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Analysen - Allgemein
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01.02.21 09:45
Bund- und Treasury-Renditen gefragt
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Das Corona-Umfeld bzw. die damit verbundenen veränderten Geschäftsbedingungen sorgen für starke Sprünge sowie handfeste Überraschungen bei den Wirtschaftsdaten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Zum ersten hätten die BIP-Zahlen für das vierte Quartal für einige Euroländer weit weg von den Erwartungen gelegen. In Frankreich (-1,3% p.q.), Spanien (0,4% p.q.) und Belgien (0,2% p.q.) habe sich die Gesamtwirtschaft besser halten können als angenommen, in Österreich (-4,3% p.q.) habe das Ergebnis nahe bei der Schätzung der Analysten der RBI (jedoch weit unter Konsens) gelegen. Mit den Zahlen aus Deutschland und kleineren Euroländern zeichne sich das Resultat für die Eurozone bereits gut ab - die Analysten der RBI würden mit rund -1,0% p.q. rechnen. Zum zweiten sei in Deutschland und Spanien die Inflationsrate zu Jahresbeginn um 2,3 bzw. 1,2 Prozentpunkte nach oben geschossen. In beiden Ländern sei ein starker Anstieg bei den Energiepreisen als Ursache angeführt worden, zudem schlage sich in Deutschland unter anderem das Ende der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung zu Buche.

Die vorliegenden Informationen haben wir in unsere Schätzung für die Teuerung in der Eurozone einfließen lassen und so gehen wir von einem deutlichen Sprung nach oben aus, so die Analysten der RBI. Die genannten Faktoren würden die Berechnungsbasis das ganze Jahr erhöhen - ein Rückfall der Teuerungsrate im Februar sei somit nicht wahrscheinlich.

In den USA habe die BIP-Veröffentlichung für das vierte Quartal ein Wachstum von 1% p.q. (4% annualisiert) gezeigt. Für das Gesamtjahr 2020 bedeute dies einen BIP-Rückgang von 3,5%. Das deutlich niedrigere Wachstum im 4. Quartal im Vergleich zum 3. Quartal sei insbesondere von einer moderateren Konsumdynamik geprägt gewesen, während Investitionen den schwierigen Rahmenbedingungen besser standgehalten hätten. Weitere wichtige Anhaltspunkte würden diese Woche die ISM-Stimmungsindikatoren sowie der Beschäftigungsbericht liefern. Während die Geschäftsstimmung bislang der Pandemie trotze und dies auch weiter erwartet werde (ISM-Indices deutlich im Expansionsniveau), habe sich die Situation am Arbeitsmarkt zuletzt eingetrübt. Nach dem Beschäftigungsrückgang von 140T im Dezember (ex Agrar), was fast ausschließlich auf das Freizeit- und Gastgewerbe zurückzuführen gewesen sei (-498T), werde im Januar ein nur moderater Zuwachs erwartet.

Die erste FED-Sitzung des Jahres habe, wie erwartet, zu keinen Änderungen des geldpolitischen Maßnahmenpakets geführt. Während sich mittelfristige Wirtschaftsaussichten verbessert hätten, gelte die Diskussion über ein Tapering als verfrüht und bevorstehende Inflationsanstiege als vorübergehend. Die Notenbank habe auch kurzfristige Risiken hervorgehoben und auf eine Verlangsamung der Konjunkturdynamik verwiesen.

In Erwartung einer zurückhaltenden FED sowie der Veröffentlichung von Konjunkturindikatoren, welche die neuerlichen Restriktionen zunehmend abbilden würden, seien Bund- und Treasury-Renditen gefragt gewesen. Das Ausbleiben negativer Überraschungen bei den bisherigen BIP-Veröffentlichungen (Q4) sowie ein deutlicher Anstieg der Inflation in Deutschland hätten Benchmark-Renditen wieder an das Niveau der Vorwoche herangeführt. In Anbetracht der ausgeprägten Basiseffekte in der Inflationsrate würden die Analysten der RBI einen weiteren Anstieg der Inflationserwartungen, insbesondere in der Eurozone, erwarten. Am Markt sei in den vergangenen Wochen die Inflationserwartung für den Euroraum bereits nach oben korrigiert worden. Habe Anfang Januar die Inflationserwartung laut Swap für ein Jahr bei nur 1,2% p.a. gelegen, so sei diese Ende Januar mit 1,5% bepreist worden. Nach Meinung der Analysten der RBI werde sich - wie auch zuletzt - ein Anstieg der Inflationserwartungen aber nur wenig auf die nominellen Renditen übertragen. Vielmehr dürfte sich weiter Abwärtsdruck auf das reale Renditeniveau aufbauen. (Ausgabe vom 29.01.2021) (01.02.2021/alc/a/a)


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