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30.10.20 10:00
Treasury-Kurse werden bei einem Biden-Sieg unter Druck geraten
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Alles ist unter Druck, Renditen, Aktienmärkte, Ölpreise und selbst der Goldpreis, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Ursache dafür sei in erster Linie der globale exponentielle Anstieg der Corona-Infektionszahlen verbunden mit einer steigenden Anzahl von Ländern, die einen Lockdown verhängen würden, darunter auch Deutschland und Frankreich. Dadurch habe sich der Wachstumsausblick deutlich eingetrübt und es sei nur eine Frage der Zeit, dass die BIP-Prognosen für das kommende Jahr nach unten angepasst würden.

Bezüglich der heutigen EZB-Sitzung stelle sich die Frage, ob die Notenbankchefin Christine Lagarde angesichts der sich verschärfenden Coronalage in den beiden größten Volkswirtschaften der Währungsunion bereits jetzt handle und das PEPP-Anleiheankaufprogramm aufstocke bzw. verlängere oder damit bis Dezember warte. Grundsätzlich sei es auch möglich, den Zins für TLTRO-Geschäfte erneut zu senken.

Darüber hinaus würden die US-Wahlen am Dienstag (03.11.) im Fokus stehen. Ein Sieg von Joe Biden dürfte mit der Erwartung verbunden sein, dass die Demokraten schon bald ein großes Konjunkturpaket schnüren würden, womit theoretisch der Bondmarkt stärker belastet werde. Das hieße steigende Renditen. Allerdings sei es gut möglich, dass die FED ihre Unterstützung für den Bondmarkt bzw. die Anleiheankäufe erhöhe. Damit würde ein kräftiger Zinsanstieg verhindert werden. Jerome Powell jedenfalls habe massiv für ein neues staatliches Hilfspaket geworben, sodass flankierende Maßnahmen durch die FED nicht überraschend wären.

Allerdings stehe die Welt bis Dienstag bzw. Mittwoch, wenn das Wahlergebnis zu erwarten sei, nicht still. Eine weitere Verschärfung der Coronalage könnte selbst die US-Wahlen überlagern bzw. dafür sorgen, dass diese keinen nachhaltigen Effekt auf die Märkte hätten. Würde man isoliert die US-Wahlen betrachten, würden die Analysten die These vertreten, dass ein Wahlsieg Bidens die Aktienmärkte beflügeln sollte, da neben einem größeren Stimuluspaket auch mehr Berechenbarkeit den Märkten einen positiven Impuls geben dürfte. Ganz nüchtern müsse man aber feststellen, dass ein Wahlsieg Bidens an der Coronalage kurzfristig nichts ändern werde, zumal der Regierungswechsel erst am 20. Januar stattfinden würde. Eine Pandemie warte nicht auf politische Termine.

In diesem Umfeld werde sich möglicherweise die FED bei ihrer Sitzung am 5. November nur schwer Gehör verschaffen können. Auch die zahlreichen Konjunkturdaten (PMIs in der Eurozone, ISMs in den USA, US-Arbeitsmarktdaten, deutsche Einzelhandelsumsätze und das BIP in den USA und Deutschland) könnten relativ wenig Beachtung finden, da - obwohl es sich teilweise um Frühindikatoren handle - sie in den Zeiten von Corona bereits wieder veraltet erscheinen würden. (Ausgabe vom 29.10.2020) (30.10.2020/alc/a/a)


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