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USA: Rückzahlung der Schulden ist wohl eine Mission Impossible


28.09.20 13:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der US-Dollar steht seit wenigen Tagen im Rampenlicht der Finanzmärkte, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Der Fokus der Investoren sei fasziniert von einem plötzlichen Anstieg der US-Währung von USD 1,19 auf 1,16 pro Euro. Auf der Suche nach den Gründen hierfür zeige sich der Markt ziemlich ratlos. Die fundamentalen Daten hätten sich nicht geändert, der Anstieg sei keineswegs ein Zeichen neuer innerer Stärke der USA.

Die USA seien weiter die höchst verschuldete Nation der Welt. Die öffentliche Verschuldung breche mit USD 26 Billionen weltweit alle Rekorde. Die US-Sektoren Staat, Unternehmen, Banken und Privathaushalte hätten laut FED Mitte des Jahres Schulden in Höhe von USD 84,7 Billionen oder 435% des BIP gehabt, eine Rückzahlung sei wohl eine Mission Impossible. Unter "Stabilität" sei eigentlich etwas anderes zu verstehen. Auch an den Zinsdifferenzen habe sich so gut wie nichts geändert. Händler würden allenfalls bemängeln, dass die FED ihre Liquiditätshilfen kurzfristig nicht noch weiter ausgedehnt habe, obwohl sie doch an der ultra-expansiven Geldpolitik noch jahrelang festhalten wolle.

Auch die internationalen Turbulenzen hätten sich nicht verändert. Der Konjunkturverlauf sei in den USA und der Eurozone gleichermaßen enttäuschend. Beide Regionen würden unter der plötzlichen Verschärfung der Pandemie leiden. Die befürchtete zweite Welle der Neuinfektionen sei besorgniserregend. Die USA würden gegenwärtig pro Tag 40.000 Neuinfizierte registrieren. Deutschland und die Nachbarländer stünden vor dem Problem neuer Beschränkungen und Schließungen. Die von den Märkten nach der ersten Welle erhoffte V-förmige Konjunkturerholung bleibe in beiden Regionen aus. Das Vorkrisenniveau werde voraussichtlich erst im Jahr 2022 wieder erreicht.

Von einem erneuten Lockdown wären beide Regionen betroffen. Die Verteuerung des USD belaste aber die amerikanische Exportwirtschaft im Gegensatz zu der europäischen. Die Pandemie betreffe die ganze Welt. Von dem Verlauf der Weltwirtschaft sei die deutsche Exportwirtschaft besonders betroffen. Doch das seien alles keine Argumente für eine grundsätzliche Trendwende der US-Valuta!

Die Pandemie sei nicht das einzige Problem für die Weltwirtschaft: Der Klimaschutz sei genauso wichtig. Die Regierungen würden fieberhaft nach einem Ersatz der fossilen Energie suchen.

Erhebliche Förderungen würden die Elektro-Antriebe erfahren. Doch die Batterien hierfür würden das Hauptproblem bleiben. Einerseits mangele es an der zu erzielenden Reichweite und der umständlichen Neuaufladungen, andererseits verursache die Produktion der Batterien ganz erhebliche Umweltprobleme. Die bisher favorisierten Lithium-Batterien würden immer mehr in Diskussion geraten; Lithium komme hauptsächlich in dem extrem wasserarmen Hochland Argentiniens vor sowie in China mit dem gleichzeitigen Einsatz von Kohlekraftwerken. Solarstrom und Windräder würden trotz Förderungen an Grenzen bei der Verteilung an die Verbraucher geraten. Antriebe mit Wasserstoff Motoren würden unter dem niedrigen Wirkungsgrad von ca. 20% leiden. Die Optimierung des Verkehrs durch digitale Steuerungen wie in manchen baltischen Städten stecke noch in den Anfängen. Lösungen für den Klimaschutz würden sich nur langfristig durch einen intelligenten Energiemix finden lassen.

Die Weltwirtschaft stecke in einer länger anhaltenden Krise. Noch mehr Schulden würden kontraproduktiv. Mit steigenden Insolvenzen von Unternehmen und weiteren Staaten müsse gerechnet werden. Die Notenbanken würden an ihrer ultra-expansiven Geldpolitik noch lange festhalten. Von den weiter niedrigen Zinsen und der Überschussliquidität seien positive Impulse für die Finanzmärkte zu erwarten. Doch Überbewertungen an den Aktienmärkten wie gegenwärtig würden durch plötzliche Einbrüche ohne Vorwarnungen korrigiert. Langfristig dürften Edelmetalle als bewährtes Wertaufbewahrungsmittel ihren Aufwärtstrend fortsetzen. (28.09.2020/alc/a/a)