Renten: Das Gespenst der Schuldenkrise ist wieder sichtbar


12.10.18 09:15
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Schon im Vorfeld des Jahrestreffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit der Weltbank auf Bali hat IWF-Chefin Christine Lagarde die eigene Prognose kassiert, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Anstatt eines globalen Wachstums von 3,9% für 2018 und 2019 rechne der IWF nun nur noch mit 3,7%. Eine wesentliche Ursache dafür sei in der Wirtschafts- und Steuerpolitik von D. T., dem Unberechenbaren, begründet. Da seien zum einen seine protektionistische Handelspolitik und zum anderen die prozyklische Steuerpolitik, die den Boom in den USA künstlich befeuern würden. Das möge noch eine Weile gut gehen, zumindest für die USA. Aber spätestens 2020, wenn Trump zur Wiederwahl stehe und seine Steuergeschenke auslaufen würden, drohe diese Methode zum Risiko zu werden. Erst recht, weil das staatliche Anschieben der Konjunktur auf Schulden gebaut sei.

Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang, dass der IWF den Aspekt Schulden überhaupt wieder ins Bewusstsein bringe. Nachdem das Thema lange Zeit an den Märkten ignoriert worden sei, warne der Fonds vor den Gefahren der inzwischen erreichten Rekordverschuldung. Mit 182 Billionen US-Dollar stünden öffentliche und private Haushalte weltweit in der Kreide, was 60% mehr seien als noch vor der Finanzkrise im Jahr 2007. Diese Häufung aber mache Regierungen und Unternehmen anfälliger für eine Straffung der geldpolitischen Bedingungen, wie Lagarde betont habe und habe damit den Finger in die Wunde gelegt.

Am heftigsten dürften davon allerdings nicht die reichen Länder tangiert werden. Falls sich die US-Notenbank Federal Reserve angesichts der Überhitzungstendenzen in der US-Wirtschaft genötigt fühlen sollte, die Zinsschraube noch deutlicher anzuziehen, so würde dies Entwicklungs- und Schwellenländer am härtesten treffen. Da dies den Außenwert des US-Dollars weiter erhöhen würde und diese Länder häufig in US-Dollar verschuldet seien, bedeute das oftmals einen drastischen Anstieg der Refinanzierungskosten. Und zu allem Übel setze ein solches Szenario die Währungen der Schwellenländer weiter unter Druck, was dann zum Teufelskreis werden könne.

Nicht von Ungefähr habe der Weltwährungsfonds Argentinien bereits mit 50 Mrd. US-Dollar unter die Arme greifen müssen und die Türkei sowie Pakistan seien die meistgehandelten Anwärter auf eine Unterstützung seitens der Weltgemeinschaft. Nun davon zu reden, das Gespenst der Schuldenkrise sei zurück, ginge an der Wahrheit vorbei. Das Gespenst sei nie weg gewesen. Es sei für manche nur unsichtbar gewesen.

Kein Zweifel, die schädlichen Nebenwirkungen der Niedrigzinspolitik der Notenbanken, insbesondere der EZB, würden immer deutlicher. Während Spanien, Griechenland und Zypern, die auf Mittel aus dem Rettungsfonds ESM angewiesen gewesen seien, zumindest teilweise den Staatsapparat und die Bankensysteme reformiert hätten, sehe es insbesondere in Italien düster aus. Dennoch scheue sich Roms populistische Regierung nicht, für 2019 mit einem Haushaltsdefizit von 2,4% seines BIPs zu planen, das dreimal so hoch sei, wie es die Vorgängerregierung vorgesehen habe. Und dabei sei Italien bereits mit 132% des BIPs verschuldet.

Mit seinem Schuldenhaushalt hoffe man in Rom zwar, die Wirtschaft ankurbeln zu können, vergesse aber offenbar die Kapitalmärkte. Dort würden nämlich italienische Staatsanleihen als Reaktion auf das hohe Budgetdefizit abgestoßen. So sei es vorgestern im Zuge von Verkäufen erneut zu kräftigen Kursverlusten und parallel zu einem starken Anstieg der Risikoaufschläge für die italienischen Papiere gekommen. Aktuell würden 10-jährige Staatsanleihen (italienisch: titoli di stato) mit ca. 3,52% rentieren, nachdem sie am Dienstag mit 3,71% so hoch gewesen seien, wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Klar sei damit auch, dass es für Rom noch teuer werden könne, an den internationalen Finanzmärkten Geld aufzunehmen.

