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15.09.21 11:00
Weiter keine Zinsen in Sicht
Raiffeisen Centrobank

Wien (www.anleihencheck.de) - Dies- und jenseits des Atlantiks sind Drosselungen der Anleihenkäufe möglich - doch Zinserhöhungen liegen in weiter Ferne, so die Analysten der Raiffeisen Centrobank.

Einmal im Jahr würden sich die internationalen Notenbanker treffen - normalerweise in den Bergen von Wyoming, Jackson Hole. In diesem Jahr sei das Symposium vom 26. bis 28. August abgehalten worden, und zwar wegen der Pandemie bereits zum zweiten Mal in Folge virtuell. Marktteilnehmer würden dem Treffen stets mit großer Spannung entgegenfiebern, weil sie Indizien für den künftigen Zinskurs der Notenbanken erwartet hätten. Einmal mehr habe die Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell im Fokus gestanden. Es sei erwartet worden, dass er Andeutungen machen würde, wann der Ankauf von Staatsschulden in Höhe von derzeit monatlich 120 Mrd. Dollar reduziert würde - im Fachjargon "Tapering" genannt.

Dass die US-Zentralbank aus ihrer expansiven Politik aussteigen müsse und werde, stehe für viele Experten außer Frage. Das Hauptargument seien die aktuellen Inflationsdaten: Die Verbraucherpreise in den USA seien im Juli um 5,4 Prozent gestiegen und damit ebenso stark wie im Juni, was damals die höchste Rate seit August 2008 bedeutet habe. Spannend werde, wie die Börsen auf das "Tapering" reagieren würden. Schließlich gelte die ungeheuer große Geldflut als einer der Hauptgründe für den starken Anstieg der Aktienkurse seit dem Pandemie-Crash im März 2020. Ein Zeitpunkt dafür stehe allerdings noch nicht fest.

Powell habe auf dem Symposium zwar angedeutet, dass er auf der Juli-Sitzung der FED wie die meisten seiner Kollegen der Auffassung gewesen sei, "dass es angemessen sein könnte, das Tempo der Wertpapierkäufe in diesem Jahr zu reduzieren, wenn sich die Wirtschaft im Großen und Ganzen wie erwartet entwickelt". Seither habe es auf der einen Seite einen starken Arbeitsmarktbericht für Juli gegeben. Es sei auf der anderen Seite aber auch das Risiko durch die Delta-Variante des Coronavirus gestiegen.

Nun habe sich auch noch die Lage am US-Arbeitsmarkt spürbar eingetrübt: Im August seien in den USA lediglich 235.000 neue Stellen geschaffen worden und damit weit weniger als erwartet - die durchschnittlichen Prognosen hätten bei rund 750.000 neuen Jobs gelegen. Im Vormonat habe das Plus noch bei 943.000 Stellen gelegen. Obwohl gleichzeitig die Arbeitslosenquote auf niedrige 5,2 Prozent gefallen sei und die durchschnittlichen Stundenlöhne mit einem Plus von 0,6 Prozent doppelt so stark zugelegt hätten wie erwartet, sei ein baldiger Tapering-Start also alles andere als sicher. Und selbst wenn: Powell habe versichert, dass eine Reduktion der Anleihekäufe nicht als direktes Signal für baldige Zinserhöhungen zu verstehen sei. Weitere Hinweise zur künftigen Geldpolitik könnten Marktteilnehmer bei der nächsten FED-Sitzung am 21./22. September erwarten.

Am Donnerstag (9. September) habe sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) getroffen. Das Interesse an der Sitzung sei dieses Mal besonders groß gewesen, da die Preise in der Eurozone schnell steigen würden. Zuletzt habe die Inflationsrate mit 3,0 Prozent im Vorjahresvergleich auf einem Zehnjahreshoch und über den Erwartungen gelegen. Gleichzeitig stocke aber die Konjunkturerholung und die Delta-Variante sorge für weitere Unsicherheiten. Insgesamt sei daher noch keine wirkliche Straffung der Geldpolitik im Euroraum zu erwarten.

Doch zumindest könnten die Anzeichen für eine baldige Verlangsamung der Anleihekäufe im Rahmen des Notfall-Wertpapierkaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) zunehmen. Seit der Beschleunigung der Käufe im April 2021 liege das monatliche Volumen bei rund 80 Mrd. Euro, seit Beginn des Programms im März 2020 seien Bonds im Volumen von insgesamt 1.272 Mrd. Euro vom Markt genommen worden. Wahrscheinlich sei daher, dass die EZB zunächst zum ursprünglichen PEPP-Programm von 60 Mrd. Euro monatlich zurückkehre. Die Auswirkungen am Markt dürften sich in Grenzen halten, zumal sich die Erwartungen für Zinserhöhungen im Euroraum inzwischen auf das Jahr 2024 verschoben hätten.

Für Sparer seien das schlechte Nachrichten, dürften sie doch auf absehbare Zeit nicht damit rechnen, eine Verzinsung für ihre Guthaben zu bekommen. In diesem Niedrigzinsumfeld könnten Zertifikate eine interessante Alternative darstellen. Je nach Chance-Risiko-Neigung des Anlegers und je nach Ausgestaltung des speziellen Zertifikats seien teilweise deutlich über dem Marktniveau liegende Zinsen zu erzielen. (Ausgabe vom 14.09.2021) (15.09.2021/alc/a/a)


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