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Türkische Notenbank übt die Rolle rückwärts


25.09.20 12:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank hat auf ihrer gestrigen Sitzung den Leitzins überraschend um zwei Prozentpunkte auf 10,25 Prozent angehoben, so die Analysten von Postbank Research.

Die Währungshüter hätten damit eine Rolle rückwärts vollzogen, nachdem sie den Schlüsselzinssatz zur Stützung der Wirtschaft und Dämpfung der Coronavirus-Auswirkungen seit Mitte 2019 zunächst von 24 Prozent bis auf 8,25 Prozent gesenkt hätten. Offensichtlich sei der Druck auf die Notenbank, dem starken Wertverfall der Lira entgegenzuwirken, zuletzt zu groß geworden. Die türkische Währung habe gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr bereits um 29 Prozent abgewertet, zum Euro betrage das Minus bis dato rund 33 Prozent. Angesichts erschöpfter Devisenreserven seien den Währungshütern außer einer Leitzinsanhebung kaum mehr Optionen geblieben, um den Wertverfall zu stoppen. Auch eine anhaltend hohe Inflation in der Türkei mache der Notenbank zu schaffen. Die Preissteigerungsrate liege seit Jahresbeginn im zweistelligen Bereich und habe bis zuletzt keine Anzeichen einer Mäßigung gezeigt. Mit aktuell 11,8 Prozent schieße sie über das Inflationsziel der Zentralbank von fünf Prozent weit hinaus.

Die Lira habe nach der Zinsentscheidung gegenüber dem Euro rund zwei Prozent zugelegt. Ob die Maßnahme ausreiche, die Glaubwürdigkeit der Notenbank im Hinblick auf die Inflationsbekämpfung wiederherzustellen und die Währung nachhaltig zu stabilisieren, werde sich aber erst noch zeigen müssen. (25.09.2020/alc/a/a)