Risikobereitschaft nimmt zu - Deutsche Staatsanleihen verlieren Auftriebskräfte


12.06.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zum Wochenauftakt machte sich Zuversicht bei internationalen Investoren breit, berichten die Analysten der Helaba.

Nach der Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt sei es ausgerechnet ein Mitglied der neuen italienischen Regierung gewesen, das für einen kleinen Lichtblick am doch sonst recht düsteren Finanzhimmel gesorgt habe. Der italienische FM Tria habe sich zum Euro bekannt und Investitionen sowie Strukturreformen statt Erhöhung der Schulden angekündigt.

Heute Morgen schaue die ganze Welt gebannt nach Singapur, wo US-Präsident Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un derzeit zu einem historischen Gipfeltreffen zusammenkämen. Trump habe nach einem ersten Gespräch von "sehr, sehr guten, exzellenten Beziehungen" gesprochen, sein Gegenüber von "gut für den Frieden". Beide Seiten hätten die Zusammenkunft als großen Erfolg gewertet. Mit konkreten Ergebnissen sei zwar nicht zu rechnen, eine Vereinbarung solle unterzeichnet werden. Über Inhalte sei nichts bekannt. Gegen 10 Uhr MEZ sei eine Pressekonferenz angesetzt.

Die ersten Reaktionen an den fernöstlichen Aktienbörsen würden den vorsichtigen Optimismus widerspiegeln. Die Unberechenbarkeit beider Akteure verhindere jedoch größere Ausschläge. Schon der europäische Handel sei verhalten positiv in die neue Börsenwoche gestartet.

Mit zunehmender Risikobereitschaft hätten deutsche Staatsanleihen ihre Auftriebskräfte verloren. Allerdings habe die immer noch große Verunsicherung einen stärkeren Abverkauf verhindert. Vergleichsweise dünne Umsätze würden an der Nachhaltigkeit der Erholung Zweifel aufkommen lassen. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 70 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,90%) und Belgien (0,91%) hätten gegen Bunds 2 BP aufgeholt.

Angeführt von italienischen Staatspapieren hätten sich Anleihen der EU-Peripherie gut erholt präsentiert. Umsätze hätten sich bei ruhigem Handelsverlauf in überschaubarem Rahmen gehalten. Von den Aussagen des italienischen Finanzministers hätten kurze Schuldtitel am meisten profitiert. Die Ankündigung der Auktionen am Freitag (04/2021,05/2025, 09/2046 & 03/2048) habe ultralange Laufzeiten in Mitleidenschaft gezogen. Trotz anstehender Versteigerungen von 5- und 10-jährigen Anleihen hätten Portugiesen gegen SPGBs 2 BP aufgeholt. Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer (2,82%), spanischer (1,43%) und portugiesischer Bonds (1,93%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 37, 8 bzw. 10 BP ermäßigt.

Am US-Bondmarkt hätten sich die Renditen im Vorfeld des Gipfels und der Notenbanksitzung kaum von der Stelle bewegt. Die Versteigerungen 3- und 10-jähriger Notes hätten auf durchschnittliches Interesse getroffen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 30 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries trotz des verhaltenen Optimismus an den Aktienbörsen kaum verändert tendieren.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (159,84) und Bobl-Kontrakt (131,11) hätten 47 bzw. 29 Stellen verloren, der Schatz (111,945) sei 10 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,49% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 109 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP niedriger bei 2,95% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,177 USD, der Preis für das Barrel Öl steige auf 66,2 USD.

Heute richte sich das Augenmerk auf Verbraucherpreise der Vereinigten Staaten (0,2%/2,7%; Kernrate 0,2%/2,2%), die eine wichtige Entscheidungshilfen den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank darstellen würden. Die FED sollte angesichts zunehmender Inflationserwartungen und guter Konjunkturperspektiven kaum zögern, ihren strafferen geldpolitischen Kurs fortzusetzen und die Zinsen erneut erhöhen.

Hierzulande steht die ZEW-Umfrage im Fokus, so die Analysten der Helaba. Handelskrieg und politische Spannungen in Europa dürften nicht ohne Auswirkungen auf Lagebeurteilung (85 nach 87,4) und Erwartungshaltung (-14 nach -8,2) geblieben sein. Der britische Arbeitsmarktbericht (Quote 4,2%) werde nur am Rande interessieren.

Am Primärmarkt würden die Niederlande eine 6-jährige DSL um 2,5 Mrd. Euro aufstocken, Finnland biete einen 16-jährigen Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro an. Das amerikanische Schatzamt versteigere heute 30-jährige Bonds Im Volumen von 14 Mrd. USD. SpareBank 1 Boligkreditt AS habe einen 5-jährigen norwegischen Covered Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap +2 BP begeben. Ile de France habe eine 15-jährige Nachhaltigkeitsanleihe im Volumen von 500 Mio. Euro 20 BP über vergleichbaren Staatsanleihen emittiert. DNB Boligkreditt AS habe das Mandat für einen 7-jährigen grünen Covered Bond vergeben. Der ESM plane die Aufstockung einer im März 2027 fälligen Anleihe. Die KfW habe eine neue 5-jährige Benchmarkanleihe angekündigt. (12.06.2018/alc/a/a)