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Russische Zentralbank und Ölpreis stützen den Rubel


17.10.18 12:54
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die im September von der Russischen Zentralbank zur Stabilisierung des Wechselkurses und der damit zusammenhängenden Inflationserwartungen ergriffenen Maßnahmen - eine Leitzinsanhebung auf 7,50% und das Aussetzen der Devisenkäufe für den Reservefonds bis zum Jahresende - haben Erfolg gezeigt, so die Analysten der DekaBank.

Der Russische Rubel habe im Vergleich zu den Tiefständen aufgewertet, doch im Vergleich hinke die Währungsentwicklung der Ölpreisentwicklung trotz der ausgesetzten Devisenkäufe deutlich hinterher, weil die geopolitischen Risiken den Ausblick belasten würden.

Aus den USA sei in den vergangenen Wochen wenig Neues in Bezug auf die Verschärfung der Russland-Sanktionen als Antwort auf die Einmischung in den US-Wahlkampf 2016 gekommen. Je näher die US-Zwischenwahlen (6. November) rücken würden, desto unwahrscheinlicher sei es, dass die im Senat vorgeschlagenen Gesetzesentwürfe davor verabschiedet würden. Die zweite Sanktionsstufe der US-Administration als Antwort auf den Gebrauch chemischer Waffen durch Russland dürfte ebenfalls erst nach den Wahlen verkündet werden, sodass der Eskalationsgrad in beiden Sanktionsfällen vom Ausmaß der russischen Einmischung in das politische Geschehen in den USA abhängen dürfte. Gänzlich abwenden ließe sich die Verschärfung der "chemischen" Sanktionen der USA allerdings nur, wenn Russland glaubwürdig versichern würde, dass es in Zukunft keine chemischen Waffen verwenden werde (beispielsweise Waffeninspekteure ins Land lassen). Da Russland jegliche Verantwortung im Fall Skripal abstreite, sei somit die zweite Stufe Ende November nahezu vorprogrammiert.

Die geopolitischen Risiken in Kombination mit der bevorstehenden Mehrwertsteueranhebung ab Januar des kommenden Jahres und der schlechten Ernte würden der Russischen Zentralbank keinen Raum für Leitzinssenkungen vor Ende 2019 lassen, weil die Inflation insbesondere in der ersten Jahreshälfte sehr wahrscheinlich oberhalb des Zentralbankzieles von 4% liegen werde. Im Falle einer neuen Währungsschwäche dürfte die Zentralbank sogar eher früher als später mit weiteren Leitzinsanhebungen reagieren. Die Schwäche im Agrarsektor (August: -10,8% yoy) wegen der Trockenheit im Sommer werde die Wachstumszahlen für das dritte Quartal belasten, obwohl die zugrunde liegende Konjunkturdynamik intakt sei. Im vierten Quartal dürfte der Konsum von den Vorzieheffekten der Mehrwertsteueranhebung profitieren, die dann aber im kommenden Jahr fehlen würden, was in 2019 zu einem niedrigeren Wachstum führen werde.

Das Wachstumspotenzial sei in Russland wegen der demographischen Entwicklung und der niedrigen Produktivitätssteigerungen, die auf geringe Investitionen zurückzuführen seien, mit ca. 1,5% verhalten. Der zur Erhöhung des Potenzialwachstums dringend notwendige institutionelle Reformprozess werde durch den mangelnden Reformwillen der Machthaber behindert. Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation.

Das politische Risiko, das mit einer potenziellen drastischen Verschärfung der US-Sanktionen eingehe, dominiere bei der Bonitätseinschätzung. Russland weise nach wie vor solide Staatsfinanzen auf und die externe Verschuldung sei niedrig im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets. Die Außenhandelsposition werde durch das hohe Ölpreisniveau zusätzlich gestärkt. Doch wenn die derzeit in den USA diskutierten extremen Maßnahmen (z.B. das Verbot für Dollargeschäfte der Staatsbanken, Sanktionierung der russischen Staatsanleihen), entgegen unserer derzeitigen Einschätzung greifen sollten, würde dies zu Turbulenzen und Ratingherabstufungen führen, so die Analysten der DekaBank. Die hohe Unsicherheit dürfte bis zu den Zwischenwahlen in den USA im November anhalten, weil die Analysten der DekaBank davon ausgehen würden, dass der Umfang der Maßnahmen stark vom Grad der Einmischung Russlands in die Wahlen zusammenhänge. (17.10.2018/alc/a/a)