URA-Beurteilung: Nur HOMANN HOLZWERKSTOFFE-Anleihe in 2020 verbessert - Zehn KMU-Anleihen herabgestuft


08.01.21 12:30
Anleihen Finder

Brechen (www.anleihencheck.de) - Update - die Analysten der URA Research haben nach der Auswertung und Analyse der in 2020 veröffentlichten Finanzberichte zahlreiche Anleihen-Bewertungen von KMU-Emittenten aktualisiert, berichtet die Anleihen Finder Redaktion.

Demnach seien die URA-Beurteilungen aus dem Vorjahr für sieben Anleihen bestätigt, bei zehn Anleihen eine Herabstufung vorgenommen und lediglich die Anleihe 2017/22 der HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH heraufgestuft worden. Die in 2020 emittierten Folge-Anleihen der Karlsberg Brauerei GmbH sowie der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH seien zudem neu in die URA-Beobachtung aufgenommen worden.

Bei der Hälfte der beobachteten 13 Emittenten, die Zwischenberichte zum 30.09.2020 oder zumindest zum 30.06.2020 veröffentlicht hätten, hätten die Nettofinanzschulden (Finanzschulden abzüglich Liquidität) abgebaut bzw. die vorhandene Nettoliquidität erhalten werden können. Ebenso habe laut URA-Analysten fast die Hälfte der Emittenten in 2020 bisher einen positiven Free Cashflow (Mittelzufluss laufendes Geschäft inklusive Zinsergebnis minus Investitionssaldo) erreicht. Fehlende Mittelzuflüsse durch den Corona-bedingten Umsatzeinbruch hätten also durch Kosteneinsparungen wie Kurzarbeit/Aussetzung der Leiharbeit, durch Mittelfreisetzungen im Working Capital und niedrigere Investitionen zumindest teilweise ausgeglichen werden können. Dazu passe laut den Analysten auch, dass nur von wenigen Anleihe-Emittenten bisher bekannt sei, dass sie staatliche Kredite nutzen würden.

Ein ähnliches Bild zeige demnach der "URA-Stresstest" für 45 von URA beobachtete Firmen - auch hier habe fast die Hälfte eine grüne Ampel in dem Sinne, dass die Liquidität nach einem 12-monatigen Umsatzrückgang um 25% geschätzt noch länger als 720 Tage (d.h. zwei Jahre) reiche. Bei einem Umsatzrückgang um 50% seien es laut Research immerhin noch gut 15% der Unternehmen gewesen.

Verbesserte URA-Beurteilung

HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH Anleihe 2017/22

Die Anleihe 2017/22 der HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH habe sich von 2 auf 3 "URA-Haken" verbessert. Die meisten Bondkennzahlen hätten sich laut den URA-Analysten bis zum 30.09.2020 für jeweils kumulierte vier Quartale innerhalb des letzten Jahres weiter verbessert. Der Free Cashflow sei seit 2016 deutlich positiv. Für die Zukunft bleibe zu beobachten, welche Auswirkungen das geplante Werk in Litauen auf die Verschuldungssituation haben werde.

Unveränderte URA-Beurteilung

Bestätigt worden seien zuletzt, nach Monitoring der neuen Finanzberichte, die URA-Beurteilungen für folgende sieben Anleihen:

- 3 "URA-Haken" für Hörmann-Anleihe 2019/24

- 2 Haken für Katjes 2019/24 und Semper idem Underberg 2019/25

- 1 Haken für Photon Energy 2017/22 und VEDES 2017/22

- 0 Haken für BDT 2017/24 und VST 2019/24

Herabgestufte URA-Beurteilung

In den letzten Jahren seien die URA-Bewertungen der Anleihen im Zeitablauf recht stabil gewesen. Im Corona-Jahr 2020 erfolge jedoch wegen der teilweise deutlichen Verschlechterung der Finanzkennzahlen eine ganze Reihe von Herabstufungen, und zwar für insgesamt zehn Anleihen:

DEAG Anleihe 2018/23:

Von ohnehin schon ganz knapp 2 auf 1 URA-Haken und "watch" (wegen der von Corona besonders betroffenen Unterhaltungs-Branche)

FC Schalke 04 Anleihen 2016/21 und 2016/23:

Von 3 URA-Haken und "watch" auf ganz knapp 1 URA-Haken und "watch" (hier habe es im GJ/2019, also schon vor Corona, bereits erhebliche Probleme gegeben z.B. durch das Verfehlen internationaler Wettbewerbe bei gleichzeitig hohen schuldenfinanzierten Investitionen. In 2020 habe es mehrere Rücktritte in Vorstand und Aufsichtsrat sowie beim Trainer, Corona-bedingte "Geisterspiele" und aktuell den letzten Tabellenplatz in der Bundesliga gegeben.)

NZWL-Anleihen:

Von ohnehin schon ganz knapp 1 Haken auf 0 Haken

paragon-Anleihe 2017/22:

Von ohnehin schon ganz knapp 1 Haken und "watch" auf 0 Haken (hier habe es im GJ/2019, also schon vor Corona, bereits erhebliche Probleme gegeben mit den sehr hohen Verlusten bei der Elektromobilitäts-Tochter Voltabox: Hierdurch im Konzern z.B. Rückgang der Eigenkapitalquote von 49% in 12/2018 auf 7% in 9/2020; die Situation könnte sich durch den beabsichtigten Verkauf der Mehrheit an der Tochter Voltabox, für den angeblich mehrere attraktive Angebote vorlägen, deutlich verbessern.)

