Rentenmärkte: Renditeanstieg setzt sich fort, FED dürfte Leitzins anheben


21.09.18 12:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Allmählich kommt doch wieder etwas Musik in die Rentenmärkte, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Monatelang hätten es weder die Renditen der deutschen noch der amerikanischen Staatsanleihen über einen etwas längeren Zeitraum den Weg nach oben einzuschlagen geschafft. Seit Mitte August könne man nunmehr einen vorsichtigen Aufwärtstrend erkennen. Insbesondere scheinen die US-T-Notes die 3%-Marke überwunden zu haben, während die Pendants aus Deutschland immerhin die 0,5%-Marke in Angriff nehmen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Gebe es einen Auslöser für diese Bewegung, die ja grundsätzlich einen gewissen Optimismus hinsichtlich Inflation und Konjunktur widerspiegeln sollte? Zum einen hätten sich die Aktienmärkte in den USA von ihrer freundlichen Seite gezeigt, sodass einige Anleger von den Staatsanleihen in Aktien umgeschichtet haben dürften. Zum anderen dürften einige Investoren mit der EZB-Sitzung der vergangenen Woche stärker ins Bewusstsein gerückt sein, dass die Unterstützung der Bondmärkte durch die EZB zum Ende des Jahres auslaufe - das mache den Weg frei für höhere Anleiherenditen.

Außerdem stehe die nächste Zinserhöhung in den USA vor der Tür. Im Markt bestehe ein Konsens darüber, dass die FED am 26. September die dritte Zinsanhebung in diesem Jahr beschließen werde. Darüber hinaus würden die Analysten für Dezember eine weitere Straffung der Geldpolitik erwarten. Gänzlich zu ignorieren scheinen die Rentenmärkte den Beschluss der US-Regierung, ab dem 24. September neue Zölle von 10% auf Importe aus China im Volumen von 200 Mrd. US-Dollar zu erheben. Diese Ankündigung sei zudem mit dem Zusatz versehen gewesen, dass man Anfang 2019 den Zollsatz auf 25% anzuheben beabsichtige. An den Märkten schwinge offensichtlich die Hoffnung mit, dass es "nur" bei dem Zollsatz von 10% bleiben werde.

Die Analysten würden eine 50 zu 50-Chance sehen, dass das geschehe und glauben, dass ein 25%-Zollsatz erheblich Auswirkungen auf die Handelsströme sowie auf die Situation der Schwellenländer haben werde. Letztere würden verstärkt unter Druck geraten, weil sich der Wettbewerb mit China deutlich intensivieren dürfte. Damit bestehe die Gefahr einer noch stärkeren Eintrübung des weltwirtschaftlichen Wachstums. Dies sei an den Märkten nicht eingepreist.

Derzeit finde in Salzburg der EU-Gipfel statt, bei dem es unter anderem um den Brexit gehen werde. Der Druck im Kessel steige mit dem Herannahen des 29. März 2019 (vertragsmäßiges Ende der Verhandlungszeit). In dem Zusammenhang sei auch auf den Parteitag der Konservativen in Großbritannien am 30.09. zu achten, von dem sich einige radikale Brexit-Befürworter den Sturz Theresa Mays erhoffen würden. Darüber hinaus würden am 21.09. die September-PMI für die Eurozone veröffentlicht, bei dem gemäß Bloomberg-Konsens der Abwärtstrend gestoppt werden sollte. Am Montag sei auf den wieder erstarkten ifo-Index zu achten. Eine konjunkturoptimistische FED dürfte in den nächsten Tagen dafür sorgen, dass die US-Renditen die 3%-Marke halten könnten, während der Handelskonflikt den Bundrenditen etwas zusetzen dürfte. (Ausgabe vom 20.09.2018) (21.09.2018/alc/a/a)