Renten: Sanftere Töne aus Rom lassen Spreads schrumpfen


30.11.18 09:15
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Ist es nun wirklich ein Entgegenkommen gegenüber der EU, wenn die italienische Regierung ihr Defizitziel von 2,4% auf 2,0% senken würde? So wird es zumindest von Insidern kolportiert, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Betrachte man die bisherige harsche Rhetorik aus Rom, so könne man ein Angebot, die Neuverschuldung um 0,4%-Punkte zu senken, sogar durchaus als Versuch werten, eine Kompromisslinie mit Brüssel finden zu wollen. Aber das sei Ansichtssache und nach Erachten der Analysten kein hoffnungsvolles Signal. Dennoch habe dieses Ansinnen aus Rom zumindest bei den Spreads für italienische Staatsanleihen Wirkung gezeigt.

Denn die etwas sanfteren Töne aus Rom hätten dazu geführt, dass die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen geschrumpft seien. So liege der Spread, den Rom für seine zehnjährigen Papiere aufbringen müsse, mittlerweile bei ca. 292 Basispunkten. Damit sei die Renditedifferenz gegenüber der Benchmark für zehnjährige Bundesanleihen wieder auf unter 3% gesunken. Italienische Staatspapier mit zehnjähriger Laufzeit würden aktuell bei ca. 3,25% rentieren, nachdem sie am 20.11. noch 3,692% abgeworfen hätten.

Entscheidend für den Haushalt 2019 sei es, dass die Ziele der Regierung eingehalten werden könnten, habe Vize-Regierungschef Luigi Di Maio gesagt und ziele dabei auf Maßnahmen wie ein Grundeinkommen für die Bevölkerung ab. Nach Angaben des anderen Vize-Regierungschefs, Matteo Salvini, habe es aus Brüssel eine "positive Rückmeldung" zu dem Angebot einer geringeren Neuverschuldung gegeben. Eine offizielle Bestätigung seitens der EU-Kommission stehe aber noch aus. Immerhin habe Brüssel ursprünglich eine Neuverschuldung von nur 0,8% gefordert. Und da die EU in der vergangenen Woche auch den nachgebesserten Budgetentwurf aus Rom wegen Verstößen gegen EU-Regeln abgelehnt habe, stehe für Italien immer noch eine Strafe von bis zu 3,4 Mrd. EUR im Raum. Nach Informationen aus EU-Kreisen könnte das Strafverfahren noch vor Weihnachten eingeleitet werden.

Parallel zum Haushaltsstreit laufe die Debatte um die italienischen Banken, die milliardenschwere faule Kredite mit sich herumschleppen würden. Nun sei die Idee aufgepoppt, den angeschlagenen Instituten mit einem Instrument unter die Arme zu greifen, das die Bezeichnung TLTRO trage, was für "Targeted Longer-Term Refinancing Operations" stehe - zu Deutsch: zielgerichtete langfristige Refinanzierungsgeschäfte. Nicht zuletzt EZB-Präsident Mario Draghi habe diese Idee ins Gespräch gebracht.

Derartige Kreditprogramme, wie sie die EZB bereits 2014 und 2016 aufgelegt habe, seien extrem günstig und die EZB zahle den Instituten eine Prämie als Anreiz dafür, wenn sich ihre Kreditvergabe besser entwickele. Da die Banken gleichzeitig das billige Geld aus den TLTROs gerne aufnehmen und damit Staatspapiere erwerben würden, sorge dies wiederum für sinkende Renditen bei Staatsanleihen. Da eine der oben genannten Tranchen 2019 auslaufe, müsse sich die EZB nun überlegen, ob sie nicht ohnehin eine neue TLTRO auflege. Auch wenn man damit nicht nur einem einzelnen Land wie Italien helfen würde, bleibe die Frage, ob mit dem TLTROs nicht ohnehin eine zu starke Abhängigkeit zwischen Banken und Staaten gefördert werde.

Das, was D. T., der Unberechenbare, derzeit wieder an den Tag lege, könne getrost als Rundumschlag bezeichnet werden. Der US-Präsident keile gegen China, die EU, gegen General Motors und gegen die US-Notenbank.

