Rentenmarkt: FED erhöht wie erwartet den Leitzins - EZB-Präsident verschreckt mit Bemerkung zur Kerninflation


01.10.18 12:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank FED erhöhte am Mittwoch wie allerseits erwartet den Zielkorridor der FED Fund Rate um 25 Basispunkte auf 2,0 bis 2,25 Prozent, so die Experten von Union Investment.

Die Zinspolitik der FED laufe somit weiter auf Autopilot. Im laufenden Jahr werde mit einer weiteren Zinserhöhung gerechnet, für 2019 gehe der Konsens nach wie vor von drei weiteren Zinsschritten aus. Eine erneute Zinsanhebung noch im laufenden Jahr scheine innerhalb der FED auch immer mehr Befürworter zu finden. Nach zunächst acht Mitgliedern hätten zuletzt sogar zwölf der Entscheidungsträger für einen weiteren Zinsschritt gegen Jahresende votiert.

Allerdings scheine der laufende Zinserhöhungsprozess etwas an Dynamik zu verlieren. Mit einem Wechsel in der Kommunikation, in der die FED ihre Geldpolitik als nicht mehr wachstumsfördernd (akkommodierend) bezeichne, scheine sich eine vorsichtige Annäherung an ein neutrales Zinsniveau zu vollziehen. Der langfristig für angemessen erachtete Leitzins werde seitens der FED nach wie vor bei 2,9 Prozent verortet. Dem FED-Vorsitzenden Powell zufolge befinde sich das FOMC in einem Zinsfindungsprozess, der es auch ermögliche, bei Erreichen des neutralen Zinses eine Pause einzulegen. Hinsichtlich der aktuellen Handelsstreitigkeiten würden vom FED-Vorsitzenden aktuell keine kurzfristigen negativen Folgen für die US-Wirtschaft gesehen.

An den Finanzmärkten sei die Reaktion auf die FED sehr übersichtlich gewesen und habe sich in engen Grenzen gehalten. Mit Blick auf den US-amerikanischen Staatsanleihemarkt hätten sich die richtungweisenden 10jährigen US-Staatsanleihen nur wenige Basispunkte oberhalb der Drei-Prozentmarke bewegt. Auf der US-Zinskurve habe der lange Laufzeitbereich renditeseitig einige wenige Basispunkte abgegeben.

Deutlich schwankungsintensiver sei das Geschäft am europäischen Staatsanleihemarkt verlaufen. Zunächst habe EZB-Präsident Draghi mit einer Bemerkung in seiner Rede vor dem EU-Parlament für deutliche Reaktionen am Markt gesorgt. Der Hinweis auf eine von der EZB erwartete relativ kräftige Belebung der Kerninflation habe die Marktteilnehmer verschreckt. Vor allem Anleihen aus den Kernländern seien unter Druck geraten, deutsche Bundesanleihen seien über die 0,5-Prozentmarke gestiegen. Allerdings habe sich der Markt wieder gefangen, als klar geworden sei, dass es sich hierbei um eine langfristige Einschätzung gehandelt habe. Zumal die angesprochene Kerninflation mit 1,8 Prozent für 2020 auch keinen neuen Informationsgehalt geboten habe, da diese in den EZB-Projektionen schon längst kommuniziert gewesen sei. Eine verfrühte Zinswende seitens der EZB dürfte mitnichten zu erwarten sein. In der Folge habe EZB-Chefvolkswirt Praet auch darauf hingewiesen, dass das Erreichen der Zwei-Prozentmarke einem längeren Prozess unterliege.

Italien komme nicht zur Ruhe. Zum Wochenschluss sei veröffentlicht worden, dass das für 2019 angestrebte Budgetdefizit 2,4 Prozent betragen solle. Die Markterwartung habe bei maximal zwei Prozent gelegen. Die angestrebte höhere Verschuldung habe am italienischen Staatsanleihemarkt zu Kursverlusten geführt, die sich sowohl mit den kurzen als auch den langen Laufzeiten über die gesamte Zinskurve hinweg erstreckt hätten. Die Zehnjahresbonds hätten am Freitagvormittag in der Spitze mit 3,15 Prozent rentiert, ein Anstieg von mehr als 30 Basispunkten gegenüber Vorfreitagsschluss. In anderen Peripherieländern wie Spanien oder Portugal sei es zu nur leichten Renditesteigerungen gekommen. Gleichzeitig hätten Bundesanleihen von der erhöhten Risikostimmung profitieren und die Notierungen wieder etwas zulegen können. Die Situation in Italien werde nun von mehreren Faktoren bestimmt werden. Die Diskussionen mit der EU-Kommission, die Frage, ob Finanzminister Tria im Amt bleiben werde und auch mögliche Rating-Änderungen stünden hierbei im Vordergrund. (Ausgabe vom 28.09.2018) (01.10.2018/alc/a/a)






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