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US-Notenbank wagt Einstieg in den Ausstieg


21.09.17 12:50
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Amerikas Währungshüter läuten das Ende der ultralockeren Geldpolitik ein - zumindest verbal, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Ankündigung, die umfangreichen Wertpapierkäufe ab Oktober schrittweise zurückzufahren, sei weithin erwartet worden.

Würden die wirtschaftlichen Folgen der Hurrikan-Serie die geldpolitischen Pläne der US-Notenbank zunichtemachen? Auf diese zentrale Frage habe FED-Chefin Janet Yellen eine klare Antwort gehabt: Die Schäden der Wirbelstürme dürften nur kurzfristig Auswirkungen haben, und die Hurrikan-bedingten Preiserhöhungen - etwa auf die Kraftstoffpreise wegen der Raffinerieausfälle - würden ebenfalls vorübergehend sein, habe sie auf der Pressekonferenz am Mittwochabend gesagt. Dennoch sei es auch für die US-Währungshüter ein "Rätsel", weshalb die Inflation trotz der guten Arbeitsmarktlage nicht stärker anziehe, habe Yellen eingestanden.

Entsprechend halte die FED Kurs und Wort: Der US-Leitzins bleibe - übrigens laut einstimmigem Beschluss des Offenmarktausschusses - in der Bandbreite zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Eine weitere Zinserhöhung im Dezember sei aber weiterhin denkbar.

Zudem wolle Amerikas Zentralbank ab Oktober mit dem Rückbau ihrer billionenschweren Bilanz beginnen - sprich: Rückzahlungen aus fälligen Anleihen, die die FED seit Beginn der Finanzkrise zur Stützung der rezessionsgeplagten Wirtschaft angesammelt habe und deren Gesamtvolumen auf 4,5 Billionen US-Dollar angeschwollen sei, würden dann nur noch teilweise reinvestiert. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise habe die US-Notenbank Anleihen im Gesamtwert von 900 Milliarden Dollar in ihren Büchern stehen gehabt. Mit der Zeit solle die Reinvestitionsquote - aktuell würden die Anleiherückflüsse rund zehn Milliarden Dollar pro Monat betragen - reduziert werden, damit am Ende der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gelingen könne. Von 2019 an solle das gigantische Bondportfolio jährlich um 600 Milliarden Dollar schrumpfen.

Zugleich habe Yellen klar gemacht, dass die FED-Bilanz "in normalen Zeiten" kein aktives Instrument für die Geldpolitik darstelle. Entsprechend seien auch keine Änderungen an den ursprünglichen Parametern des Rückbauplans vorgesehen. Mögliche Negativeffekte für die Kapitalmärkte erkenne sie keine - es sei, "wie Farbe beim Trocknen zuzusehen", habe Yellen das angestrebte Vorhaben beschrieben.

Ein Hintertürchen allerdings habe sie sich offen gehalten: Falls wegen eines ökonomischen Schocks die Leitzinsen gesenkt statt erhöht werden müssten, dann sei auch eine Anpassung des Rückbauprogramms denkbar.

Beobachter würden den jüngsten FED-Entschluss mehrheitlich wohlwollend beurteilen. "Es ist nur ein kleiner Satz für die FED, aber ein großer Schritt für die globale Geldpolitik. Damit verabschiedet sich die erste Zentralbank aus dem größten geldpolitischen Experiment der jüngeren Geschichte", meine etwa Ökonom Martin Moryson von der Privatbank Sal. Oppenheim. "Die Bereitschaft des Offenmarktkomitees, im Oktober mit der Bilanzverkürzung zu beginnen, zeigt, dass die FED zunehmend mit der Entwicklung der US-Wirtschaft zufrieden ist", schreibe Sophia Ferguson, Bond- und Währungsexpertin bei State Street Global Advisors.

Andere würden nun Europas Währungshüter unter Zugzwang sehen: "Der geldpolitische Kontrast zwischen den USA und der Euro-Zone ist durch die FED-Entscheidung noch schärfer geworden. Der Druck auf den EZB-Rat, im Oktober endlich zu handeln, ist dadurch weiter gewachsen", meine ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. (21.09.2017/alc/a/a)