Doch der Reihe nach. Im Vorfeld des G20-Gipfels in Buenos Aires drohe das Weiße Haus China, die bereits verhängten Sonderzölle auf Waren im Wert von 200 Mrd. US-Dollar von 10% auf 25% zu erhöhen. Im schlimmsten Fall könnte Donald Trump sogar sämtliche Einfuhren aus China über 500 Mrd. US-Dollar mit einem Strafzoll überziehen. Umso gespannter würden die Kapitalmärkte das Treffen von Trump mit Chinas Staatschef Xi Jingping am Samstag erwarten, denn jede Form eines Ergebnisses (Einigung oder Eskalation) sei möglich.

Indessen würden sich Gerüchte halten, wonach Trump Zölle auf Importautos bereits in der kommenden Woche beschließen könnte. Laut "Wirtschaftswoche" empfehle ein Untersuchungsbericht des US-Handelsministeriums 25% auf sämtliche eingeführten Autos aus allen Ländern außer Kanada und Mexiko zu erheben. Umso gespannter dürfe man auf das geplante Treffen von Trump mit Bundeskanzlerin Angela Merkel beim G20-Gipfel sein.

Ja, und dann keile Trump gegen General Motors (GM) im eigenen Land. Was sei geschehen? Ausgerechnet die Auto-Ikone der Amerikaner habe nun angekündigt, rund 15.000 Jobs im Inland abzubauen. Und daran trage Trumps Politik eine Mitschuld. Denn seine Strafzölle auf Stahl und Aluminium würden auch die heimische Industrie schädigen, so wie sie GM nach eigenen Angaben rund eine Mrd. Dollar an Gewinn gekostet hätten. Dass dies der zum Jähzorn neigende Trump nicht differenziert sehen wolle, verwundere nicht. "Es war ein großer Fehler", habe er zu der GM-Entscheidung getwittert und den Konzern dazu aufgerufen, die Produktion in China zu stoppen und stattdessen im US-Bundesstaat Ohio "verdammt noch mal schnell eine neue Fabrik (zu) eröffnen". Diese, seine eigene Denkweise erhöhe allerdings die Gefahr, dass er in einer Kurzschlusshandlung, um seinen Wählern zu imponieren, an den europäischen Automobilherstellern mit Strafzöllen ein Exempel statuieren werde.

Bliebe noch ein für Trump "viel größeres Problem als China", was er ausgerechnet über die US-Notenbank FED sage, die eigentlich unabhängig von der Politik agieren solle. Trump werfe FED-Präsident Jerome Powell, den er selbst berufen habe, seit längerer Zeit vor, mit seinen Zinserhöhungen der US-Wirtschaft zu schaden. Dagegen versuche die Notenbank einer Überhitzung der Wirtschaft nach den radikalen Steuersenkungen der Regierung entgegenzuwirken. Hinzu komme, dass höhere Zinsen natürlich auch die Refinanzierung der US-Schulden verteuern würden. Dennoch sei nicht nur der Umstand, dass der Präsident die Unabhängigkeit der Notenbank überhaupt in Frage stelle, befremdlich. Auch im Ton vergreife sich D. T. permanent, indem er das Vorgehen der Währungshüter etwa als seine "größte Bedrohung", "verrückt" und "lächerlich" bezeichne.

Ungeachtet dessen werde auch nach der gestrigen Rede von Jerome Powell immer noch erwartet, dass es weitere Zinsschritte geben werde. Seine Aussage, dass die Leitzinsen "knapp unter" der Spanne einer neutralen Geldpolitik seien, könnte allerdings ein erster Hinweis auf eine bevorstehende Zinspause sein. Dies werde aber insbesondere von der Konjunktur- und der Inflationsentwicklung abhängen. Jedoch sei davon auszugehen, dass Jerome Powell auch weiterhin unabhängige, rein an der Sache orientierte Entscheidungen treffen werde.