PNE-Anleihe 2018/23:

Von ohnehin schon ganz knapp 3 Haken und "watch" auf 2 Haken (PNE sei als Projektentwickler für Windkraft zwar deutlich weniger von Corona betroffen als andere Firmen. Jedoch hätten sich nach dem Strategiewechsel von Projektverkäufen hin zum Eigenbetrieb von Windkraftwerken die ausgewiesenen Gewinne reduziert und gleichzeitig wegen des starken Wachstums die Finanzschulden deutlich erhöht.)

Schlote-Anleihe 2019/24:

Von ganz knapp 2 Haken und "watch" auf 0 Haken (im Testat des Geschäftsberichts 2019 bereits ein Verweis auf die "angespannte Liquiditätssituation" laut Lagebericht; sei außerdem eine der ersten deutschen Firmen überhaupt gewesen, die staatliche Hilfen aus dem WSF erhalten hätten.)

Alle genannten Anleihen hätten schon vor Corona ganz knapp vor einer Herabstufung gestanden. Bei den drei Automobil-Zulieferern Neue ZWL, paragon und Schlote gebe es seit dem 3. Quartal 2020 allerdings deutlich positive Signale durch die spürbare Erholung der Nachfrage durch die Automobilfirmen.

Neu im URA-Monitoring

In das URA-Monitoring seien wegen der großen Unsicherheiten in Corona-Zeiten nur zwei Folgeanleihen (Karlsberg 2020/25 und NZWL 2020/22) aufgenommen worden. In 2020 bisher neu emittierte Anleihen wie Agrarius, Greencells, Mutares, nextbike, SUNfarming oder Veganz würden URA-intern zwar ebenfalls beobachtet, die Urteile dazu jedoch nicht in der Breite veröffentlicht.

Karlsberg Brauerei GmbH Anleihe 2020/25 (ISIN DE000A254UR5 / WKN A254UR)

Neu in der URA-Beobachtung sei die Anleihe 2020/25 der Karlsberg Brauerei GmbH, die vor wenigen Wochen die zweite Karlsberg-Anleihe abgelöst habe. Die dritte Karlsberg-Anleihe erhalte 3 "URA-Haken". Aufgrund der über den Jahreswechsel anhaltenden Schließung der für das renditestarke Fassbier wichtigen Gastronomie sei die Bewertung mit einem "watch" versehen.

- Stärken laut URA:

Familienunternehmen mit einem lange etablierten und auch im 1. Halbjahr 2020 robusten Geschäftsmodell (Anstieg des bereinigten EBIT trotz Umsatzrückgangs). Regional starke Marke; in Deutschland Pionier und Marktführer bei Biermischgetränken. Gute EBIT-Zinsdeckung; voll befriedigende Relation Net Debt/EBITDA. In 2019 und 2018 sowie im 1. Halbjahr 2020 ein deutlich positiver Free Cashflow. Hohes Investorenvertrauen (Emission überzeichnet).

- Schwächen laut URA:

Stagnierender Markt für alkoholhaltige Biere mit Preisdruck. Eigenkapitalquote durch die vollständige Gewinnabführung an die Muttergesellschaft begrenzt, verbunden mit einer komplexen Firmenstruktur. Wegfall des wichtigen Gaststättengeschäfts auch im Außenbereich durch die verschärften Corona-Maßnahmen.

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH Anleihe 2020/22 (ISIN DE000A289EX3 / WKN A289EX)

Neu in der URA-Beobachtung sei zudem die neue Anleihe 2020/22 der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH, ein familiengeführter Anbieter von Getrieben und Getriebeteilen für die PKW- und neuerdings auch die LKW-Industrie. Die Anleihe habe wie die anderen noch ausstehenden NZWL-Anleihen 0 "URA-Haken" erhalten.

- Stärken laut URA:

Etabliertes Geschäftsmodell als weltweiter Hauptlieferant von Synchronisierungen für Doppelkupplungsgetriebe. Bei circa 90% der Aufträge Alleinlieferant. Relative Planungssicherheit durch langfristige Verträge mit VW. Überschaubare Anleihe-Laufzeit von zwei Jahren (zweitkürzeste der fünf ausstehenden Anleihen). Deutlich überdurchschnittliche Anleihebedingungen.

- Schwächen laut URA:

Zyklische Fahrzeugindustrie mit strukturellem Wandel (NZWL sehe sich mit stark zunehmenden Elektro-/Hybridprojekten gut positioniert); mit 85% Umsatzanteil in 2019 stark abhängig vom VW-Konzern. Hohe Ausleihungen an die Schwester NZWL International und deren Tochter in China (30% der Konzern-Bilanzsumme), deren Rückflüsse zu den späteren Anleihetilgungen beitragen sollten; Anleihe strukturell nachrangig gegenüber Bankverbindlichkeiten der Schwester und deren Tochter. EBIT-Zinsdeckung und Net Debt/EBITDA wegen niedriger Renditen und hoher Finanzschulden nicht ausreichend. Seit 2013 ein negativer Free Cashflow (inklusive Zinsergebnis). Großteil des Vermögens für Kredite verpfändet. Bei Creditreform nur ein Rating von B-.

Den kompletten Beitrag finden Sie hier. (News vom 07.01.2021) (08.01.2021/alc/n/a)