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Unternehmensanleihen aus Schwellenländern trotzen Corona-Pandemie


27.01.21 12:00
MainFirst Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Gute Aussichten: Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2021 mit einem Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern von rund sechs Prozent, so die Experten von MainFirst Asset Management.

Im vergangenen Jahr sei der Wachstumsrückgang mit rund drei Prozent dort deutlich geringer ausgefallen als in den entwickelten Ländern. Zum Vergleich: Weltweit würden die Ökonomen von einem Schrumpfen des Wirtschaftswachstums 2020 in Höhe von vier bis fünf Prozent ausgehen. Die wichtigsten Wachstumstreiber seien in den Emerging Markets die Rohstoffpreise. "Mit der Rückkehr der Exporte auf das frühere Niveau vor der Pandemie wird sich die Preisdynamik bei den Rohstoffen positiv auf die Bondpreise auswirken", erwarte Thomas Rutz, Portfoliomanager des MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced und des MainFirst Emerging Markets Credit Opportunities Fund.

"Edelmetalle und viele Basismetalle wie zum Beispiel Kupfer und Eisenerz sowie Agrarprodukte wie Sojabohnen handeln aktuell auf einem Mehrjahreshoch. Wir sehen den Rohstoffzyklus auch längerfristig in einem anhaltenden strukturellen Bullenmarkt. Unter anderem treiben die Konjunkturprogramme der einzelnen Länder, allen voran China, die Nachfrage nach Rohstoffen weiter an", stelle der Experte fest. Insbesondere in rohstoffexportierenden Schwellenländern dürfte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts daher dieses Jahr positiv überraschen.

Aktuell würden die Bondspreise diese Erholung seit dem coronabedingten Einbruch im März 2020 noch nicht vollständig antizipieren. Dies berge Potenzial für Investoren. Denn laut Rutz würden weitere Faktoren für eine positive Entwicklung sprechen: Unternehmen aus den Emerging Markets seien vergleichsweise erfahren im Umgang mit Rezessionen und politischen Eskalationen. Viele hätten daher zum Beispiel mit Kostenprogrammen und Liquiditätsbeschaffung schnell auf die Coronapandemie reagiert. Dennoch falle die Performance hochverzinslicher Schwellenländer-Bonds mit knapp sieben Prozent im vergangenen Jahr vergleichsweise gering aus.

Zum Vergleich: Der S&P 500-Index habe Ende Dezember 2020 bei einem Plus von fast 19 Prozent gehandelt. Vor allem US- und Investment Grade-Anleihen hätten, angetrieben von den geld- und fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen der Regierungen und Zentralbanken, deutlich zugelegt. Dabei stünden Unternehmen aus Schwellenländern nicht unbedingt schlechter da als diejenigen anderer Märkte.

Zusätzlichen Auftrieb könnte Schwellenländeranleihen eine weitere Schwächung des US-Dollars unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden geben, was die ohnehin schon starken Rohstoffmärkte stützen würde. Auch eine steilere Zinskurve im Rahmen der wirtschaftlichen Erholung sollte die Risikobereitschaft der Investoren erhöhen und insbesondere hochverzinslichen Unternehmensanleihen der Emerging Markets Aufschwung verleihen. "Die Sparquoten sind in der Pandemie in die Höhe geschossen, jetzt müssen die Bargeldbestände sukzessiv wieder abgebaut werden und das Geld wird in die Märkte zurückfließen. Insgesamt ist der Ausblick für Anleihen aus Schwellenländern daher positiv und wir erwarten eine Aufholjagd gegenüber anderen Anlageklassen", so Rutz.

Am meisten Potenzial sehe der Experte im tiefen B- und CCC- bewerteten Bereich. "Einige Unternehmen werden hier als Ausfallkandidaten gehandelt - aus unserer Sicht zu Unrecht, da diese Unternehmen durchaus glaubwürdige Strategien zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit haben. Diese werden aber vom Markt noch nicht als solche gehandelt. In einigen Fällen erwarten wir auch attraktive "Distressed Exchanges". Das bedeutet: Unternehmen die ihre Anleihen bei Verfall nicht bedienen können, offerieren attraktive Verlängerungen der Laufzeit. Typischerweise mit höherem Cashflow und/oder Garantien auf Vermögenswerte."

Auf Sektorenebene setze Rutz neben Infrastruktur, Immobilien und Versorger vor allem auf Öl und Gas. "Für die Mehrheit der kleineren Ölproduzenten preist der Markt im Moment noch die aktuellen Ölpreise von 45 bis 50 USD ein. Auf diesen Niveaus kann mit konventioneller Technik zwar lukrativ gebohrt werden, allerdings ist der Spielraum für Investitionen gering. Wir erwarten deshalb, dass die Ölpreise mit zunehmender Mobilität ansteigen werden. Diese Erwartung ist bisher nicht in den Anleihen reflektiert."

Auf Länderebene sehe der Schwellenländer-Experte attraktive Einstiegsmöglichkeiten in China. Dort hätten zuletzt Marktteilnehmer geschockt auf die Konkursankündigung zweier lokalen Staatskonzerne reagiert. Zwar würden Zahlungsausfälle in China seit einigen Jahren steigen, dass aber staatseigene Unternehmen nicht gerettet würden, sei bisher selten der Fall gewesen. Nun akzeptiere die chinesische Führung aber vermehrt marktwirtschaftliche Kräfte. "Nur so können staatliche Unternehmen gezwungen werden, besser zu wirtschaften. Langfristig erachten wir diese Entwicklung daher als positiv", kommentiere Rutz. Ebenfalls attraktiv sei aktuell Mexiko, da das Land aufgrund der vergleichsweise geringen Supportmaßnahmen sowie regelmäßiger marktunfreundlicher Kommentare des Präsidenten Obrador in der globalen Erholung noch hinterherhinke. (27.01.2021/alc/a/a)