Verunsicherung unverändert hoch - Bundesanleihen weiter gut unterstützt


06.07.18 09:17
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die große Koalition hat sich nach langem Ringen jetzt endgültig auf eine Verschärfung des Asylrechts geeinigt, berichten die Analysten der Helaba.

Im Transitverfahren solle es jetzt keine "Transitzentren" geben sondern Einrichtungen der Bundespolizei genutzt werden. Die würden dann "Transferzentren" heißen. Die Zurückweisung solle innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Bei derzeit 150 Fällen im Monat in Bayern viel Geschrei zur Befriedigung persönlicher Befindlichkeiten!

Die Auftragslage bei der Industrie in Deutschland (2,6%/4,4%) habe sich im Mai nachhaltig verbessert. Nach dem schwachen Jahresauftakt hätten sich die Perspektiven für Produktion und Konjunktur deutlich aufgehellt. Vor diesem Hintergrund würden die Aussagen einiger Notenbank-Mitglieder nicht wundern, die eine zu späte Anhebung der Zinsen befürchten würden. Entsprechend seien die Zinserwartungen adjustiert und damit die gesamte Zinskurve unter Druck gesetzt worden.

Die mit dem Angebot der Abschaffung von Zöllen auf Autos zwischen den USA und der EU einhergehende Entspannung im Handelsstreit habe sich positiv auf die Entwicklung an den Aktienbörsen niedergeschlagen. Im Umkehrschluss seien Staatsanleihen der europäischen Kernländer kurzfristig unter Abgabedruck geraten, hätten im Verlauf aber ihre Tagesverluste mehr als wettgemacht.

Bundesanleihen seien infolge unverändert hoher Verunsicherung weiter gut unterstützt geblieben. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen sei weiter auf 69 BP verflacht. Umsätze im Sekundärhandel seien verhalten geblieben, die Anleger hätten sich auf das umfangreiche Angebot neuer Anleihen konzentriert. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,65%) und Belgien (0,68%) hätten knapp ihren Abstand zu Bunds verteidigt. Die Versteigerung 10-, 13- und 16-jähriger OATs habe das anvisierte Volumen von zusammen 8 Mrd. Euro punktgenau getroffen. Mehr als die Hälfte des Emissionsbetrages sei auf die 10-jährigen Titel (b/c 1,91) entfallen.

Anleihen der EU-Peripherie hätten dagegen nicht auf den Einkaufslisten von Investoren gestanden. Ausgehend von kurzen und mittleren BTPs, die Spreadausweitungen von in der Spitze über 20 BP gegen Bunds hätten verkraften müssen, sei das gesamte Anleihespektrum in Mitleidenschaft gezogen worden. Trotz des nur mäßigen Erfolgs der Auktionen in Spanien hätten sich SPGBs vergleichsweise gut gehalten. Insgesamt hätten 3-, 12- sowie 23-jährige Papiere gut 3,8 Mrd. Euro in die Staatskasse gespült. Mit Ausnahme der mittleren Fälligkeit (b/c 1,27) seien kurze und ultralange Titel zweifach überzeichnet gewesen. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,32%), italienischer (2,72%) und portugiesischer Anleihen (1,79%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4, 9 bzw. 6 BP ausgeweitet.

Am US-Bondmarkt setze sich die Abflachung der Renditekurve fort. Kurze und mittlere Laufzeiten stünden unter dem Eindruck positiver Stimmungs- und Konjunkturindikatoren. Der Beschäftigungsaufbau in der Privatwirtschaft (177K) lasse kaum Zweifel an der Robustheit des Arbeitsmarktes aufkommen. Der ISM-Index im Dienstleistungssektor habe sich überraschend weiter verbessert und spiele der US-Notenbank in die Karten. Im Sitzungsprotokoll der FED fänden sich jedenfalls keine Hinweise auf eine Abkehr vom eingeschlagenen Zinserhöhungspfad. Ultralange Fälligkeiten seien nahe einer Rendite von 3% dagegen besser gesucht geblieben. Der Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries ermäßige sich um 3 auf 21 BP.

In Fernost würden US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen etwas schwächer tendieren. Während der Nikkei um knapp 1% zulege, belaste die Einführung von US-Strafzöllen in Höhe von 34 Mrd. USD die chinesischen Märkte. Die Regierung in Peking habe mit der Verhängung von Sonderzöllen in ähnlicher Größenordnung reagiert. Die Eskalationsspirale drehe sich immer schneller.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (162,59) habe 15 Stellen zugelegt, Bobl (132,10) und Schatz (112,05) seien 8 bzw. 2 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,30% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 95 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden unverändert bei 2,84% rentieren. Der Euro klettere auf 1,169 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 72,8 Dollar.

Der Wochenschluss stehe ganz im Zeichen des US-Arbeitsmarktes. Das Hauptaugenmerk richte sich dabei weniger auf die Zahl der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (195K) oder die Arbeitslosenquote (3,8%). Die US-Notenbank lenke ihr besonderes Augenmerk auf die Lohndynamik. Erwartet werde ein Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,3% auf eine Jahresrate von 2,8%. Eingerahmt würden die Daten vom US-Handelsbilanzdefizit (-43,7 Mrd. USD) und deutschen Produktionszahlen (0,3%/1,5%) im Mai.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. In der kommenden Woche stünden die Versteigerungen zweier Bund-Linker mit Fälligkeiten 2030 und 2046 sowie eine neue 10-jährige Bundesanleihe im Volumen von 4 Mrd. Euro auf der Agenda. Die Niederlande seien ebenfalls mit langen Laufzeiten unterwegs, Italiens Auftritt sei in der zweiten Wochenhälfte geplant. Auch der EFSF habe eine Transaktion angekündigt.

RLB Oberösterreich habe einen 10-jährigen österreichischen Covered Bond im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap +5 BP begeben. Die HSH Nordbank AG habe einen 5-jährigen Hypothekenpfandbrief im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap +18 BP emittiert. Mediobanca SpA habe einen 6-jährigen italienischen Covered Bond im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap +70 BP platziert. Die EIB habe eine im Oktober 2048 fällige Anleihe um 500 Mio. Euro zu einer Rendite von 1,47% aufgestockt. (06.07.2018/alc/a/a)