USA: Wann kommt die nächste Leitzinsanhebung?


30.07.18 12:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Zum Abschluss des ersten Halbjahrs präsentiert sich die ökonomische Aktivität in den USA ausgesprochen stark, so die Analysten der Nord LB.

Sonderfaktoren würden an dieser Stelle sicherlich eine Rolle spielen. So dürfte es Vorzieheffekte bei der Lieferung von US-Sojabohnen nach China gegeben haben, um den neuen Strafzöllen Pekings auszuweichen. Der regelrechte Wachstumsschub im zweiten Quartal sei aber auch ein reales Phänomen und nicht nur eine Datenverzerrung. Nun drohe jedoch eine gewisse Entschleunigung. Trotz der jüngsten Übereinkunft zwischen den USA und der EU würden viele Beobachter weiterhin mit großer Sorge auf die Handelspolitik in Washington blicken. In der Tat drohe noch immer eine gefährliche Konfrontation mit Peking.

Die jüngst in den USA gemeldeten Inflationszahlen hätten mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen gelegen; der Preisauftrieb hätte sich zuletzt sogar noch eine Spur ausgeprägter präsentieren können. Die Zahlen hätten den Handlungsdruck auf das FOMC also zumindest nicht erhöht. Allerdings sei momentan schon eine ausgeprägte Stärke der wirtschaftlichen Aktivität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu beobachten. Darauf habe die US-Notenbank in der jüngeren Vergangenheit bereits reagiert; zudem stünden weitere Zinsanhebungen bevor. Viele Marktteilnehmer würden in 2018 offenbar sogar noch zwei weitere Anpassungen der FED Funds Target Rate erwarten.

Einige US-Notenbanker scheinen sich mittlerweile allerdings größere Sorgen bezüglich des Handelskonfliktes zu machen, so die Analysten der Nord LB. Allein schon die Verunsicherung bezüglich der weiteren Pläne der US-Regierung und der dann drohenden Gegenmaßnahmen anderer Länder möge bereits dämpfende ökonomische Effekte zur Folge haben. Die jüngste Vereinbarung mit der EU mache zwar Hoffnung auf Entspannungstendenzen, vor allem mit Blick auf China werde es aber noch kontroverse Gespräche geben. Auch der FED-Chef Jerome Powell habe diese Fragestellung anlässlich seiner jüngsten Auftritte vor dem Kongress thematisiert; dennoch seien seine Anmerkungen von den Finanzmärkten als eher "hawkish" interpretiert worden.

Die Analysten würden diese Einschätzung allerdings nicht teilen. Powell habe sich mit Blick auf die weitere Normalisierung der US-Geldpolitik nicht eindeutig festgelegt. Klar sei nur, dass weiterer Handlungsbedarf bestehe. In einem Umfeld, in dem im Laufe des zweiten Halbjahres in den USA wieder etwas weniger starke Konjunkturdaten gemeldet werden dürften, sollten die Notenbanker der FED ihrer Auffassung nach eher zu lediglich einer weiteren Zinsanhebung in 2018 neigen. Daher würden sie auch nur mit recht langsam zulegenden US-Kapitalmarktzinsen rechnen. Die psychologisch wichtige Marke von 3,00% dürfte bei den Staatsanleiherenditen im Laufzeitbereich zehn Jahre kurzfristig also nicht wirklich nachhaltig überboten werden.

Das Zinsumfeld spreche in der Summe weiterhin für die Währung der Vereinigten Staaten. Allerdings preise das FX-Segment nun vielleicht schon etwas zu viel Aktionismus der FED ein. Hier bestehe also durchaus ein gewisses Enttäuschungspotenzial. Grundsätzlich würden die Analysten daher mit einem in den kommenden Monaten eher schwächeren US-Dollar rechnen. Ein wirklich ausgeprägter Abwertungsdruck auf die Währung der Vereinigten Staaten sollte allerdings nicht aufkommen. In 2019 werde der Devisenmarkt zudem stärker auf die EZB blicken müssen. Auch diese werde dann einen bestimmten Handlungsbedarf sehen, was den Druck auf den US-Dollar perspektivisch in gewissem Umfang verstetigen dürfte. (30.07.2018/alc/a/a)