Erweiterte Funktionen

Rentenmarkt: Renditen im Höhenrausch!


01.03.21 12:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Sorgen, die Federal Reserve könnte bereits hinter der (Zins-)Kurve liegen, führten in den letzten Tagen zu einem rasanten Anstieg der Zinsen am langen Ende, so Dr. Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Am Donnerstag sei die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sogar kurzzeitig über die Marke von 1,60% gesprungen - nachdem sie zu Jahresbeginn noch unter 0,95% gelegen habe! Aber auch das deutsche Pendant zehnjährige Bundesanleihen sei fast auf -0,20% gestiegen - ausgehend von noch -0,60% zu Jahresbeginn! Innerhalb weniger Wochen würden die Zeichen für die Marktteilnehmer damit offenbar von beängstigender Wirtschaftsschwäche auf befürchtete Überhitzung wechseln!

Dabei würden das absehbare Finanzpaket der neuen US-Regierung sowie die aufgrund der hohen Sparquote zu erwartenden ausgabenfreudigeren Verbraucher eine große Rolle spielen. Hinzu kämen im Frühsommer basisbedingt stark steigende Inflationsraten in Richtung 3% sowie eine US-Notenbank, die immer wieder betone, es sei nicht die Zeit nachzudenken, ob über weniger expansive Maßnahmen nachzudenken sei. Sprich: Sowohl die Fiskal- als auch die Geldpolitik schieße aus vollen Rohren, was langfristig eigentlich immer Inflation und damit steigende Zinsen zur Folge haben sollte. Massive Zinsbewegungen könnten wiederum schnell einen Risk-Off-Modus mit fallenden Assetpreisen - sowohl Aktien als auch Immobilien - mit sich ziehen, was dann die Renditen von Benchmarkanleihen wiederum in die Tiefe stürzen lassen könnte. Soweit sei es nun heute nicht, es zeige aber, dass sich in unsicheren Zeiten das Blatt schnell wieder wenden könne.

Wir hatten einen sukzessiven Renditenanstieg erwartet - so rasant aber nun auch nicht, so die Analysten der NORD/LB. Insbesondere die Virusmutanten würden die Aussichten vernebeln. So würden die Neuinfektionszahlen wieder ansteigen - vermutlich wegen B.1.1.7. mithilfe der Impfungen sollte dennoch perspektivisch der konjunkturelle Aufschwung Fahrt aufnehmen. Dieses Szenario gelte aber auch nur, solange sich die Impfstoffe als (überwiegend) wirksam erweisen würden.

Kurzfristig würden sich die Marktteilnehmer zudem auf wichtige Konjunkturdaten konzentrieren. In der ersten Woche eines Monats stünden insbesondere der ISM PMI heute 16:00 Uhr und der Arbeitsmarktbericht am Freitag an. Wir rechnen mit einem etwas weniger hohen ISM PMI bei 58,5 Punkten, mit einem moderaten Zuwachs der neugeschaffenen Stellen um 110.000 sowie mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote auf 6,4%, so die Analysten der NORD/LB. (Ausgabe 9 vom 01.03.2020) (01.03.2021/alc/a/a)