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US-Treasury-Renditen gesunken


30.11.20 11:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Konjunkturindikatoren in den USA haben abermals eher positiv überrascht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der BIP-Nowcast der Atlanta FED habe sich im Wochenvergleich verdoppelt und prognostiziere auf Basis der bislang für das vierte Quartal zur Verfügung stehenden Indikatoren ein annualisiertes Quartalswachstum von 11%. Eine optimistischere Einschätzung der Konsum- und Investitionsdynamik habe dem zugrunde gelegen. Damit liege der BIP-Nowcast nun deutlich über den Analystenerwartungen, was nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen sei, dass neue Restriktionen (in manchen, aber nicht allen Bundesstaaten) die Konjunkturdynamik bis Jahresende noch belasten könnten. Nichtdestotrotz müsse aber betont werden, dass sich die US-Wirtschaft in Anbetracht steigender Infektionszahlen und auslaufender Fiskalmaßnahmen bislang solide entwickle.

Diese Woche stünden mit den ISM-Indices sowie dem Arbeitsmarktbericht wesentliche Gradmesser am Datenkalender. Nachdem PMI-Schnellschätzungen in den USA positiv hätten überraschen können, sei auch für die ISM-Indices ein Verharren auf hohem Niveau zu erwarten. Sowohl im Verarbeitenden als auch im Nicht-Verarbeitenden Gewerbe befänden sich diese Stimmungsindikatoren deutlich im Expansionsbereich. Am Arbeitsmarkt sei es im Oktober zu einer sehr deutlichen und in diesem Ausmaß überraschenden Reduktion der Arbeitslosigkeit gekommen. Vorrübergehend Arbeitslose hätten vermehrt den Weg zurück in die Beschäftigung gefunden.

Am Finanzmarkt sei das Protokoll der FED-Zinssitzung von Anfang November zu erwähnen, welches eine ausführliche Diskussion um die zukünftige Ausrichtung der Notenbank-Bilanzpolitik beinhalte. Die derzeitige Forward-Guidance, dass Anleihekäufe während der nächsten Monate mindestens im derzeitigen Ausmaß fortgeführt würden, werde wohl in einer der nächsten Zinssitzungen angepasst werden. Die Einführung einer Konditionalität der Anleihekäufe an den Konjunkturausblick, wie auch die Forward-Guidance der Leitzinsen beinhalte, sei wahrscheinlich. Des Weiteren sollte das Tapering (Reduktion der Anleihekäufe) vor der ersten Zinserhöhung starten, die Notenbankbilanz aber nach dessen Ende für eine Zeit konstant gehalten werden (Reinvestitionen). Die Federal Reserve scheine die Einschätzung der Finanzmarktteilnehmer, dass auch im Jahr 2021 das aktuelle Ausmaß der Anleihekäufe beibehalten werde, zu teilen, wolle diese aber durch eine präzisere Forward-Guidance stärken. Der dämpfende QE-Effekt auf Renditen werde demnach noch lange wirken.

Im Wochenvergleich seien Treasury-Renditen gesunken, die Kurve habe sich verflacht und der kurzfristige Aufwärtstrend seit Anfang Oktober scheine vorerst durchbrochen. Die aktuellen Renditen befinden sich nahe, wenn auch leicht über, unseren Jahresendprognosen, so die Analysten der RBI. (Ausgabe vom 27.11.2020) (30.11.2020/alc/a/a)