Aber was die Folgen angehe, sei man in der Regierung ganz ungeniert und schrecke nach Aussage des rechten Lega-Politiker Alberto Bagnai auch nicht vor einer Herunterstufung der Bonitätsnote durch die großen Ratingagenturen zurück. Denn sollten S&P und Moody's Ende Oktober ihre Ratings für Italien überprüfen, so werde es wohl zu einem Downgrade kommen. Und auch der rechtspopulistische Innenminister Matteo Salvini habe betont, dass sich die Regierung nicht vom Druck der Finanzmärkte von ihren Plänen abbringen lasse.

Die Kritik von EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici, wonach die angestrebte Neuverschuldung von 2,4% eine deutliche Abweichung von der gemeinsamen Wirtschaftspolitik darstelle, habe er damit gekontert, mit dem neuen Haushalt werde man die Italiener für das ihnen widerfahrene Unrecht entschädigen. Was immer solch eine groteske Aussage bedeuten solle, spreche die Antwort der Finanzmärkte eine eindeutige Sprache gegen die Neuverschuldung. Diese nicht zu beachten, bedürfe es realitätsferner Ignoranten, wie sie derzeit im Rom regieren würden. Doch dieses Szenario berge noch eine weitere Gefahr in sich. Denn italienische Banken hätten ca. 375 Mrd. EUR in heimische Staatsanleihen investiert, was jetzt Wertberichtigungen nach sich ziehen könne.

In diesem Kontext dürfe nicht vergessen werden, dass Italien mit seinen Banken ein Bündel an faulen Krediten mit sich herumschleppe. Auch Griechenlands Banken hätten Darlehen über knapp 89 Mrd. EUR in den Büchern, die als gefährdet gelten würden. Beide Aspekte könnten eine neue Bankenkrise in Euroland heraufbeschwören. Im Falle Griechenlands gehe es nun um die Frage, ob es die dortigen Institute schaffen würden, die Problemkredite bis 2019 auf rund 65 Mrd. EUR zu drücken. So sei es jedenfalls mit der Europäischen Zentralbank (EZB) vereinbart.

Nicht vergleichbar etwa mit Italien sei die Haushaltssituation in Deutschland. Seit Jahren schreibe das Finanzministerium die berühmte "Schwarze Null". Gleichzeitig fordere Deutschland schon lange von der EZB eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik. Nun aber fürchte Finanzminister Olaf Scholz plötzlich eine anstehende Zinswende. Dann, so seine Ahnung, könnte die Schwarze Haushaltsnull in Gefahr geraten. Müsste doch die Regierung bei steigenden Zinsen für neue Schulden sowie die Umschuldung der bestehenden Verbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Billionen EUR plötzlich wieder Zinsausgaben einplanen. Ein Gutachten solle nun Einsichten darüber bringen, wie widerstandsfähig die "Schwarze Null" auch bei steigenden Zinsen sein möge. Für ein solches Kalkül sei es höchste Zeit. Erst recht, wenn man lese, dass die Fertigstellung des Gutachtens acht Monate auf sich warten lassen werde.

Hoffnungen auf einen Kompromiss im Dauerstreit um den Status Nordirlands im Falle des Brexits hätten britische Politiker rasch im Keim erstickt. So habe die nordirische Protestantenpartei DUP, an dessen Gängelband die Regierung von Theresa May hänge, diese Woche schnell klargemacht, dass sie keinen wirtschaftlichen Sonderstatus Nordirlands akzeptieren werde. Ebenso habe Brexit-Minister Dominic Raab einer unbefristeten Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Zollunion als Notfallplan für die Irland-Frage eine Absage erteilt. Zuvor seien in den Medien noch Ansätze für eine schnelle Einigung zwischen London und Brüssel im Vorfeld des kommenden EU-Gipfels kolportiert worden.

