Wird der Zwischenschritt der EZB zum Spagat?


27.10.21 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nachdem die EZB mit ihrer neuen Strategie erfolgreich das Sommerloch verhindert hatte, ging es zuletzt vor allem um sprachliche Adjustierungen und die Drosselung des monatlichen PEPP-Ankauftempos seit Beginn Q4/2021, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Mit Blick auf die geldpolitischen Entscheidungsparameter sähen die Analysten der NORD/LB für morgen keinerlei Anpassungen voraus. Dies würden sie nicht zuletzt mit der Einschätzung begründen, dass im EZB-Rat die Preisauftriebe weiterhin als temporär und somit transitorisch angesehen würden. Etwas Würze in die Sitzung dürfte zudem kommen, da Jens Weidmann letzte Woche seinen Rückzug zum Jahresende verkündet habe. Die Kommunikation bleibe das A und O der Europäischen Zentralbank - mehr denn je. Eine Überführung des PEPP in das APP würden die Analysten der NORD/LB frühestens im Dezember erwarten.

Die halbjährlich digital stattfindende Veranstaltung "Global Investor Broadcast" der KfW habe neueste Informationen aus dem Fundingteam bereitgehalten. Vorgeschaltet gewesen sei ein Gespräch des scheidenden CEO, Dr. Günther Bräunig, und seines Nachfolgers, Stefan Wintels. Zwischengeschaltet gewesen sei ein Interview mit der Chefvolkswirtin Dr. Fritzi Köhler-Geib, die ihre Ideen zur EZB und der transitorischen - oder eben nicht - Inflation bereitgehalten habe.

Für die Analysten der NORD/LB im Fokus gestanden hätten die Ausführungen von Tim Armbruster, Treasurer. Der Verantwortungsbereich des KfW-Treasurers umfasse insbesondere die Aktiv-Passiv-Steuerung der Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als einer halben Billion Euro, die Refinanzierung der KfW als einer der weltweit größten nichtstaatlichen Emittenten an den internationalen Kapitalmärkten sowie das Asset Management der Förderbank. Er habe von einem bisher starken Jahr 2021, einem erzielten Fundingvolumen von mehr als EUR 75 Mrd. in 15 Währungen durch über 200 Transaktionen gesprochen. Zum 30.09. habe die KfW noch bei EUR 70,9 Mrd. gestanden. Der Zielkorridor für 2021 sei Mitte des Jahres noch mit EUR 75 bis 80 Mrd. beziffert worden. Hier könnte sogar eine Zielübererreichung anstehen, sollte etwas Prefunding betrieben werden.

Für 2022 habe Armbruster im Bauchgefühl, dass der Wert sogar noch einmal höher liegen könnte. Leuchtturmprojekte des bisherigen Jahres habe er ebenfalls genannt: Insbesondere die Debütemission in einer 15-jährigen Laufzeit (EUR 3 Mrd.) habe er hervorgehoben; aber auch SONIA- und SOFR-Transaktionen oder das sehr gute Ergebnis im Geschäft mit Private Placements (über EUR 9 Mrd.). Diese PPs (bis maximal 30 Jahre) würden teilweise auch Green Bonds und die sog. Tailormade placements umfassen, welche ebenfalls auf Rekordkurs in diesem Geschäftsjahr seien. Der Anteil der grünen Refinanzierung liege in Summe bereits bei über EUR 15 Mrd., was insofern beachtlich gewesen sei, als dass für 2021 mit circa EUR 10 Mrd. kalkuliert worden sei.

Jedoch hätten sich im Jahresverlauf deutlich mehr grüne Assets ergeben, sodass das Programm hier als äußerst erfolgreich skizziert werden könne. Green Bonds sollten möglichst bis zehn Jahre, "plain vanilla" KfW-Bonds bis maximal 15 Jahre und PPs bis maximal 30 Jahre möglich sein. In den genannten Kennzahlen und Ausführungen seien auch EUR 14,7 Mrd. TLTRO III-Mittel sowie rund EUR 36 Mrd. des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) aufgetaucht. Der Fundingplan für das kommende Geschäftsjahr werde wie immer Mitte Dezember veröffentlicht.

Gern verweisen wir an dieser Stelle noch einmal auf unseren Issuer Guide Deutsche Bundesländer 2021, der neben den aktuellsten Haushaltskennzahlen und Fundingdaten natürlich auch die Ratings beinhaltet, so die Analysten der NORD/LB. Die meisten der 16 Länder seien sehr stabil durch die Krise gekommen, erwähnen müsse man an dieser Stelle jedoch den nun negativen Ausblick von Brandenburg (zuvor Aaa stabil).

