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Union Investment Chefökonom: Inflation steigt auf höchsten Stand seit 30 Jahren


30.11.21 13:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflation in Deutschland steigt weiter: Im November kletterte die Teuerungsrate im Jahresvergleich auf 6,0 Prozent nach 4,6 Prozent im Vormonat, so Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt Leiter Research & Investment Strategy bei Union Investment.

Das sei höher als erwartet und der höchste Wert seit rund 30 Jahren.

Die Gründe für die hohe Inflation seien vielfältig. Die reduzierte Mehrwertsteuer in der zweiten Jahreshälfte 2020 verzerre den Jahresvergleich deutlich. Allein dieser Effekt mache knapp zwei Prozentpunkte der aktuell sechs Prozent aus. Dazu komme, dass die Preise zu Beginn der Pandemie auf breiter Front ins Rutschen geraten seien. Dieser Trend habe sich nun im Zuge der wirtschaftlichen Erholung ins Gegenteil verkehrt. Als Folge schnelle die Inflationsrate nach oben. Zudem wirke das knappe Angebot bei verschiedenen Gütern preistreibend. So seien die Energiepreise dieses Jahr explodiert, was ebenfalls rund zwei Prozentpunkte zur Inflation beigetragen habe. Der Mangel an Arbeitskräften in bestimmten Branchen verknappe dann noch zusätzlich das Warenangebot.

Der Preisauftrieb dürfte auch im Dezember kräftig bleiben. Jedoch sollte sich die Lage im nächsten Jahr ändern. Die aktuelle Unsicherheit, wie der Corona-Winter in Deutschland und Europa verlaufen werde, verderbe so manchem die Kauflaune. Dies könnte den weiteren Preisanstieg dämpfen. Im ersten Halbjahr 2022 würden die Folgen der Mehrwertsteuersenkung und die statistischen Basiseffekte ebenfalls an Bedeutung verlieren. Die Engpässe am Güter- und am Arbeitsmarkt aber werden uns noch eine Weile beschäftigen, so die Experten von Union Investment. Trotzdem sollte sich die Teuerungsrate schrittweise normalisieren. Aktuell würden die Experten mit einem Rückgang der Inflation bis Ende 2022 auf unter zwei Prozent rechnen.

Rufe nach höheren Leitzinsen dürften angesichts der wieder steigenden Unsicherheit über den Verlauf des Corona-Winters eher auf taube Ohren stoßen. Denn niemand wolle das Risiko eingehen, die Zügel zu rasch anzuziehen. (30.11.2021/alc/a/a)