Der stehe nächste Woche in Brüssel an, wo wesentliche Teile des Brexit-Abkommens vereinbart werden müssten, damit Großbritannien geordnet die EU verlassen könne. Selbst der britische Industrieverband dränge angesichts des engen Zeitfensters auf eine pragmatische Lösung. Sollte man kommende Woche nicht zu einer Einigung kommen, müssten die Unternehmen ihre Notfallpläne aktivieren. Dies würde 1,2 Millionen Jobs in der EU gefährden. Daher beschwöre Carolyn Fairbairn, Chefin des britischen Industrieverbands CBI, die Verhandlungspartner regelrecht, sich auf die möglichen Kompromisse zu konzentrieren. Der Verbleib in der Zollunion sollte nach ihrer Überzeugung fortgesetzt werden, bis es verlässliche Lösungen für alle notwendigen Grenzkontrollen gebe, um eine sichtbare Grenze in Nordirland zu vermeiden.

Davon wolle der harte Kern der Brexiteers allerdings nichts wissen. Allein 40 Abgeordnete der konservativen Regierungspartei sollten bereit sein, im Parlament gegen das Austrittsabkommen von Premierministerin Theresa May zu stimmen, sofern der Deal nicht ihren Vorstellungen entspreche. Hinzu komme die oppositionelle Labour-Partei, die bereits signalisiert habe, gegen Mays Vorhaben zu stimmen, das eine Freihandelszone für Waren, nicht aber für Dienstleistungen und den freien Personenverkehr vorsehe. Dies lehne aber auch die EU-Kommission ab.

Für den Fall eines ungeordneten Brexits (No-Deal) habe nun die britische Notenbank die EU aufgefordert, grenzüberschreitende Finanzgeschäfte besser abzusichern. Bis zum Austrittsdatum März 2019 sei es Firmen allein laut der Bank of England (BoE) nicht möglich, das Risiko einer Unterbrechung grenzüberschreitender Finanzgeschäfte abzumildern. Dies gelte etwa für Finanzderivate von umgerechnet 45,5 Bill. EUR sowie für die Inhaber von Versicherungspolicen.

Indessen plane die Bundesregierung ein Brexit-Begleitgesetz, mit dem die steuerlichen Folgen des britischen EU-Austritts geregelt werden sollten. Ein entsprechender Entwurf sehe laut Reuters eine Reihe von Änderungen im Steuer-, Bausparkassen- und Pfandbrief-Recht vor. Damit solle den betroffenen Steuerpflichtigen für die notwendige Übergangszeit Bestandsschutz gewährt sowie Rechtssicherheit geschaffen werden.

Als allerletzter Termin für eine Einigung gelte der EU-Sondergipfel Mitte November, damit das britische Parlament das Abkommen noch rechtzeitig zum Brexit-Datum absegnen könne. Es werde also Zeit, dass sich was drehe, wie schon 2006 Herbert Grönemeyer habe verlauten lassen.

Lebensversicherer müssten künftig nicht mehr wie bisher für Leistungsversprechungen aus der Hochzinsphase in den 1980er und in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre vorsorgen. Dies werde durch eine Entschärfung bei der Bildung von Zinszusatzreserven durch das Bundesfinanzministerium erreicht.

Von 2011 bis Ende 2017 hätten die Lebensversicherer 60 Mrd. EUR als Risikopuffer für die Absicherung von Garantiezinsen aufgebaut. Diese Dotierung der Zinszusatzreserve gehe zu Lasten der Erträge und damit auch zu Lasten der Beteiligung der Versicherten an den Überschüssen in der Lebensversicherung. Wenn die Zuführung zur Zusatzreserve aber sinke, könne mehr Geld in die Überschussbeteiligung fließen. Dies sei insbesondere wichtig für jüngere Verträge mit niedrigen Zinsgarantien.

Das Bundesfinanzministerium begründe einen entsprechenden Gesetzentwurf mit dem Argument, dass die Zinsgarantien mit 60 Mrd. EUR schon zu einem erheblichen Teil abgesichert seien. Der weitere Aufbau der Zinszusatzreserve könne nun in kleineren Schritten erfolgen. Laut der Aufsichtsbehörde Bafin müssten die Lebensversicherer nach der alten Methode 2018 schätzungsweise weitere 20 Mrd. EUR zur Finanzierung der Zinszusatzreserve aufwenden. Nach der neuen Methode wären es nur etwa 5 Mrd. EUR.

