Verunsicherung wächst - Anleihen der Kernländer wieder hoch im Kurs


06.06.18 10:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern des Dienstleistungssektors in Italien und Spanien ist nicht so schlecht wie erwartet, berichten die Analysten der Helaba.

Für die Eurozone (53,8) bleibe das Wachstumsszenario, allerdings mit etwas weniger Schwung, intakt. In Großbritannien (54 nach 52,8) und den USA (ISM 58,6 nach 56,8) habe sich die Lage überraschend aufgehellt.

Nach dem doch eher ruhigen Wochenauftakt seien die überwiegend positiven Stimmungsindikatoren jedoch kaum ins Gewicht gefallen. Erneut rücke die Politik in den Fokus der Anleger. Der neue italienische Ministerpräsident Conte habe sich bei seiner Antrittsrede vor dem Senat gegen die EU-Flüchtlingspolitik gewandt und Sparmaßnahmen zum Abbau der Staatsverschuldung eine Absage erteilt. Der Schuldenabbau solle durch Wachstum erreicht werden. In seiner populistischen Rede habe er exakt die Pläne der beiden Koalitionspartner Fünf-Sterne sowie Lega Nord vertreten.

Mit seinen Äußerungen habe er Anlegern vor Augen geführt, dass die neue Regierung auf Konfrontationskurs mit der EU gehen werde. Hinzugekommen sei die Ernüchterung, dass es im Handelsstreit mit den USA keine Fortschritte gebe.

Mit wachsender Verunsicherung hätten Anleihen der Kernländer wieder hoch im Kurs gestanden. Als sicher geltende Bundesanleihen hätten Kursverluste des Vortages mehr als wettgemacht, die Gewinne aber nicht ganz ins Ziel retten können. Der Wechsel in den September-Kontrakt an der EUREX habe einen Großteil der Umsätze ausgemacht. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 72 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,69%) und Belgien (0,75%) hätten gegen Bunds knapp einen BP verloren.

Nach kurzer Verschnaufpause habe sich der Ausverkauf von Anleihen der EU-Peripherie fortgesetzt. Angeführt werde die Verliererliste erneut von italienischen Staatspapieren. Umsätze hätten jedoch überwiegend an den Terminbörsen stattgefunden. Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer (2,76%), spanischer (1,38%) und portugiesischer Bonds (1,81%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 26, 8 bzw. 12 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen infolge positiver Konjunkturdaten wieder gestiegen. Mit der Stimmungsaufhellung im Dienstleistungssektor könne an einer Fortsetzung der geldpolitischen Anpassung durch die US-Notenbank kaum gezweifelt werden. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 31 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries angesichts überwiegend freundlicher Vorgaben von den Aktienbörsen zur Schwäche neigen.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (161,18) und Bobl-Kontrakt (131,70) hätten 50 bzw. 21 Stellen zugelegt, der Schatz (112,045) sei 6,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,37% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 102 BP ermäßigt. 10-jährige US-Treasuries würden bei 2,91% rentieren. Der Euro erhole sich auf 1,172 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 65,8 US-Dollar.

Heute stehe einzig das US-Handelsbilanzdefizit (-49,1 Mrd. USD) auf dem Datenfahrplan. Im Wochenverlauf stehen hierzulande Auftragseingänge und Industrieproduktion sowie die Umfragen bei den Einkaufsmanagern im Dienstleistungssektor dies- und jenseits des Atlantiks auf dem Prüfstand, so die Analysten der Helaba.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes 5-jährige Bundesobligationen um 2 Mrd. Euro auf. Spanien begebe am Donnerstag SPGBs mit Fälligkeiten 01/2021, 07/2023 und 04/2028 über zusammen etwa 3,8 Mrd. Euro sowie einen Linker bis 11/2023 über 1,7 Mrd. Euro.

Frankreich emittiere gleichtägig eine neue 10-jährige Anleihe und stocke FRTR mit 11, 13,18 Jahren Laufzeit um zusammen 9 Mrd. Euro auf. Die Investitionsbank Schleswig-Holstein habe eine 7-jährige Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap -9 BP begeben. Lebhaftes Interesse habe die 5-jährige Anleihe der Rentenbank verzeichnet, die bei Midswap -23 BP emittiert worden sei. Die WI Bank habe eine 10-jährige Transaktion unter Führung der Helaba im Volumen von 500 Mio. Euro angekündigt. (06.06.2018/alc/a/a)