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08.09.21 09:16
Inflation steigt weltweit
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Deutlicher zeigt sich jetzt: Die Inflationsraten steigen in der ganzen Welt wieder an, außer in den USA und Deutschland, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

In den OECD-Ländern insgesamt hätten sich die Konsumentenpreise im Juli 2021 um 4,2% gegenüber dem Vorjahr nach 4,0% im Juni erhöht. Preistreiber seien derzeit insbesondere die Energiepreise (Juli +17,4% nach +16,9% im Juni) und die Nahrungsmittel (Juli +3,1% nach +1,9% im Juni). Ohne Energie und Nahrungsmittel sei die Teuerungsrate im Juli in den OECD-Ländern stabil bei +3,1% geblieben.

In der Eurozone sei der Anstieg der Konsumentenpreise (HICP) mit +2,2% nach +1,9% im Juli deutlich unter dem der USA (+5,4%) geblieben. Am deutlichsten seien in der Eurozone die Verbraucherpreise in Deutschland (+3,8% im Juli nach +2,3% im Juni) gestiegen. Erste Schätzungen von Eurostat würden den Anstieg der Konsumentenpreise in der Eurozone auf +3,0% im August sehen.

In den G20 Ländern sei die Inflationsrate im Juli auf 4,6% nach 4,3% im Juni gestiegen. Den höchsten Anstieg sehe die OECD in den Nicht-G20 Ländern in Argentinien mit 51,8% im Juli nach 50,2% im Juni, Brasilien mit 9,0% nach 8,2% im Juni. Aus der Türkei werde gemeldet 19,0% nach 18,9%, dagegen China 1,0% nach 1,1%.

Wie begegne die Politik dem weltweiten Inflationsanstieg? Bei allem Vertrauen in die Notenbanken und in das "Allheilmittel" Geldpolitik sollte sich jeder klar darüber sein, dass die Überwindung der Pandemie über eine kräftige Neuverschuldung finanziert worden sei. Doch Wachstum durch Neuverschuldung sei zwar ein altbekannter Trick, aber führe mit Sicherheit in die nächste Krise. Die alten Schulden könnten zwar durch Umschuldungen refinanziert werden, Nullprozent Soll-Zinsen werde es jedoch kaum wieder geben. In dem Fall steige der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) ins Unerträgliche, es sei denn, Regierungen und Notenbanken würden das Ziel von Preisstabilität und ausgeglichenem Haushalt aufgeben.

Noch in diesem Jahr könnte die US-Notenbank mit dem Herunterfahren ihrer milliardenschweren Anleihenkäufe (Tapering) beginnen. Das kündige Federal-Reserve-Chef Jerome Powell auf dem Treffen der Chefs der wichtigsten Zentralbanken in Jackson Hole am 27. August an. Ein genauer Zeitplan sei nicht genannt worden.

Folgerung: An den Börsen würde der Beginn des Tapering in den USA als ein Signal für die ganze Welt gedeutet, dass wegen gestiegener Inflationserwartungen die ultra-expansive Geldpolitik überall zu Ende gehe. Doch das könnte sich als zu spät erweisen. Zahlreiche Regierungen hätten bereits kreditfinanzierte Ausgaben zum Klimaschutz beschlossen. Das werde nicht ohne Preissteigerungen möglich sein. Schon jetzt würden die Inflationserwartungen von 2,5% auf 4,7% steigen.

Dispositionen: Sparer und Investoren sollten sich auf das verbleibende Restrisiko einstellen und ihre Investments entsprechend absichern. Geld- und Rentenmarkt würden als Anlage ausfallen, da sie keine Zinsen bieten und erhebliche Kursverluste drohen würden. Die Aktienmärkte würden schon auf Allzeithoch notieren und sich zur Anlage nur noch in ausgewählten Titeln und Branchen wie Klimaschutz und klimafreundliche Energien und Antriebstechniken (Wasserstoff) bieten. Als klassische Alternative würden die Edelmetalle bleiben. (Ausgabe vom 07.09.2021) (08.09.2021/alc/a/a)



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