Risikobereitschaft nimmt ab - Bundesanleihen stabilisieren sich


09.11.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hat bei ihrer turnusmäßigen Sitzung die Leitzinsen nicht angetastet, berichten die Analysten der Helaba.

Allerdings liefere die US-Wirtschaft derzeit keine Anzeichen, die eine Änderung der geldpolitischen Ausrichtung rechtfertigen würden. Der robuste Arbeitsmarkt und zunehmender Lohndruck würden eine Zinsanhebung im Dezember wahrscheinlich machen. Weitere Schritte dürften im Laufe des kommenden Jahres folgen.

Die Euphorie vom Vortag sei schnell Sorgen gewichen, doch etwas zu weit vorgeprescht zu sein. Die Zurückhaltung der Anleger an den Aktienmärkten habe qualitativ hochwertigen Anleihen geholfen, Kursverluste wieder aufzuholen.

Bundesanleihen hätten sich im Handelsverlauf mit abnehmender Risikobereitschaft stabilisieren können. Die erfolgreiche Versteigerung französischer OATs im Volumen von 8,86 Mrd. Euro habe ebenfalls Druck vom Kessel genommen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich geringfügig auf 64 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,84%) und Frankreich (0,81%) hätten knapp ihren Abstand zu Bunds verteidigt. Die Aufstockung 5- und 10-jähriger irischer Anleihen um zusammen 750 Mio. Euro sei kaum ins Gewicht gefallen. Gute Nachfrage hätten langlaufende Landdesschatzanweisungen sowie gedeckte Titel aus den Kernländern verzeichnet.

Anleihen der EU-Peripherie könnten sich nur schwer aus der Umklammerung des Haushaltsstreits zwischen Brüssel und Rom befreien. Der Hoffnung auf ein Einlenken der italienischen Regierung würden Warnungen der EU vor zunehmenden Risiken und einem Bruch der 3%-Defizitgrenze im Jahr 2020 folgen. Im Herbstgutachten würden Wachstumsprognosen für dieses Jahr auf 1,1% und das kommende auf 1,2% gesenkt. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,39%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5 auf 294 BP ausgeweitet. Spanische (1,60%) und portugiesische Bonds (1,93%) hätten nach erfolgreichen BONO-Auktionen den Abstand zu Bunds gehalten. Die neuen Papiere Spaniens hätten sich unisono sehr lebhafter Nachfrage erfreut und 4 Mrd. Euro in die Staatskasse gespült.

Am US-Bondmarkt habe die Erleichterung nach der Wahl nur kurz gehalten und sei zunehmenden Zinsängsten gewichen. Nach einer Notenbanksitzung ohne Überraschungen habe sich die Lage beruhigt und die Renditen hätten sich kaum noch von der Stelle bewegt. Nur ultralange Laufzeiten hätten Teile der Kursverluste vom Vortag wieder aufgeholt. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 34 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries angesichts überwiegend schwacher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen gut behauptet tendieren. Nach der US-Wahl rücke die Angst vor einer Verschärfung des Handelsstreits wieder in den Vordergrund. Die Verbraucherpreise Chinas seien im Oktober wie erwartet um 2,5% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (159,36) habe 5 Stellen zugelegt, Bobl (131,14) und Schatz (111,895) seien 2 Ticks höher bzw. unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,46% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 104 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP niedriger bei 3,22% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,135 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 60,6 Dollar.

Zum Wochenschluss richte sich die Aufmerksamkeit auf Produktionszahlen aus Frankreich (-0,3%/1,1%). Außerdem würden vorläufige Wachstumszahlen des 3. Quartals (0,6%/1,5%) sowie die Industrieproduktion Großbritanniens (-0,1%/0,4%) über die Ticker laufen. In den Vereinigten Staaten würden Erzeugerpreise (0,2%/2,5%; Kernrate 0,2%/2,3%) einen ersten Blick auf die Inflationsfront im Oktober gewähren. Die vorläufigen Umfragen der University of Michigan zum Verbrauchervertrauen (98 nach 98,6) würden den Datenkranz abrunden.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. In der kommenden Woche würden die Niederlande den Reigen mit der Aufstockung einer 15-jährigen DSL um 1 Mrd. Euro eröffnen. Gleichzeitig biete Italien 3-, 7- und 20-jährige BTPs im Volumen von zusammen 5,5 Mrd. Euro an. Die Finanzagentur des Bundes stocke zunächst 2-jährige Schatzanweisungen um 4 Mrd. Euro, zur Wochenmitte die 30-jährige Bundesanleihe um 1,5 Mrd. Euro auf. Das Land NRW habe eine neue 10-jährige Anleihe im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -7 BP begeben. (09.11.2018/alc/a/a)