Der Rechtsgutachter des Europäischen Gerichtshofs, Melchior Wathelet, habe der Europäischen Zentralbank (EZB) in seiner Stellungnahme die Absolution erteilt. Dieses Gutachten sei die Folge einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zur Rechtmäßigkeit der EZB-Staatsanleihekäufe und der daraus im Sommer 2017 resultierenden Weitergabe an den EuGH, mit der Bitte um Prüfung gewesen. Darin komme der Generalanwalt zu dem Ergebnis, dass mit dem Kaufprogramm keineswegs das Mandat überschritten werde.

Auch halte er die Kritik der Kläger für abwegig, wonach dadurch der Anreiz der Euroländer zu einer "gesunden Haushaltspolitik" in den Hintergrund trete. Somit müssten jetzt wiederum die Karlsruher Richter ein Urteil fällen. Jedoch sei damit zu rechnen, dass bis zum Tag X noch einige Monate vergehen würden. Die von Melchior Wathelet ausgesprochene Empfehlung sei zwar nicht bindend, stelle aber zumindest eine Tendenz dar.

Problematisch dürfte hierbei aber sein, dass nach Meinung der Kläger die fünfte Vorlagefrage, die da laute: "Kann der EZB-Rat die Verluste aus einer Staatsinsolvenz zu Lasten des Bundeshaushalts umverteilen?" nicht beantwortet worden sei. Vielmehr sei sie für unzulässig erklärt worden. Jedoch sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass die Karlsruher Richter diesen Aspekt als so schwerwiegend einschätzen und im Sinne der Kläger urteilen würden. Denn bereits im Jahre 2016 habe das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe mit seinem Urteil zur Verfassungsbeschwerde gegen Outright Monetary Transactions (OMT) die Frage nach der Behandlung von Verlusten für nationale Notenbanken im Falle eines Ausfalls von Eurostaaten ausgeklammert.

Deshalb werde sich auch in diesem Fall zeigen, dass das Urteil einem wohlwollenden Persilschein für Mario Draghi gleichkomme. Deshalb könne man nur hoffen, dass bis zum Zeitpunkt möglicher Staateninsolvenzen die Bestände in diesen Staatsanleihen vernachlässigbar klein sein würden. Es werde also weiterhin auf Zeit gespielt.

In dieser Berichtswoche sei es am Primärmarkt für Unternehmensanleihen verhältnismäßig ruhig zugegangen. Lediglich zwei namenhafte Unternehmen hätten sich an den Markt gewagt und sich somit frisches Geld besorgt. Dabei habe VW gleich drei neue Anleihen emittiert und trotze damit der aktuell immer noch anhaltenden Dieselaffäre. Darüber hinaus habe sich Nederlandse Gasunie, ein niederländischer Versorger, langfristig über zehn Jahre refinanziert.

Europas größter Automobilhersteller VW tauche aktuell immer wieder in den Nachrichten auf und dabei habe die Dieselaffäre bereits vor gut drei Jahren begonnen. Erst letzte Woche sei es in Berlin bei der Debatte wieder um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge gegangen und wie man mit Nachbesserungen oder aber auch Prämien für "Alt-Fahrzeuge" die Kunden vor Fahrverboten schützen könne. Ob die Einigung, die letztendlich getroffen worden sei, für alle zufriedenstellend sei, dürfe allerdings weiterhin in Frage gestellt werden. Nichts desto trotz habe sich Volkswagen mittels drei neuer Bonds am Kapitalmarkt refinanziert.

Die erste Tranche (ISIN XS1893632221 / WKN A2LQ6A) sei bereits am 16.10.2020 fällig und zahle den Investoren bis zur Endfälligkeit jährlich 0,25% Zinsen. Das 1 Mrd. EUR schwere Papier sei zu 99,881% begeben worden, was einen Emissionsspread von +40 BP über Mid Swap bedeutet habe. Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1893631330 / WKN A2LQ6B) habe der Konzern aus Wolfsburg erfolgreich 850 Mio. EUR einsammeln können und entlohne die Gläubiger bis zur Fälligkeit am 16.10.2023 mit einem jährlichen Zins von 1,375%. Ausgegeben worden sei der Bond zu 99,914% (+95 BP über Mid Swap).

