Unsichere Lage und hohe Nervosität - Bundesanleihen dehnen ihre Kursgewinne weiter aus


30.11.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Hoffnung, dass die US-Notenbank nach ihrer Zinsanhebung im Dezember eine Pause einlegen könnte, hielt die Anleger weiter bei Laune, berichten die Analysten der Helaba.

Nach der Rede des Notenbankchefs, der das aktuelle Zinsniveau als knapp unter "Neutral" einstufe, hätten sich im aktuellen Sitzungsprotokoll der FED nur wenige Hinweise auf den weiteren Kurs im neuen Jahr gefunden. Gute Konjunkturaussichten und etwas nachlassender Inflationsdruck würden Interpretationsspielraum für beide Seiten lassen.

Der Blick der Anleger sei aber bereits auf das nächste Großereignis gerichtet. Beim G20-Gipfel in Buenos Aires würden Trump und Xi Jinping über die Beilegung des Zollstreits sprechen. Das geplante Treffen mit Putin habe der US-Präsident angesichts der zunehmenden Spannungen auf der Krim aber abgesagt.

Die unsichere Lage und hohe Nervosität würden ganz klar für den sicheren Hafen hochwertiger Staatsanleihen sprechen. Bundesanleihen hätten ihre Kursgewinne weiter ausgedehnt. Die Rendite 10-jähriger Papiere habe den niedrigsten Stand seit drei Monaten erreicht, der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt habe ein neues Kontrakthoch markiert. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 68 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,69%) hätten gegen vergleichbare Belgier (0,76%) einen BP gutgemacht.

Anleihen der EU-Peripherie würden sich nach erfolgreicher Beendigung der Versteigerung 5- und 10-jähriger BTPs in stabiler Verfassung zeigen. Der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,20%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4 BP auf 288 BP ermäßigt. Spanische (1,50%) und portugiesische Bonds (1,82%) hätten gegen Bunds einen BP aufgeholt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen nach Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der Notenbank weiter gefallen. Aus technischer Sicht habe die wichtige Unterstützung bei 3% Rendite für 10-jährige Treasuries aber nicht geknackt werden können. Widersprüchliche Konjunkturdaten hätten Argumente für beide Seiten geliefert. Höhere Einkommen und Konsumausgaben würden das intakte Wachstumsszenario bestätigen, der rückläufige Preisindex für Konsumausgaben und schwache Hausverkäufe hätten für eine Zinspause gesprochen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 48 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries trotz überwiegend freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen knapp behauptet tendieren. Die Industrieproduktion Japans sei im Oktober überraschend stark um 2,9% und gegenüber dem Vorjahr um 4,2% gestiegen. Die Arbeitslosenquote habe mit 2,4% leicht über den Prognosen gelegen.

Der Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes Chinas (50) sei im November auf neutrales Niveau gefallen. Nur dank des Dienstleistungssektors (53,4 nach 53,9), obwohl auch rückläufig, befinde sich die Wirtschaft Chinas (52,8 nach 53,1) weiter auf Expansionskurs.

Der Bund (161,29) habe 44 Stellen zugelegt, Bobl- (131,88) und Schatz-Kontrakt (112) seien 15 bzw. 3 Tick höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,32% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 92 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP niedriger bei 3,02% rentieren. Der Euro klettere auf 1,14 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 51,5 Dollar.

Zum Monatsultimo würden Preisdaten ins Blickfeld der Investoren rücken. Die Vorgaben einzelner Volkswirtschaften (Deutschland 0,2%/2,4%; Frankreich -0,2%/2%; Italien -0,2%/1,6%) würden darauf schließen lassen, dass die Verbraucherpreise in der Eurozone (2,0%) im November wieder gesunken seien. Auch die Kernrate bei 1,1% sollte keinen zusätzlichen Inflationsdruck signalisieren. Eingerahmt würden die Daten von den deutschen Einzelhandelsumsätzen (0,4%/1,4%), der EU-Arbeitslosenquote (8%) sowie dem Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago (58,5 nach 58,4) als letzter Indikator für den nationalen Index am Montag.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Die kommende Woche stehe ganz im Zeichen des Angebotes aus Spanien (4,8 Mrd. Euro) und Frankreich (6 Mrd. Euro). (30.11.2018/alc/a/a)