Theresa May sei derzeit auf einer Werbetour durch Großbritannien, bei der sie für den zwischen London und Brüssel ausgehandelten Brexit-Kompromiss kräftig die Trommel rühre. Damit versuche die britische Premierministerin sich nun an die Bevölkerung zu wenden, nachdem sie zuvor teilweise turbulente Parlamentsdebatten überstanden habe. Ihr Ansinnen erinnere freilich an eine Sisyphusarbeit, die trotz größter Anstrengungen nicht bewältigt werden könne.

Denn May müsse über 80 euroskeptische Tory-Rebellen umstimmen, die am 11. Dezember gegen den Austrittsvertrag votieren wollten. Hinzu würden bis zu zehn konservative Abgeordnete, die in der EU bleiben wollten, sowie die zehn nordirischen Unionisten kommen. Höchstens 15 Labour-Rebellen könnten die Rechnung zugunsten Mays verschieben.

Wenn man nun höre, dass Konservative Druck auf May ausüben würden, einen Zeitplan für ihren eigenen Rücktritt festzulegen, weil dies helfen könne, den Widerstand gegen den Brexit-Deal abzubauen, traue man seinen Ohren nicht. Eine Zusage der Premierministerin, kurz nach dem Austritt aus der EU am 29. März 2019 ihren Hut zu nehmen, könnte Abgeordnete ihrer konservativen Partei milde stimmen, so heiße es. Oder anders ausgedrückt: Wir riskieren lieber einen chaotischen Austritt ohne Deal als für den von May ausgehandelten Vertrag zu stimmen - es sei denn, May tritt zurück, so die Analysten der Baader Bank. Es gehe also nicht um das Beste für das Land, sondern um Personen und um Eitelkeiten. Sicher stünde am Ende eines solchen Rücktrittsszenarios auch die baldige Festlegung auf die May-Nachfolge.

Denn an der Spitze der verbohrten Brexiteers stünden bekanntlich eitle Personen wie Jacob Rees-Mogg und Ex-Außenminister Boris Johnson, die sich am Ende womöglich noch Hoffnungen auf den Posten des Premiers machen würden. May aber, die oft unglücklich agiert habe, würde mit dem Erkaufen der Zustimmung für den Brexit-Deal durch den Verzicht auf den Posten der Premierministerin in die Geschichtsbücher eingehen. Und das wäre, nach all dem, was man bisher annehme, durchaus ein Akt im Dienste des Landes.

Seit dieser Woche befasse sich das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mit der europäischen Bankenunion. Konkret würden sich die vor vier Jahren eingereichten Verfassungsbeschwerden gegen den Bankenaufsichtsmechanismus SSM und den Abwicklungsmechanismus SRM richten, worin die Kläger einen Verstoß gegen das Grundgesetz erkennen würden. Aus ihrer Sicht gebe es für die Neuregelungen auch keine Rechtsgrundlage in den Europäischen Verträgen.

Die Bundesrepublik Deutschland habe Hoheitsrechte einfach aufgegeben, hafte aber jetzt für Bankenausfälle in Europa, ohne bei der Bankenaufsicht potenziell noch was zu sagen zu haben, würden die Gegner der Bankenunion um den Wirtschaftswissenschaftler Markus Kerber von der TU Berlin argumentieren. Dagegen würden sowohl die Bundesregierung als auch die Finanzaufsicht BaFin die europäische Bankenunion verteidigen. Eine nationale Bankenaufsicht stoße angesichts der internationalen Verflechtungen im Bankensektor an ihre Grenzen, heiße es im Bundesfinanzministerium. Bei der Bankenunion sei es darum gegangen, die Krisensicherheit in der Währungsunion zu verbessern.

Im Kern gehe es in dem Verfahren einerseits um die Aufsicht von systemrelevanten Banken im Euroraum, die seit 2013 bei der EZB angesiedelt sei, andererseits um den Abwicklungsmechanismus SRM, der von einer Pleite bedrohte Banken abwickeln solle. Beide Institutionen sollten künftig Finanz- und Währungskrisen - wie in der Vergangenheit - verhindern.

Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle habe bei der mündlichen Verhandlung schon mal deutlich gemacht, dass das Bundesverfassungsgericht über "Kompetenzfragen und nicht etwa Fragen zur Sinnhaftigkeit der Bankenunion zu befinden hat".

Am gestrigen Abend habe sich der Chef der Bank of England (BoE) zu verschiedenen Themen geäußert. Unter anderem auch zu den Folgen eines ungeordneten Brexits. Nach einer Analyse der BoE würde die britische Wirtschaft im ersten Jahr um 8% schrumpfen, die Immobilienpreise um ca. 30% einbrechen und die Arbeitslosigkeit auf 7,5% ansteigen. Zur besseren Verdeutlichung der Auswirkungen sei auch ein Vergleich zur Finanzkrise 2007 angestellt worden. Damals sei die Wirtschaft um 6,25% eingebrochen und die Immobilienpreise seien um 17% gefallen. Die in Aussicht gestellten Zahlen würden allerdings das Worst-Case-Szenario darstellen.

Den britischen Banken hingegen werde für den harten Brexit eine gute Konstitution bescheinigt. Somit sollte ausreichend Kapital vorhanden sein, um den wirtschaftlichen Schock verkraften zu können. Das sei das Ergebnis eines eigens von der BoE durchgespielten Stresstests für die sieben größten Banken des Landes. Dabei sei ein Einbruch der weltweiten Wirtschaftsleistung um 2,4%, ein Rückgang der britischen Wirtschaftsleistung um 4,7%, eine Arbeitslosigkeit von 9,5%, ein Verfall der britischen Immobilienpreise um ca. ein Drittel und einer Schwäche des britischen Pfunds von 27% unterstellt worden. Obwohl sich das Ergebnis deutlich von dem des Stresstests der Europäischen Bankenaufsicht EBA unterscheide, seien nach Meinung Carneys die Banken in Großbritannien selbst für einen ungeordneten Brexit gut gerüstet.

Eine zeitgleich veröffentlichte Analyse des britischen Finanzministeriums komme allerdings zu wesentlich geringeren Einbußen bei den genannten Kriterien und vergleiche die Auswirkungen infolge des von der Regierung ausgehandelten geordneten Brexits mit dem Verbleib in der EU. Die dabei genannte Zahl von 4% Einbuße in den kommenden 15 Jahren solle wohl die Zweifler beruhigen und von dem Deal mit der EU überzeugen.

Nachdem sich in der vergangenen Woche die Unternehmen mit Neuemissionen zurückgehalten hätten, hätten sich zum Monatsende nochmals sehr unterschiedliche Gesellschaften aus der Deckung gewagt und ihr Glück am Primärmarkt versucht.

So habe das US-amerikanische Unternehmen Stryker Corporation mit Firmensitz in Kalamazoo, Michigan, gleich vier Anleihen über insgesamt 2,25 Mrd. EUR am Markt erfolgreich platzieren können. Der kleinste Nominalbetrag (300 Mio. EUR) sei mittels eines 2-jährigen Floaters (ISIN XS1914503021 / WKN A2RU3T) (3 M-Euribor +28 BP) zum Preis von 100,073% begeben worden. Die zweite Tranche (ISIN XS1914485534 / WKN A2RU3U) über 550 Mio. EUR, mit Fälligkeit am 30.11.2023 sei mit einem Kupon von 1,125% ausgestattet und der Emissionspreis sei bei 99,884% fixiert worden, was einem Spread von +85 BP über Mid Swap gleichgekommen sei.

Die dritte Anleihe (ISIN XS1914502304 / WKN A2RU3V) über 750 Mio. EUR sei am 30.11.2027 endfällig, werde mit jährlich 2,125% verzinst und sei bei 99,781% (+135 BP über Mid Swap) emittiert worden. Die vierte Gattung (ISIN XS1914502643 / WKN A2RU3W) mit 650 Mio. EUR stehe erst am 30.11.2030 zur Rückzahlung an, habe eine jährliche Verzinsung von 2,625% und sei bei 98,988% abgerechnet worden (+237,8 BP über Bund). Alle vier Anleihen seien mit einer Mindeststückelung von nominal 100.000,-- EUR versehen worden und bei den drei zuletzt genannten habe sich der Emittent noch eine Make Whole Option in den Bedingungen festschreiben lassen.

