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Rentenmärkte: Lagarde und Powell befördern den Renditeanstieg


25.02.21 15:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Anstieg der Renditen bei den zehnjährigen T-Notes und Bunds hat sich in den vergangenen Tagen fortgesetzt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Weder die Auftritte der Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, und noch des FED-Chef Jerome Powell hätten die Anleger davon abgehalten, weiter Bonds zu verkaufen. Im Gegenteil, die Risikofreude der Investoren scheine insbesondere nach den Stellungnahmen von Powell vor dem Banken- bzw. Finanzausschuss des Kongresses eher zugenommen zu haben. Denn Powell habe bei der halbjährlich stattfindenden Anhörung zugesichert, dass er die Arbeitslosenrate als noch deutlich zu hoch empfinde. Da die Zahl der Beschäftigten rund 10 Millionen unter dem Niveau von vor der Coronakrise liege, läge gemäß Powell die Arbeitslosenquote eigentlich im Bereich von 10%. Aber auch eine sehr niedrige Arbeitslosenrate sei kein hinreichender Grund für eine Straffung der Geldpolitik.

Schließlich habe er erneut erklärt, wie das neue durchschnittliche Inflationsziel zu verstehen sei. Die FED strebe nach mehreren Jahren einer Inflationsrate von unter 2% für eine gewisse Zeit eine Inflation von leicht über 2% an. Fasse man diese Aussagen zusammen, sei klar, dass die FED noch lange Zeit ihren expansiven geldpolitischen Kurs fortsetzen werde. Das aber zeige, mit welchen Kommunikationsherausforderungen die FED möglicherweise bald zu kämpfen haben werde. Denn wenn die FED Optimismus verbreite und zusichere, dass sie an der lockeren Geldpolitik festhalte, dann sorge genau dieser Optimismus dafür, dass nicht nur die Aktien, sondern auch die langfristigen Renditen weiter steigen würden. Wenn die Renditen aber zu schnell steigen würden, dann könnte das ab einem bestimmten Punkt doch den Aktien zusetzen und für Turbulenzen sorgen, die die FED ja gerade verhindern möchte.

Von dem Renditenanstieg in den USA könnten sich die Bunds nicht abkoppeln, das sei schlicht dem transatlantischen Kapitalmarktzusammenhang geschuldet. Die EZB sei darüber sicherlich nicht glücklich und Lagardes Äußerungen könne man so interpretieren, dass sie das PEPP-Anleiheankaufprogramm ein weiteres Mal von derzeit 1,85 Billionen Euro aufstocken könnte. Aber wenn die Inflation stärker steigen sollte, stelle sich die Frage, wie ein derartiger Schritt gerechtfertigt werden solle. Die Erwartung der Analysten sei, dass man diesen Schritt erst gehe, wenn deutlich werde, dass die steigenden Renditen zu Turbulenzen an den Aktienmärkten führen würden und dadurch die Konjunktur beeinträchtigt werden könne.

Während die Infektionsraten sich in den meisten Ländern der Welt abwärts bewegen würden, würden sich in einigen Ländern offensichtlich Mutanten durchsetzen und zu einem Anstieg der Neuinfektionen führen. Mittlerweile treffe das auch auf Deutschland zu. Es bestehe daher das Risiko, dass der Aufschwung sich erneut verzögere oder nach ersten Öffnungsschritten wieder abgebremst werde, falls die Lage später außer Kontrolle gerate. Das würde auch den Renditeanstieg abbremsen. Nächste Woche (am 04.03.) würden die Bundesregierung und die Regierungschefs der Länder entscheiden, ob und wann die nächsten Öffnungsschritte eingeleitet würden und wie dies mit dem Einsatz von Schnelltests begleitet werden könne. Das erscheine grundsätzlich sinnvoll, Österreich gehe gerade diesen Weg. Dort würden die Infektionszahlen seit einigen Tagen allerdings wieder deutlich ansteigen.

Ein Blick auf Großbritannien zeige, dass eine weitestgehende Öffnung vermutlich noch relativ lange auf sich warten lassen werde. Dort, wo mittlerweile 27% der Bevölkerung zumindest eine Covid-19 Impfung erhalten hätten, habe Ministerpräsident Boris Johnson einen Plan vorgestellt, der erst für Ende Juli eine weitestgehende Lockerung für alle Bereiche vorsehe. Und selbst dieser Plan werde von vielen Seiten als gewagt bezeichnet. In Deutschland liege die Impfquote erst bei 6,5%, entsprechend länger dürfte es hier dauern, bis wieder Normalität einkehre.

Die kommende Woche sei gespickt mit wichtigen Konjunkturdaten. In den USA werde man auf die Arbeitsmarktdaten schauen (05.03.), zuvor aber aufmerksam das Ergebnis der ISM-Einkaufsmanagerumfrage für das Verarbeitende Gewerbe (01.03.) und den Dienstleistungssektor (03.03.) analysieren. Die Stimmung im Letzteren sei, anders als in der Eurozone, genauso gut wie in der Industrie, da die Lockdown-Maßnahmen weniger streng seien. In der Eurozone sei ebenfalls auf die Arbeitsmarktdaten zu achten (Deutschland 02.03., Eurozone 04.03.) sowie auf die Einzelhandelsumsätze (Deutschland 02.03., Eurozone 04.03.). Wichtiger noch sei aber die Schnellschätzung für die Inflation in der Eurozone (02.03.), die bei lediglich 0,5% YoY gesehen werde, aber möglicherweise Überraschungspotenzial nach oben habe, bedingt durch Veränderungen im Warenkorb des Inflationsindex. (25.02.2021/alc/a/a)