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USA: Von "bottlenecks" und Flaschengeistern


26.11.21 12:51
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Zusammenhang mit Inflation wird ja gerne das Bild des Flaschengeistes bemüht, der sprichwörtlich schwer wieder in seine Flasche zurückzubekommen sein soll, nachdem er ihr einmal entronnen ist, so die Analysten der Helaba.

Unabhängig davon, dass die Forschung anhand von einschlägigen Filmen des Genres "1.001 Nacht" klar zeige, dass die Analogie etwas übertrieben sei ("Ich wette, Du passt gar nicht in diese kleine Flasche…"), treffe die grundsätzliche Aussage zu: Ein einmal in Gang gekommener Inflationsprozess sei nur schwer und mit hohen Kosten wieder zu stoppen.

Haupttreiber der Inflation seien derzeit die "bottlenecks" oder Engpässe. Versuche, sich den verantwortlichen Faktoren empirisch zu nähern, würden sich schwierig gestalten. Ansätze wie der "Angebotsknappheitsindex" von Bloomberg oder so genannte "heatmaps", die einfach nur Indikatoren ungewichtet nebeneinander abbilden würden, seien nur eingeschränkt hilfreich bzw. im Hinblick auf ihre Aussagekraft ungetestet.

Neben den Verbraucherpreisen selbst, wo es erst wieder Mitte Dezember neue Daten gebe, sollten vor allem zwei Indikatoren bei der Beurteilung der Engpässe und ihrer Inflationswirkung hilfreich sein: Die ISM-Einkaufsindices und der Arbeitsmarktbericht, die beide in der Berichtswoche auf dem Programm stünden.

Die Umfrage unter den Einkaufsmanagern schließe Angaben zu Lieferzeiten, Lager und Auftragsbeständen ein, die zeitnah ein Bild von der aktuellen Lage in den Unternehmen vermitteln würden - leider nur als relative Indikation, die keine direkten Rückschlüsse auf die Niveaus zulasse. Die aktuellen Werte würden für die Industrie Indexstände noch immer nahe der jüngsten Rekorde zeigen und für den Dienstleistungssektor sei im Oktober sogar ein neuer Spitzenwert verzeichnet worden, wenn man mal die unmittelbare Phase des Lockdown im Frühjahr 2020 ausklammere. Deutliche Rückgänge dieser Indices würden signalisieren, dass die Engpässe abflauen würden - die Analysten würden damit allerdings für den November noch nicht rechnen.

An der Tendenz am Arbeitsmarkt habe sich in den vergangenen Monaten nicht viel geändert: Hohen Zuwächsen bei den Beschäftigtenzahlen und den Durchschnittslöhnen sowie einer zügig fallenden Arbeitslosenquote stünden Rekordzahlen bei den unbesetzten Stellen gegenüber. Gleichzeitig sei das Erwerbspersonenpotenzial - also die Summe aus Beschäftigten und offiziell als arbeitslos Gezählten - aber noch immer etwa 3 Mio. Personen kleiner als Anfang 2020.

Wie viele dieser Menschen sich dauerhaft vom Arbeitsmarkt zurückgezogen hätten und wie viele unter den richtigen Bedingungen (Pandemie, Lohn, Art/Ort der Jobs) von den Unternehmen wieder "zurückgelockt" werden könnten, bleibe leider unklar. Dies werde auch erheblichen Einfluss auf die Engpassproblematik und damit auf die Dauer des Inflationsschubs haben.

Für den November würden die Analysten damit rechnen, dass die Zahl der Beschäftigten wieder um rund 500.000 und damit sehr kräftig zulege. Die Arbeitslosenquote dürfte auf 4,5% fallen. Damit rücke die 4%-Marke, die Definition der FED von Vollbeschäftigung, in greifbare Nähe. Selbst wenn die hohe "stille Reserve" die FED hier vorsichtig agieren lasse, werde wohl im zweiten Halbjahr 2022 ihre Arbeitsmarktbedingung für den ersten Zinsschritt erfüllt sein. Bei der Teuerung sei die Voraussetzung schon seit einiger Zeit, vorsichtig formuliert, übererfüllt. (26.11.2021/alc/a/a)