Auch die letzte Tranche (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) mit einem Emissionsvolumen von 750 Mio. EUR habe der Autobauer erfolgreich platzieren können. So würden die Anleger für ihr Investment einen Kupon in Höhe von 2,25% p.a. bis zur Endfälligkeit am 16.10.2026 erhalten. Der Spread von +140 BP über Mid Swap habe dabei einem Reoffer von 99,993% entsprochen. Alle drei Bonds seien mit der für Privatanleger besonders interessanten Mindeststückelung von 1.000 EUR ausgestattet.

Der niederländische Versorger, Nederlandse Gasunie, sei ebenfalls am Primärmarkt für Corporate Bonds aktiv gewesen und habe so erfolgreich 300 Mio. EUR eingesammelt. Das Unternehmen mit Sitz in Groningen, welches sich im Staatsbesitz befinde, betreibe ein Fernleitungsnetz für Erdgas von ca. 15.000 km Länge und habe sich bis zum 16.10.2028 bei einem Zins von 1,375% p.a. refinanziert. Der Bond (ISIN XS1892117919 / WKN A2RSXY) sei zu 99,214% begeben worden. Dies habe einen Emissionsspread von +40 BP über Mid Swap bedeutet. Nederlandse Gasunie habe sich eine Make Whole Option sowie die Möglichkeit einer jederzeitigen Kündigung zu pari ab dem 16.07.2028 in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen. Der Bond sei aufgrund seiner Mindeststückelung von 100.000 EUR insbesondere für institutionelle Investoren interessant.

In Anlehnung an ein in diesem Jahr erstmals auf der Wiesn vertretenes Fahrgeschäft "Chaos-Pendel", bei dem der Adrenalinspiegel binnen Sekunden in die Höhe schieße, könnte dies auch eine neue Bezeichnung für den Euro-Bund-Future werden. Denn angesichts politischer Entscheidungen sowie diverser Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks würden die Volatilitäten immer heftiger und unkalkulierbarer. Doch der Unterschied zwischen dem "Chaos-Pendel" auf dem Oktoberfest und dem Sorgenbarometer sei der, dass man nach drei Minuten wildester Fahrt wieder festen Boden unter den Füßen habe.

Diesen hätten die Chart-Analysten beim Dezember-Kontrakt bei ca. 157,45% gesehen. Sollte die psychologisch wichtige Marke von 157% nachhaltig durchbrochen werden, so wäre ein Test der 156,75% zu erwarten gewesen. Dies hätte einer Rendite von ca. 0,65% entsprochen, was allerdings immer noch unterhalb der von vielen Analysten zum Jahresultimo prognostizierten 0,75% gelegen hätte. Jedoch sollte man sich in solchen Zeiten nicht nur mit einer Markttendenz auseinandersetzen, sondern auch stets die Möglichkeit einer technischen Reaktion oder einer unvorhersehbaren Marktbewegung im Blick haben.

So sei es am Mittwoch und auch am Donnerstag in der Früh weltweit zu Kurskorrekturen an den Aktienmärkten gekommen und das sei nicht ohne Auswirkungen auf die Bondmärkte geblieben. Im Zuge der "Safe haven"-Aktivitäten seien die bisherigen Widerstände bei 157,95% und 158,13% problemlos überwunden worden und als nächste Hürde sei der Bereich bei ca. 159% anzusehen. Es gelte also abzuwarten, ob sich die Aktienkurse auf diesem Niveau stabilisieren würden oder es zu weiteren Marktverwerfungen kommen werde.

Aktuell notiere das Rentenbarometer bei ca. 158,50%, was einer Rendite bei der 10-jährigen Bundesanleihe von ca. 0,51% entspreche.

Trotz einer in den USA verkürzten Handelswoche hätten die Investoren unter einer Vielzahl von Anlagemöglichkeiten auswählen können. So seien zum einen 156 Mrd. USD als Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 4 und 52 Wochen sowie 3 und 6 Monaten aufgelegt worden. Aber auch insgesamt 74 Mrd. USD seien als Bonds mit Endfälligkeit in 2021, 2028 und 2048 zum Kauf angeboten worden.