Aber auch das österreichische Öl- und Gasunternehmen OMV habe insgesamt mittels zweier Anleihen 1 Mrd. EUR am Kapitalmarkt aufnehmen können. Die erste Anleihe (ISIN XS1917590876 / WKN A2RUZS) über 500 Mio. EUR sei am 04.12.2023 fällig, habe eine jährliche Verzinsung von 0,75% und sei bei 99,566% (+53 BP über Mid Swap) begeben worden. Die zweite Tranche (ISIN XS1917590959 / WKN A2RUZT) mit Fälligkeit am 04.12.2028 habe einen Kupon von 1,875% p.a. und sei bei 99,837% emittiert worden. Zur Freude der Privatanleger seien hierbei Mindestordergrößen von nominal 1.000,-- EUR vereinbart worden.

Zu guter Letzt habe aber auch die Deutsche Post AG sich gegenüber den Wünschen der Privatanleger offen gezeigt und eine 750 Mio. EUR schwere Anleihe (ISIN XS1917358621 / WKN A2TSTA) mit 1.000er Stückelung aufgelegt. Die Investoren würden bis zum 05.12.2028 jährlich 1,625% an Zinsen erhalten und die Zuteilung sei beim Emissionspreis von 99,08% erfolgt, was einem Spread von +82 BP über Mid Swap entsprochen habe. Diese Gattung sei ab dem 05.09.2028 jederzeit zu pari kündbar.

Zur Jahresmitte seien sich die Analysten noch einig gewesen, dass mit den Zinsanhebungen in den USA auch in der Eurozone der Weg für steigende Zinsen vorbereitet werde. Doch davon sind wir noch immer weit entfernt und von den damals in diesem Zusammenhang immer wieder genannten 0,75% musste man sich schon vor Wochen verabschieden, so die Analysten der Baader Bank. Ob und wann solche Renditen im 10-Jahres-Bereich bei deutschen Staatsanleihen wieder zu erzielen sein würden, hänge von sehr unterschiedlichen Faktoren ab. Nicht zuletzt von den Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank am 13. Dezember und der US-amerikanischen Notenbank am 19. Dezember des Jahres. Somit sei zu erwarten, dass zumindest am Kapitalmarkt die "stade" Zeit auf ein Minimum reduziert werde. Gelte es doch, sich richtig zu positionieren, um im neuen Jahr einen guten Start zu erwischen.

In der Zwischenzeit stehe allerdings auch noch ein Rollover beim Euro-Bund-Future an, der in der kommenden Woche die Rentenhändler beschäftigen werde. Aktuell notiere der März-Kontrakt etwa 0,85 PP höher als der immer noch aussagekräftige Dezember-Kontrakt. Diese mathematisch begründete Anpassung des Kurses sei allerdings noch nicht das beherrschende Thema, sondern vielmehr, dass sich das Sorgenbarometer infolge des ständigen Wechsels zwischen "Risk On" und "Risk off" und der noch immer vorherrschenden Unsicherheit bezüglich zukünftiger Konjunkturdaten in der Region von 161% festgebissen habe. Charttechnisch würden die relevanten Unterstützungs- bzw. Widerstandslinien bei ca. 160,35%, was einer Rendite von ca. 0,40% entspreche, bzw. bei ca. 162% verlaufen, was ca. 0,25% bedeuten würde. Diese beiden Marken würden vorerst auch die Tradingrange bestimmen und erst bei Durchbrechen dieser Linien würden Marktteilnehmer neue Positionen eingehen.

Aktuell notiere das Sorgenbarometer bei ca. 161,18%, was einer Rendite bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen von 0,331% entspreche.

