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09.09.21 16:00
Blickpunkt EZB: Notenbank fährt Anleihekäufe etwas zurück
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Auf der heutigen Sitzung beschloss die EZB, die erhöhten Anleihekäufe des Pandemie-Notfallkaufprogramms (PEPP) moderat zurückzufahren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Weiterhin seien neue Wirtschaftsprognosen vorgestellt worden.

Die EZB habe auf der heutigen Zinssitzung beschlossen, die erhöhten Anleihekäufe des Pandemie Notfallkaufprogramms (PEPP) im vierten Quartal 2021 moderat zurückzufahren. Diese Entscheidung wurde von der Mehrheit von Bloomberg befragten Analysten (sowie von uns) erwartet, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Die Notenbank habe dabei kein explizites neues Zielvolumen bekannt gegeben.

Es sei vielmehr betont worden, flexibel auf die Marktbegebenheiten zu reagieren und weiter für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Die Analysten würden den Schnitt zwischen August 2020 und März 2021 von monatlich EUR 63 Mrd. als geeignete Richtschnur für die kommenden Monate erachten. Zum Vergleich: Das durchschnittliche monatliche Volumen habe in Q2 rund EUR 80 Mrd. betragen, in Q3 geschätzt ca. EUR 88 Mrd. Der Verlauf des PEPP über Q4 2021 hinaus habe nicht zur Beschlussfassung angestanden, dies solle in der Sitzung im Dezember entschieden werden.

Die Notenbank habe in ihren neuen Prognosen vor allem ihre Schätzungen für das BIP-Wachstum im Jahr 2021 und die Inflation in diesem und nächsten Jahr nach oben genommen. Präsidentin Lagarde habe einerseits die positive wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Monaten betont und andererseits die anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf den Verlauf der Corona-Pandemie hervorgehoben. Die zuletzt hohe Teuerungsraten würden laut EZB noch bis Jahresende beobachtbar sein, sich aber großteils als vorübergehend erweisen. Die Inflationsrate werde in der Eurozone vor allem vom starken Swing beim Ölpreis und Einmaleffekten nach oben getrieben. Der zugrunde liegende Preisauftrieb habe zwar etwas zugenommen, werde aber mittel- bis langfristig immer noch deutlich unter dem Inflationsziel erwartet.

Die Analysten würden die Wirtschaftseinschätzung der EZB teilen und in der Wortwahl von Lagarde keinen Hinweis sehen, den eingeschlagenen geldpolitischen Kurs (günstige Finanzierungen für eine lange Zeit) in absehbarer Zeit zu ändern bzw. das PEPP bereits zur Mindestlaufzeit März 2022 zu beenden. Immerhin habe sie betont, dass für ein Ende des PEPP keine negativen Auswirkungen der Corona-Krise mehr vorhanden sein sollten. Diese erscheine den Analysten beim unterstellten Wirtschaftsverlauf nicht gegeben.

Der restliche Maßnahmenmix (Leitzinsen, Anleihekaufprogramm APP, forward guidance zum Leitzinsverlauf und zu den Anleihekaufprogrammen) sei unverändert geblieben. Die Notenbank tue nach Meinung der Analysten gut daran, einerseits auf die Wirtschaftsverbesserung zu reagieren und den Stimulus wieder etwas zu reduzieren, sich andererseits aber für die Zukunft Flexibilität zu bewahren.

Angesichts der bestehenden Unsicherheiten gebe es auch keinen Grund, aggressiv vorzugehen. Der EZB Rat werde diese Vorgehensweise wohl auch bei der nächsten entscheidenden Sitzung im Dezember wählen (Reduktion der Käufe aber kein Beschluss eines Einstellens der Käufe im März). Die EZB werde wohl kaum aggressiver als die US FED agieren und nach Meinung der Analysten ihre Anleihekäufe in weiterer Folge eher graduell als in einem großen Schritt im März 2022 herunterfahren. (09.09.2021/alc/a/a)



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