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Unternehmensanleihemärkte: Stabile Kreditspreads in Europa


21.09.17 13:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In der abgelaufenen Berichtswoche konnten keine nennenswerten Veränderungen am europäischen Markt für Unternehmensanleihen festgestellt werden, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Kreditspreads für Investment-Grade Corporate Bonds lägen gemessen am iBoxx Corporates bei aktuell 46,5 Basispunkten auf Vorwochenniveau (47,1 bp). Auch ohne die Anleihen aus der Finanzbranche würden die Kreditrisiken gemessen am Aufschlag über der Midswap-Kurve mit 43,4 Basispunkten ein nahezu identisches Niveau zur letzten Woche wiedergeben (43,8 bp). Da die Europäische Zentralbank bei ihrem Meeting am letzten Donnerstag (14.09.) wie von den Marktteilnehmern antizipiert keine Aussagen zur Zukunft des Ankaufprogramms für Unternehmensanleihen gemacht habe, komme die Seitwärtsbewegung in den Kreditspreads wenig überraschend. Auch das Ausbleiben von nennenswerten Spreadveränderungen für einzelne Ratingklassen und Branchen spreche für eine relativ ereignisarme Berichtswoche am Markt für Unternehmensanleihen (Stand: 19.09.2017).

Auf der anderen Seite des Atlantiks hätten die 30 größten US-Unternehmen in den letzten Jahren massiv im Anleihemarkt investiert. Über alle Assetklassen hinweg kämen diese größten Unternehmen des Landes auf ein Anlagevolumen von 1,2 Billionen USD, von denen Schätzungen zufolge mehr als 420 Mrd. USD in Unternehmensanleihen angelegt seien. Ihre Investitionen in Staatsanleihen und Asset-backed-Securities kämen auf 370 bzw. 40 Mrd. USD. Alleine die zehn größten Anleihe-Investoren im S&P 500 würden in ihren Bilanzen Wertpapierbestände von rund 245 Mrd. USD weisen. Vor fünf Jahren habe dieser Wert noch bei rund 80 Mrd. USD gelegen.

Einzelne US-Corporates würden somit mittlerweile das Anlagevermögen einzelner Assetmanager überragen. Wie komme diese untypisch hohen Positionen zu Stande? Hätten Treasurer jahrzehntelang die erwirtschafteten Gewinne maßgeblich in Termineinlagen oder Geldmarktfonds angelegt, sei seit dem Start der expansiven Geldpolitik der FED und dem ultraniedrigen Zinsniveau eine breitere Diversifikation der Kapital- und Cashrücklagen zu beobachten.

Der Anfang vom Ende der Notenbankpolitik des billigen Geldes, die US-FED habe den ersten Leitzinsschritt im Dezember 2015 vollzogen, setze Corporate America gleich doppelt unter Druck. US-Firmen würden nicht nur mit steigenden Finanzierungskosten und höherem Zinsaufwand konfrontiert, sondern bewirke das allmählich ansteigende Zinsniveau auch einen Marktwertverlust ihrer Bond-Holdings, sofern keine Buy-And-Hold-Strategie gefahren werde. Je weiter die FED im Zinserhöhungszyklus voranschreite, desto mehr werde es auf eine Ausbalancierung von Cash- und Anleiheholdings erfolgen. (21.09.2017/alc/a/a)