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US-Finanzministerium saugt FED-Geld aus dem System


11.08.20 15:10
Western Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Das US-Finanzministerium hat in den vergangenen Monaten massiv Bargeldbestände aufgebaut, so die Experten von Western Asset Management.

Bei der US-Treasury seien mehr als 1,5 Billionen US-Dollar auf dem US-Konto gebunkert. "Geld, das erst von der Notenbank ausgegeben, dann vom Schatzamt wieder bei ihr deponiert und damit dem Markt als Liquidität entzogen wird", sage Michael J. Bazdarich, Ökonom bei Western Asset.

Während von Unternehmen und Privathaushalten angehäufte Einlagen bei Banken oder Investmentfonds eingezahlt und so potenziell wieder in die Wirtschaft zurückgeführt würden, würden die vom Schatzamt angehäuften Bargeldbestände bei der FED deponiert und damit dem Finanzsystem entzogen. "Wenn die FED zum Beispiel 100 Milliarden Dollar an Schatzwechseln vom Finanzministerium kauft und das Finanzministerium die Erlöse wieder bei der FED deponiert, weitet sich die Bilanz der FED um 100 Milliarden Dollar aus", sage Bazdarich. "Die Mittel, die in der Wirtschaft zirkulieren können, verändern sich aber überhaupt nicht."

Tatsache sei, dass der Aufbau von "Bargeld" durch das Finanzministerium seit Beginn des Covid-Lockdowns mehr als die Hälfte der mutmaßlich von der FED in diesem Zeitraum zur Verfügung gestellten Liquidität aufgesaugt habe. "Daran ist zunächst nichts auszusetzen und weder positiv noch negativ zu sehen", so Bazdarich. Wenn allerdings Sorgen um eine höhere Inflation im Zuge der FED-Aktivitäten umgehen würden, zeige diese Zahl: Das potenzielle Problem sei weniger als halb so groß, als die FED-Zahlen vermuten lassen würden. Umgekehrt gelte aber auch: Wolle man der FED für ihre Bemühungen, das System in der Pandemie-Zeit am Laufen zu halten, Anerkennung zollen, dann seien ihre tatsächlichen Leistungen weniger als halb so groß wie gedacht.

"Wenn Sie sich fragen, warum die Renditen der Schatzbriefe trotz der gesamten Staatsverschuldung keinen Aufwärtsdruck ausgeübt haben, dann ist dies einer der Gründe", sage Bazdarich. "Mit anderen Worten: Die Staatsverschuldung war weitgehend selbst finanziert." Auch hier sei das meiste, was die FED in den vergangenen fünf Monaten getan habe, nur notwendig gewesen, um die kontraktiven Auswirkungen des Liquiditätsaufbaus des Finanzministeriums auszugleichen.

"Natürlich hat das Finanzministerium diesen Berg nicht ohne Grund angehäuft. Es wird seinen Bargeldbestand wahrscheinlich abarbeiten, wenn und sobald die nächste Konjunkturrunde ansteht", so Bazdarich. Vorerst sei jedoch mehr als die Hälfte der Bilanzausweitung der FED seit März durch den Barmittelaufbau des Finanzministeriums ausgeglichen worden. Erst wenn das Finanzministerium damit beginne, das Barvermögen abzubauen, könne die FED dies durch eine Schrumpfung ihrer eigenen Bilanz ausgleichen - ohne negative Auswirkungen auf die Wirtschaft oder die Anleiherenditen, da die FED lediglich die vom Finanzministerium in das System eingespeisten Mittel absorbieren würde.

Die Gesamtzunahme der FED-Kredite (die Bilanz der FED) sei seit März viel größer als die Zunahme der Geldbasis (FED-Kredite in privaten Händen). Grund für die Diskrepanz: Die starke Zunahme der Einlagen bei der FED, die sich größtenteils im Besitz des Finanzministeriums befinden würden.

Einzelne Aktivitäten der FED: Außerhalb des Paycheck Protection Programs (PPP) und der Main Street würden die "Sonderfazilitäten" der FED weiter abgebaut und zwar so sehr, dass die Kreditvergabe der FED in den vergangenen Wochen sogar zurückgegangen sei, obwohl sie weiterhin Staatsanleihen aufkaufe. "Dies ist ein Fluch für diejenigen, die glauben, die FED müsse mehr tun - aber hoffentlich Balsam für diejenigen, die der Meinung sind, die FED habe bereits zu viel getan", sage Bazdarich. (11.08.2020/alc/a/a)