. Die Vermögensverwalter müssten sich nun an die veränderten Wirtschafts- und Marktbedingungen anpassen. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Herausforderungen laute der wichtigste Rat an die Anleger, das billigste und wirksamste Instrument zur Risikominderung auf den Finanzmärkten zu nutzen: Diversifizierung. Wer in einem Jahr als Verlierer gegolten habe, werde ein Jahr später oft zum Gewinner - und umgekehrt. Das bedeute, dass ein ausgewogenes und gemischtes Portfolio oft der beste Weg sei, um Risiken zu reduzieren und potenzielle Gewinne mitzunehmen.

In der Vergangenheit hätten Finanzmarktteilnehmer trotz der Bullen- und Bärenmärkte der letzten Jahre Erträge generieren können - und zwar in erster Linie durch Aktiendividenden und Anleihekupons. Für diejenigen, die einen risikoärmeren Ansatz bevorzugen würden und zu den Grundsätzen zurückkehren möchten, biete eine Auswahl aus sogenannten Dividenden-Aristokraten attraktive und regelmäßige Ausschüttungen. Aber auch die Kupons festverzinslicher Wertpapiere würden zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten wieder das hohe Niveau erreichen, das Anleger traditionell fordern würden. (13.02.2024/alc/a/a)