Zinssorgen nehmen zu - Renditen für Bundesanleihen steigen stark


07.06.18 11:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenn der EZB-Rat in der kommenden Woche in Riga zusammentritt, soll nach Meinung von Fachleuten über das Ende des Anleihekaufprogramms diskutiert werden, berichten die Analysten der Helaba.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in Italien und ein Auge schon auf Spanien gerichtet, falle die Vorstellung eines Teilrückzugs der Notenbank als Stabilitätsfaktor doch schwer.

Ungeachtet des anhaltenden Drucks auf italienische Staatsanleihen habe die Nachfrage nach Zinspapieren bester Qualität spürbar nachgelassen. Die trotz Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und der EU bessere Stimmung an den Aktienmärkten sowie Aussagen von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, der für den Beginn einer Diskussion über das Anleihekaufprogramm am 14. Juni votiert habe, hätten die Grundlage für steigende Kurse entzogen.

Die Renditen für Bundesanleihen seien mit zunehmenden Zinssorgen stark gestiegen. Die Zinsstruktur zwischen kurzen und langen Laufzeiten sei deutlich steiler geworden, von zehn bis 30 Jahren sei sie auf 68 BP verflacht. Die Umsätze seien zu einem großen Teil dem Kontraktwechsel an der EUREX geschuldet gewesen, in der Kasse hätten sich Anleger auf Primärtransaktionen konzentriert. Die Aufstockung der 5-jährigen Bundesobligation habe bei einem 1,6fachen Nachfrageüberhang auf ordentliches Interesse getroffen, 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,80%) und Belgien (0,85%) hätten gegen Bunds gut einen BP verloren.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich mit Ausnahme italienischer Papiere im Gleichschritt mit ihren Pendants aus den Kernländern bewegt. Noch zu Handelsbeginn hätten letzte Verkaufsorders für BTPs durch den Markt gefegt, anschließend hätten Schnäppchenjäger die Gunst der Stunde für sporadische Engagements genutzt. SPGBs hätten im Vorfeld der heutigen Auktionen ihre Gewinne nicht halten können. Der Risikoaufschlag 10-jähriger spanischer (1,47%) und portugiesischer Bonds (1,91%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen nur geringfügig verändert, italienische Titel (2,90%) hätten erneut 4 BP eingebüßt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen in Erwartung einer strafferen Geldpolitik weiter gestiegen. Der Anstieg des Dow Jones-Index über 25.000 Punkte sei von Finanztiteln angeführt worden, die wiederum von steigenden Kapitalmarktzinsen am meisten profitieren würden. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe bei 31 BP verharrt. In Fernost würden US-Treasuries trotz überwiegend freundlicher Vorgaben von den Aktienbörsen nur wenig verändert tendieren. In Japan seien die Frühindikatoren von 104,5 auf 105,6 Punkte gestiegen.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (159,95) und Bobl-Kontrakt (131,16) hätten 123 bzw. 54 Stellen verloren, der Schatz (111,945) sei 10 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,47% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich um 5 auf 107 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP höher bei 2,97% rentieren. Der Euro klettere auf 1,179 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 65 US-Dollar.

Heute richte sich die Aufmerksamkeit datenseitig auf die deutschen Industrieaufträge (0,8%/3,6%) im April. Die endgültigen Wachstumszahlen des 1. Quartals in der Eurozone (0,4%/2,5%) sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (221K) in den Vereinigten Staaten dürften nur am Rande interessieren.

Am Primärmarkt begebe Spanien SPGBs mit Fälligkeiten 01/2021, 07/2023 und 04/2028 über zusammen 2 bis 3 Mrd. Euro sowie einen Linker bis 11/2023 über 1,7 Mrd. Euro. Frankreich emittiere eine neue 10-jährige Anleihe und stocke Bonds mit elf, 13, 18 Jahren Laufzeit um zusammen 9 Mrd. Euro auf.

Die WI Bank habe eine 10-jährige Anleihe unter Mitführung der Helaba im Volumen von 750 Mio. Euro bei Midswap -5 BP begeben. Das Land Berlin habe einen 15-jährigen Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap flat platziert. Die Commerzbank AG habe einen Hypothekenpfandbrief mit Laufzeit 23.09.2023 im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -7 BP emittiert. Kroatien habe eine 10-jährige Anleihe im Volumen von 750 Mio. Euro bei Midswap +190 BP angeboten. (07.06.2018/alc/a/a)