Renten: Sicherheitsanforderungen der Anleger weiterhin hoch


04.12.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern des Verarbeitenden Gewerbes Spaniens ist besser als erwartet, das Sorgenkind bleibt die Industrie Italiens, so die Analysten der Helaba.

Der immer größer werdende Abstand zur Expansionsschwelle mache die Budgetverhandlungen mit der EU nicht einfacher. Schwache Vorgaben aus Frankreich und Deutschland würden zudem für die Eurozone kaum Wachstumsfantasie aufkommen lassen.

Im Mittelpunkt habe allerdings die Deeskalation im Handelsstreit zwischen China und USA gestanden. An den Aktienmärkten in Fernost habe die Freude jedoch nur kurz gehalten. Sofort würden Zweifel aufkommen, ob die Frist von 90 Tagen, in der keine Zölle erhöht werden sollten, sinnvoll für eine tragende Vereinbarung genutzt werden könne.

Vor dem Jahreswechsel würden zudem andere wichtige Entscheidungen ins Blickfeld der Anleger rücken. In London kämpfe Premierministerin May um ihr politisches Überleben. Bis zum 10. Dezember, der Abstimmung im Unterhaus über den Brexit-Deal, werde sich Widerstand bei Gegnern und im eigenen Lager formieren.

Hierzulande werde über die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitzende entschieden und damit auch die Weichen für die Zeit nach ihrer Kanzlerschaft gestellt.

In der kommenden Woche sei dann die EZB gefragt. Neben neuen Wachstums- und Inflationsprognosen liege hier der Schwerpunkt auf Informationen zur Reinvestitionsstrategie 2019. Und kurz vor Weihnachten werde zu guter Letzt die US-Notenbank noch erklären müssen, ob sie den ständigen Interventionen von Donald Trump nachgeben und das Zinserhöhungstempo drosseln werde. Die robuste Konjunkturentwicklung liefere dafür jedenfalls keinen Ansatz.

Vor diesem Hintergrund seien Sicherheitsanforderungen der Anleger hoch geblieben. Bundesanleihen hätten anfängliche Kursrücksetzer schnell wettgemacht und seien gegen Handelsschluss mit zunehmender Verunsicherung wieder ins Plus gedreht. Die Bundesbank bleibe mit Blick auf das nahende Jahresende ausgesprochen aktiv. Das hohe Volumen an der EUREX sei auch dem anstehenden Wechsel in den März-Kontrakt geschuldet. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 67 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,69%) und Belgien (0,76%) hätten auf Bunds einen BP eingebüßt.

Anleihen der EU-Peripherie seien nach der Zusage der italienischen Regierung, die von der EU geforderten Ausgabenkürzungen um 4,5 Mrd. Euro zu akzeptieren, mit Kursgewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,14%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 6 BP auf 284 BP ermäßigt. Spanische (1,49%) und portugiesische Bonds (1,80%) hätten in ihrem Windschatten 0,5 bzw. 2 BP aufgeholt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen trotz guter Konjunkturdaten und freundlicher Aktiennotierungen deutlich gefallen. Der ISM-Index - Index für das Verarbeitende Gewerbe sei im November überraschend von 57,7 auf 59,3 Punkte angestiegen. Allerdings sei die Subkomponente für "Bezahlte Preise" nachhaltig von 71,6 auf 60,7 Punkte gefallen und habe das Argument für ein gebremstes Zinserhöhungstempo seitens der Notenbank geliefert. Mit Unterschreiten des psychologisch wichtigen Renditeniveaus von 3% für 10-jährige Notes habe die Bewegung an Fahrt gewonnen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries verringere sich um 5 auf 40 BP.

Heute in Fernost würden US-Treasuries angesichts sehr schwacher Vorgaben der asiatischen Aktienbörsen angeführt von langen und ultralangen Laufzeiten weiter freundlich tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (161,66) habe 18 Stellen zugelegt, Bobl- (132,00) und Schatz-Kontrakt (112,025) seien 8 bzw. 2,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,30% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 90 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 10 BP niedriger bei 2,94% rentieren. Der Euro klettere auf 1,138 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle geringfügig auf 53,4 Dollar.

Heute stünden datenseitig keine wichtigen Informationen auf der Agenda. Die Chefs der großen deutschen Autobauer seien ins Weiße Haus geladen, um ihrerseits die Einführung von Strafzöllen zu verhindern. BMW und Daimler hätten bereits angekündigt, Teile der Produktion in die USA zu verlegen.

Am Primärmarkt stocke Großbritannien im April 2024 fällige Gilts um 2,5 Mrd. GBP auf. Zur Wochenmitte sei dann Spanien (bis zu 3,5 Mrd. Euro 10/2021, 07/2023 & 07/2028) am Zug, Frankreich (4 Mrd. Euro 05/2025, 04/2026 & 11/2026) beschließe die Emissionsaktivitäten dieses Jahres am Donnerstag. EUROFIMA habe eine Nachhaltigkeitsanleihe mit Fälligkeit 09. 02.2024 im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap +4 BP begeben. (04.12.2018/alc/a/a)