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Staatsanleihen: US-Papiere bieten derzeit die größten Chancen


03.12.20 12:00
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Ein ereignisreiches Jahr geht dem Ende zu, ein Jahr, das wir gerne hinter uns lassen werden, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Das Jahr 2021 wird ein gutes, zumindest wenn es nach unserer Erwartung für die Aktienmärkte geht, so die Experten der Raiffeisen KAG. Dies fuße zunächst auf der Entwicklung der globalen Konjunktur. Nach beispiellosen Einbrüchen im Jahr 2020 werde im neuen Jahr eine spürbare Erholung eintreten. Diese könnte sogar stärker ausfallen, als es aktuell von den Volkswirten erwartet werde. Hand in Hand mit einer besseren Wirtschaftsdynamik würden sich auch die Unternehmensgewinne erholen. Zweistellige Zuwachsraten seien möglich. Wie schon in den letzten Jahren werde eine lockere Geldpolitik als unterstützender Faktor bleiben und auch die Fiskalpolitik werde weiterhin großzügig sein. Was gebe es Schöneres, als Geld auszugeben, das man zwar nicht habe, aber freigiebig von der Notenbank zur Verfügung gestellt bekomme - ein "No-Brainer" für jeden Politiker. Hier liege auch ein wesentliches Risiko für das positive Marktszenario begraben.

Sollten die Notenbanken gezwungen sein, ihre Liquiditätsinjektionen zu reduzieren oder einstellen zu müssen, hätte das starke Auswirkungen auf viele Marktsegmente. So habe nur die EZB seit Ausbruch der Krise ihre Bilanz um 340 Mio. EUR ausgeweitet - pro Stunde, 24/7. Dieses Geld sei zunächst in Staats- und Unternehmensanleihen geflossen. Kein Wunder, dass wir hier die Renditetiefstände wieder erreicht haben, so die Experten der Raiffeisen KAG. Aber frei nach dem Motto "Das Wasser findet seinen Weg" seien natürlich auch Hochzinsanleihen und Aktien begünstigt gewesen. Was wäre also dieser "Game-Changer", der zu einem Umdenken bei den Notenbanken führen würde? Eine solche Entwicklung sähe man nur im Fall eines starken Anstiegs der Inflation. Das ist nicht unsere Erwartung, aber zweifellos eines der Risikoszenarien für 2021, so die Experten der Raiffeisen KAG.

Kerneuropäische Staatsanleihen, insbesondere der Länder Deutschland und Frankreich, würden die Experten der Raiffeisen KAG aktuell als weniger attraktiv im Vergleich zu anderen Staatsanleihen wie jenen der europäischen Peripherie, beispielsweise Italien und Spanien betrachten. Wobei auch diese im Verlauf des Jahres 2020 an Attraktivität verloren hätten. Aktuell sähen die Experten der Raiffeisen KAG die größten Chancen innerhalb dieser Assetklasse bei US-Staatsanleihen.

Die Spreads von Euro-Investmentgrade-Unternehmensanleihen seien im November auf Vor-Covid-Niveaus abgesackt. Es seien eher technische und weniger fundamentale Gründe, die für diese Anleiheklasse sprächen. Denn Europa befinde sich im Gegensatz zu den meisten Regionen im Lockdown und die Ausfallsraten würden steigen, während sie in den USA bereits sinken würden. Doch: Der Refinanzierungskanal sei weit geöffnet und dem Unternehmenssektor gelinge es gut, seine hohe Schuldenlast in die Zukunft zu transferieren.

Schwellenländer-Hartwährungsanleihen hätten sich zweifelsohne gut entwickelt. Aufgrund möglicher weiterer Covid-Lockdowns in den USA und den Emerging Markets würden die Experten der Raiffeisen KAG bei dieser Anleiheklasse dennoch zurückhaltend bleiben.

Die internationalen Aktienmärkte hätten im November zum Teil die stärksten monatlichen Kurszuwächse der letzten 40 Jahre verbuchen können. Besonders zulegen können hätten dabei zyklische Marktsegmente. Neben positiven Gewinnrevisionen sei diese Kursentwicklung vor allem von positiven Nachrichten bezüglich potenzieller Covid-Impfungen befeuert worden. Kurzfristig würden verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zur Vorsicht mahnen (überkaufte Marktsituation), die Experten der Raiffeisen KAG würden aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld erwarten und seien daher nun einen Aktienschritt übergewichtet.

Während eine zweite, heftige Welle des Virus über Europa fege, sei der asiatische Raum weiterhin eine Insel der Seligen. Damit seien die beiden Kontinente einmal mehr nicht vergleichbar. Insbesondere China lasse kaum mehr Einschränkungen der wirtschaftlichen Leistungen durch Corona erkennen. Das lasse sich auch an der Gewinnentwicklung der asiatischen Unternehmen ablesen, die sich sehr fest entwickle. In der Peripherie der Emerging Markets (Lateinamerika und Osteuropa) seien die Spuren dafür deutlicher - eine Verbesserung zeichne sich aber auch hier ab.

Innerhalb der Rohstoffsektoren hätten die zyklischen Industriemetalle besonders stark zulegen können. Positive Konjunkturdaten aus China und die Aussicht auf eine global stärkere Konjunktur in den nächsten Quartalen hätten für Unterstützung gesorgt. In diesem sehr freundlichen Marktumfeld hätten sich Edelmetalle hingegen schwächer präsentiert. Die Experten der Raiffeisen KAG würden in der Taktischen Asset Allocation weiterhin eine Position im Bereich Edelmetalle halten (mittels Derivaten auf Rohstoffindices). Die unverändert sehr expansiven globalen Notenbanken in Kombination mit deutlich negativen Renditen bei sicheren Staatsanleihen würden diesen Sektor unterstützen. (03.12.2020/alc/a/a)