Das Bonitätsprofil des Landes Brandenburg spiegele laut Moody's die erwartete wirtschaftliche Erholung ab diesem Jahr, das sehr unterstützende föderale Ausgleichssystem, die insgesamt soliden Governance- und Managementpraktiken und den guten Zugang zu den Kapitalmärkten wider. Gleichzeitig berücksichtige es jedoch auch die hohe und wachsende Verschuldung, die im Jahr 2021 voraussichtlich einen Höchststand von rund 190% der Einnahmen erreichen dürfte. In den abgeschwächten Ausblick spiele auch die geringe finanzpolitische Flexibilität mit hinein. Das Land werde zumindest in den Jahren 2021 und 2022 erhebliche Defizite ausweisen. Steuereinnahmeausfälle in Verbindung mit höheren Ausgaben würden bis mindestens 2022 zu Bruttodefiziten von rund 5% der Einnahmen führen. Zudem werde laut Credit Opinion eine Rückkehr zu einem ausgeglichenen Finanzhaushalt nicht vor 2025 erwartet.

Die Analysten der NORD/LB stellen sich die Frage, ob wir schon das Austrudeln des Primärmarktes in Richtung Jahresende sehen? Wie in den letzten Ausgaben berichtet, seien EFSF und ESM bereits für 2021 fertig mit ihren Kapitalmarktaktivitäten, wie oben dargelegt, werde die KfW auch nicht mehr großvolumig in EUR erwartet, sondern habe eher noch "Restarbeiten" zu tun. Kalenderwochen mit EZB-Sitzungen auf der Agenda seien ohnehin nicht sonderlich geprägt durch rege Primärmarktaktivitäten. So verzeichnen wir drei frische Bonds plus drei Taps und keine weiteren offenen Mandatierungen, so die Analysten der NORD/LB.

Der ebenso selten wie gern gesehene Emittent Investitionsbank Schleswig-Holstein (ISIN DE000A2TR182 / WKN A2TR18) habe EUR 500 Mio. für sieben Jahre zu ms -4 Bp begeben. Dort habe auch die Guidance gelegen. Das Orderbuch sei mit EUR 445 Mio. angegeben worden. Der Garantiegeber der IBSH, also das Land SCHHOL (ISIN DE000SHFM824 / WKN SHFM82), habe ebenfalls EUR 500 Mio. begeben. Die sei jedoch für fünf Jahre geschehen und den Dealsheets sei kein Pricing zu entnehmen gewesen. Sekundär verzeichneten wir einen Spread des Bonds bei ms -8 Bp, so die Analysten der NORD/LB.

Das deutsche Trio habe gestern Hessen komplettiert. Ebenfalls EUR 500 Mio. für zehn Jahre zu ms -9 Bp. Hier seien alle Informationen vollständig gewesen und neben dem Pricing und der Guidance (ms -8 Bp area) sei auch das Orderbuch mit über EUR 900 Mio. genannt worden.

Den größten Tap der betrachteten Handelswoche (Mittwoch bis Dienstag) habe die Europäische Union begeben: Sie habe am 20. Oktober angekündigt, ihre frische 2028er Anleihe bereits um EUR 2-2,5 Mrd. aufstocken zu wollen. Dies geschah am 25. Oktober im von uns dargelegten Auktionsrhythmus, so die Analysten der NORD/LB. EUR 2,497 Mrd. seien zugeteilt worden. Gebote in Höhe von EUR 3,956 Mrd. hätten vorgelegen. Die Bid to cover-Ratio sei folglich mit 1,58x angegeben worden. Der gewichtete Preis habe bei 100,81, der niedrigste akzeptierte Preis bei 100,67 gelegen. Zwei kleinere Taps seien von AGFRNC (EUR 250 Mio.) in ihrer 2031er Laufzeit und SACHAN (EUR 500 Mio.) in ihrer 2051er Laufzeit gekommen. Anfangs sei aus Sachsen-Anhalt mit mindestens EUR 250 Mio. geplant worden, die Bücher von EUR 1,2 Mrd. hätten dann das höhere Volumen hergegeben. Dies sei der längste ausstehende Bond der Sachsen-Anhaltiner. (Ausgabe 33 vom 27.10.2021) (27.10.2021/alc/a/a)





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