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US-Staatsanleihen untergewichten - CEE-Lokalwährungsanleihen übergewichten


19.11.19 12:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Daten zur US-Konjunktur haben einmal mehr das Bild einer nur moderat an Schwung verlierenden und maßgeblich vom Dienstleistungssektor bzw. privaten Konsum getragenen US-Konjunktur bestätigt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In Verbindung mit aktuellen Entspannungen in Sachen Handelskonflikt mit China habe dies ebenfalls am Zinsmarkt zu einer optimistischeren Erwartungshaltung geführt, welche an der Zurückbildung der (teilweisen) US-Zinskurven Inversion zu sehen sei.

Nach drei Zinssenkungen in diesem Jahr erscheine angesichts von Wortmeldungen wichtiger FOMC-Mitglieder eine weitere Senkung in diesem Jahr wenig wahrscheinlich. Mittelfristig würden die Analysten der RBI eine anhaltend akkommodierende Geldpolitik der FED mit weiteren Zinssenkungen im nächsten Jahr erwarten. Aufwärtsdruck auf US-Staatsanleihen-Renditen sähen die Analysten aufgrund der anhaltend expansiven Geldpolitik und der Zuflüsse im Kontext globaler Risiken sehr begrenzt. Derzeit sähen sie US-Staatsanleihen am ehesten als sicheren Hafen zur Portfoliostabilisierung.

Emerging Market-Staatsanleihen (EM; ex. CEE) befanden sich seit unserer vorangegangenen Publikation (Redaktionsschluss: 05.09.2019) auf Achterbahnfahrt, so die Analysten der RBI. Nichtsdestotrotz hätten sie zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Reports (13.11.2019) in einem leichten Plus notiert (auf Total-Return-Index-Basis in Lokalwährung). Gute Nachrichten von Handelskriegsseite seien es in erster Linie gewesen, welche den EM-Währungen zuletzt zuträglich gewesen seien: In obigem Beobachtungszeitraum (05.09. bis 13.11.) hätten sie auf Indexbasis um gute 2 Prozentpunkte zugelegt. Die Währungsschwächen in Chile und Argentinien hätten im Beobachtungszeitraum durch eine Outperformance vor allem in Russland, aber auch in den asiatischen Staaten wettgemacht werden können. Die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines etwas langsameren Zinssenkungsverlaufs in den USA habe indessen einer besseren Performance im vierten Quartal entgegengestanden.

Es zeige sich erneut, dass das EM-Aggregat keine homogene Gruppe darstelle und deshalb einer differenzierten Selektion bedürfe. Angesichts unserer Erwartung bezüglich weiterer, jedoch verhaltener US-Zinssenkungen - und damit einhergehend - eines tendenziell etwas schwächeren US-Dollar gegenüber dem Euro und weiterhin nach unten verzerrter US-Renditen, bleiben die globalen Rahmenbedingungen für EM-Anleihen auf Jahressicht im Allgemeinen unverändert günstig, so die Analysten der RBI. Gegeben jedoch die starken Gewinne im Gesamtjahresverlauf - rund 9% auf Total-Return-Basis in Lokalwährung - scheine das Potenzial begrenzt. Nur eine schnelle Einigung im Handelsstreit etwa könnte die Endjahresperformance deutlich beflügeln, dies sei allerdings nicht zu erwarten. Die Analysten der RBI würden ihre neutrale Gewichtung beibehalten.

CEE-Lokalwährungsanleihen - Untergruppe des EM-Aggregats - hätten zwar eine etwas weniger volatile, aber auch schwächere Performance als EMs aufs Parkett gelegt (05.09. bis 13.11.): Im CEE-Niedrigzinssegment habe Rumänien am meisten hinzugewonnen (beinahe + 2 PP auf Total-Return-Basis), während Tschechien in etwa ähnlich viel verloren habe. Das CE/SEE-4-Aggregat (CZ, HU, PL, RO) habe im Beobachtungszeitraum ein leichtes Plus generiert und seine Gesamtjahresgewinne auf über 6% Prozent ausgebaut. Absolute Top-Performer seien mit der Türkei und Russland erneut im CEE-Hochzinssegment zu suchen gewesen, mit einem über 10%igen Plus in der Türkei und rund 3% in Russland. Die entsprechende Gesamtjahresperformance belaufe sich mittlerweile auf rund 30% in der Türkei und rund 15% in Russland.

Wir denken, dass das Potenzial im Hochzinssegment zunehmend erschöpft ist, da weitere Zinssenkungen in RU und TR weitgehend eingepreist scheinen und die Währungen auf Jahressicht tendenziell Abwertungspotenzial aufweisen, so die Analysten der RBI. Im CEE-Niedrigzinssegment würden die Analysten der RBI derzeit Tschechien und Polen favorisieren, die einen weiterhin signifikanten Renditevorteil gegenüber Eurozonenanleihen aufweisen würden. Alles in allem sähen die Analysten der RBI Potenzial im CEE-Segment und würden auf Übergewichtung heraufstufen. (Ausgabe vom 18.11.2019) (19.11.2019/alc/a/a)