In der Eurozone hingegen habe am Dienstag die Niederlande mit einer Gattung (ISIN NL0010721999 / WKN A1ZDY6, 2047) gefolgt von der Bundesrepublik Deutschland den Reigen eröffnet. Die Finanzagentur des Bundes habe hierbei eine inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030567 / WKN 103056, 2026) um 500 Mio. EUR auf insgesamt 14,5 Mrd. EUR aufgestockt. Die Zuteilung sei bei einer realen Durchschnittsrendite von -1,12% erfolgt. Zur Wochenmitte habe aber auch der Bund das Emissionsvolumen der deutschen 10-jährigen Benchmark-Anleihe (ISIN DE0001102457 / WKN 110245) um 3 Mrd. EUR auf 16 Mrd. EUR erhöht. Jedoch seien in diesem Falle lediglich Kaufaufträge für nominal 2,7198 Mrd. EUR abgegeben worden, sodass 591 Mio. EUR in die Marktpflege umgebucht und 2,409 Mrd. EUR zugeteilt worden seien. Die gewogene Durchschnittsrendite habe hierbei 0,55% betragen.

Ebenfalls an diesem Tag habe Portugal eine Anleihe (ISIN PTOTEVOE0018 / WKN A19UWV, 2028) aufgestockt. Den Schlusspunkt werde wie so oft Italien mit diversen BTP-Aufstockungen in den Laufzeiten von 3, 7, 15 und 19 Jahren setzen. Gespannt dürfe man auf die Bereitschaft der Investoren sein, Italien zum jetzigen Zeitpunkt finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Einen Vorgeschmack habe die vorgestrige Refinanzierung einjähriger Papiere geliefert, die mit einer Rendite von 0,949% hätten platziert werden können. Gegenüber der vorherigen Auktion - mit einer Rendite von 0,436% - habe dies mehr als eine Verdoppelung der Kosten für die italienische Regierung bedeutet.

In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland beabsichtige, wegen Altlasten aus der Finanzkrise, ab dem kommenden Jahr ein zusätzliches Volumen an Bundeswertpapieren von insgesamt bis zu 30 Mrd. EUR zu begeben. Diese Mittel sollten der Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) für deren langfristige Refinanzierung zur Verfügung gestellt werden.

Die europäische Gemeinschaftswährung könne insbesondere angesichts der Italien-Problematik nicht positiv überzeugen. Nachdem die Einheitswährung bereits einen Fehlstart in den Oktober hingelegt habe, laufe es auch in der zweiten Handelswoche des Monats nicht besser. So sei der Euro am Dienstag zeitweise bis auf 1,1432 USD zurückgefallen und habe sich damit seinem August-Tief bei 1,1394 USD genähert. Im weiteren Handelsverlauf habe sich die gemeinsame Währung allerdings wieder stabilisieren können und sei sogar bis auf 1,1572 USD gestiegen. Jedoch fehle derzeit dem Devisenpaar EUR/USD die Orientierung und es handele weiterhin im Niemandsland (ca. 1,1550 USD). Manchmal profitiere man nicht von der eigenen Stärke, sondern von der Schwäche der anderen. So auch in diesem Fall.

Es scheine so, als würde sich bei den Brexit-Verhandlungen etwas bewegen. Jüngste Meldungen zum Austritt Großbritanniens seien am Devisenmarkt optimistisch aufgenommen worden. Davon habe das Britische Pfund profitieren können und demzufolge sei der Euro bis auf 0,87233 GBP zurückgefallen. Damit habe die Gemeinschaftswährung so niedrig wie zuletzt am 15. Juni dieses Jahres (0,87181 GBP) notiert.

Auf der Suche nach rentablen Investments hätten sich Privatanleger in dieser Berichtswoche vornehmlich für Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Brasilianische Real, Türkische Lira und Russische Rubel interessiert.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 11.10.2018) (12.10.2018/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 163,98 156,31
Werte im Artikel
98,53 plus
+0,73%
100,52 plus
+0,41%
99,95 plus
+0,05%
-    plus
0,00%
139,95 minus
-0,02%
100,78 minus
-0,05%
110,25 minus
-0,31%
99,80 minus
-0,39%
99,58 minus
-0,45%