Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
06.09.21 10:45
Inflation steigt weiter deutlich an
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Preissteigerung in Deutschland und im Euroraum liegt weiter auf hohem Niveau, so die Experten von Union Investment.

Gleichzeitig würden sich vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag im Rat die kritischen Stimmen zur expansiven Geldpolitik mehren. Vor allem stünden dort die Anleiheankäufe im Blickpunkt. Ungeachtet dessen habe aber die Aussicht auf ein lang anhaltend niedriges Zinsniveau und die fortgesetzte Erholung der Wirtschaft die Aktienbörsen in der Berichtswoche wieder begünstigt. Die großen Märkte hätten durchweg im Plus gelegen, teils seien wieder Rekordstände erreicht worden. Im Staatsanleihesektor habe sich vor der EZB-Sitzung eher wenig getan. Bundesanleihen hätten etwas nachgegeben, deren Renditen seien leicht angestiegen.

Die deutsche Inflation habe sich auch im August auf erhöhtem Niveau bewegt. Mit einem Anstieg von 3,4 Prozent gemäß EU-Berechnung (harmonisierter Verbraucherpreisindex, HVPI) respektive 3,9 Prozent nach nationaler Rechnungslegung (ein 28-Jahreshoch) habe die Preissteigerung weiter kräftig zugelegt. Die Inflation im Euroraum sei im August ebenfalls stark angesprungen und von 2,2 auf 3,0 Prozent geklettert. Basis- bzw. Sondereffekte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie würden immer noch als Haupttreiber dieser Entwicklung gelten. Auffällig sei jedoch gewesen, dass sich die um schwankungsanfällige Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate ebenfalls deutlich von 0,7 auf 1,6 Prozent erhöht habe.

Dies sei in der Berichtswoche nicht spurlos an der Europäischen Zentralbank vorbeigegangen. Einige Ratsmitglieder, die einen eher restriktiven geldpolitischen Kurs befürworten würden, hätten sich entsprechend zum Geschehen geäußert. In erster Linie sei die Debatte über die Wertpapierankaufprogramme angestoßen worden. Das EZB-Treffen am kommenden Donnerstag dürfte damit an Brisanz gewinnen. Bleibe die Frage, ob sich innerhalb des EZB-Rats wirklich Mehrheiten finden lassen würden, die einen Umschwung der expansiven Geldpolitik ermöglichen würden. Ein Wegschauen bei der Inflationsentwicklung mit Verweis auf vorübergehende Effekte dürfte angesichts der aktuellen Zahlen immer schwieriger werden. Dennoch dürfte mit Blick auf 2022 von einer Normalisierung der Preissteigerungsraten im Rahmen wegfallender Sondereffekte auszugehen sein.

Der für August ermittelte Economic Sentiment Index (ESI) für die Wirtschaftsstimmung im Euroraum habe sich im August mit 117,5 Punkten gegenüber Juli um 1,5 Punkte und damit etwas stärker als erwartet abgeschwächt. Dieser bleibe aber auf hohem Niveau und oberhalb des langfristigen Durchschnitts. Damit verbunden gehe ein klares Wachstumssignal einher, wenngleich die Ausbreitung der Delta-Variante die Stimmung sowohl bei Dienstleistern als auch Konsumenten etwas gedämpft habe. Auf Länderebene habe sich Deutschland mit einem Rückgang von 0,3 Punkten im Vergleich mit anderen größeren Volkswirtschaften sehr stabil gezeigt.

Die für den Monat August veröffentlichten chinesischen Einkaufsmanagerindices hätten unter den Anlegern alles andere als Begeisterungsstürme hervorgerufen. Der offizielle Gesamtindex habe schwach tendiert und sei mit 48,9 Zählern seit langem erstmals unter die 50-Punkte-Marke gefallen. Tendenziell hätten sich alle Komponenten mit Ausnahme des Bausektors rückläufig gezeigt. Wir dürften insgesamt ein schwächeres drittes Quartal sehen, hoffen aber aufgrund der Zahlen aus der Baubranche dann auf eine Erholung im vierten Quartal des laufenden Jahres, so die Experten von Union Investment.

In den USA habe sich das Konsumentenvertrauen (Conference Board) rückläufig gezeigt. Von 129,1 sei es deutlich auf 113,8 Punkte runtergegangen. Am US-Arbeitsmarkt sei die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche mit 340.000 leicht rückläufig und auch geringer als erwartet gewesen. Bei den im August neu geschaffenen Stellen (non farm payrolls) habe es dann am Freitagnachmittag noch eine herbe Enttäuschung gegeben. Mit 235.000 neuen Jobs sei die Erholung am US-Arbeitsmarkt deutlich hinter den Erwartungen der befragten Analysten zurückgeblieben. Laut Bloomberg hätten diese im Durchschnitt mit einem Aufbau von 725.000 Arbeitsplätzen gerechnet. Die Arbeitslosenquote sei wie erwartet von 5,4 auf 5,2 Prozent zurückgegangen. (Ausgabe vom 03.09.2021) (06.09.2021/alc/a/a)


© 1998 - 2021, anleihencheck.de