In dieser Handelswoche hätten in den USA interessierte Investoren am Geld- und Kapitalmarkt wieder die Qual der Wahl gehabt. Neben insgesamt 155 Mrd. USD als T-Bills mit Laufzeiten von 4 und 8 Wochen sowie 3 und 6 Monaten seien auch T-Notes mit Fälligkeit in zwei, fünf und sieben Jahren neu begeben worden. In der Summe seien somit 284 Mrd. USD seitens des US-Schatzamtes nachgefragt worden, um die Regierungsaktivitäten refinanzieren zu können. Auch hierzu passe das Motto von Donald Trump: "Make America great again."

In der Eurozone seien in diesem Zeitraum lediglich Deutschland, Frankreich, Italien und die Slowakei am Geldmarkt aktiv gewesen und hätten Rückzahlungen i.H.v. ca. 17 Mrd. EUR durch Neuemissionen im Wert von ca. 7 Mrd. EUR ersetzt. Jedoch hätten Deutschland und Italien darüber hinaus noch länger laufende Anleihen aufgestockt. Hierbei habe die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland das Emissionsvolumen der Benchmark-Anleihe (ISIN DE0001102457 / WKN 110245, 2028) um 2 Mrd. EUR auf nunmehr 21 Mrd. EUR erhöht. Die mit einem Kupon i.H.v. 0,25% ausgestattete Anleihe sei am 15.08.2028 endfällig und habe sich einer regen Nachfrage erfreut. So hätten dem Ende der Auktion Kaufaufträge für nominal 2,763 Mrd. EUR vorgelegen, von denen 1,683 Mrd. EUR mit einer Durchschnittsrendite von 0,34% zugeteilt worden seien. Der daraus resultierende Differenzbetrag von 317 Mio. EUR sei in den Regulierungsbestand umgebucht worden und werde zur Marktpflege verwendet.

Vor etwas mehr als einem Jahr sei der Bitcoin auf dem besten Weg gewesen, die Marke von 20.000 USD zu knacken. Doch zu Wochenbeginn habe die zur einzigen und wahren hochstilisierte Krypto-Währung nur noch knapp über 3.500 USD und jetzt wieder über 4.000 USD notiert. Somit könne man getrost behaupten, dass nicht alles Neue auch gut sei und automatisch eine Erfolgsgeschichte werde.

Solche Kursschwankungen seien an den geregelten Devisenmärkten kaum zu beobachten, auch wenn es dort ebenfalls mal zu größeren Verwerfungen kommen könne. Ein gutes Beispiel dafür sei in diesem Jahr die Währung der Türkei. So habe der Euro zu Jahresbeginn um die Marke von 4,50 TRY (Türkische Lira) notiert, um dann Mitte August zeitweise bei einem Devisenkurs von 8,11 TRY zu handeln. Inzwischen habe sich die Türkische Lira wieder deutlich stabilisieren können und notiere derzeit leicht unterhalb der Marke von 6,00 TRY.

Die europäische Gemeinschaftswährung habe in den vergangenen Handelsmonaten ebenfalls eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Ende September habe der Euro noch bei 1,1815 USD notiert. Anfang November habe das noch ganz anders ausgesehen, denn die Einheitswährung sei zwischenzeitlich bis auf 1,1216 USD zurückgefallen und damit auf ein 18-Monats-Tief. Nach wie vor tue sich die gemeinsame Währung Europas sehr schwer, beim aktuellen politischen Treiben zu überzeugen, da die Sorgenthemen nicht unbedingt weniger würden. Zur Stunde notiere der Euro um die Marke von ca. 1,1380 USD.

Innerhalb der vergangenen Handelswoche hätten aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten insbesondere Währungsanleihen auf US-Dollar sowie Türkische Lira im Fokus der Privatanleger gestanden. Darüber hinaus seien Bonds lautend auf Russische Rubel, Südafrikanische Rand und Norwegische Kronen mehrheitlich nachgefragt worden.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 29.11.2018) (30.11.2018/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 163,98 156,31
Werte im Artikel
103,11 plus
+0,40%
103,01 plus
+0,36%
102,22 plus
+0,34%
100,30 plus
+0,33%
100,29 plus
+0,19%
101,21 plus
+0,06%
100,53 plus
+0,04%
-    plus
0,00%
99,96 minus
-0,02%