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Renten: Euro verliert weiter an Boden


29.11.21 09:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vor dem Hintergrund der gestiegenen Risikoaversion waren am Rentenmarkt sichere Anleihen gefragt, so die Experten von Union Investment.

Zu Beginn der Woche seien die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen vor dem Hintergrund hoher Inflationszahlen und der Aussicht auf eine baldige Straffung der Geldpolitik zwar zunächst von 1,55 Prozent um 13 Basispunkte bis auf 1,68 Prozent in der Spitze gestiegen. Auch deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit hätten einen leichten Renditeanstieg verzeichnet. Ausgehend von einem Handelsstart bei minus 0,33 Prozent sei die Rendite zunächst bis minus 0,21 Prozent geklettert.

Am Freitag sei es dann aber im Zuge der allgemein ansteigenden Unsicherheit über den Fortgang der Corona-Pandemie zu einem deutlichen Renditerückgang in den sicheren Häfen gekommen. Sowohl US−Staatsanleihen als auch deutsche Bundesanleihen seien stark nachgefragt gewesen. Zum Ausklang der Handelssession hätten Bunds wieder auf den Niveaus vom Wochenstart gelegen, während US-Treasuries sogar mit einer Rendite von 1,51 einen leichten Renditerückgang verbucht hätten. Anleihen aus den europäischen Peripherieländern hätten dabei bislang nur eine geringe Ausweitung der Risikoaufschläge (Spreads) verzeichnet, während in den Schwellenländern vor allem bonitätsschwache Emittenten mit spürbar steigenden Spreads konfrontiert gewesen seien.

Neben der Corona-Krise sei die Zukunft der Geldpolitik ein bestimmendes Thema am Rentenmarkt gewesen. Wie vergangene Woche bekannt geworden sei, wolle US-Präsident Joe Biden den amtierenden Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, für eine weitere Amtszeit vorschlagen. Die Nachricht sei an den Märkten überwiegend auf Wohlwollen gestoßen. Denn: Powell stehe im Ruf, die für die weltweiten Kapitalmärkte enorm wichtige Geldpolitik der Vereinigten Staaten mit einer Mischung aus Bedachtsamkeit und Entschlossenheit erfolgreich durch die Corona-Krise manövriert zu haben.

Im nächsten Schritt stehe nun eine Anhörung vor dem US-Kongress am 30. November an. Marktbeobachter würden gute Chancen für Powell sehen, da er auch mit Unterstützung aus den Reihen der Republikaner rechnen dürfe. Eine Amtszeit stünde für personelle Kontinuität und dürfte daher das Vertrauen in US-Anlagen (wie US-Treasuries oder den US-Dollar) weiter stärken.

Darüber hinaus seien in der vergangenen Woche vermehrt Stimmen aus den Zentralbanken aufgekommen, die vor dem Hintergrund anhaltend hoher Inflationszahlen möglicherweise eine schnellere Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik ins Spiel gebracht hätten. In den USA seien die sog. Fed Minutes, also das Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschuss, veröffentlicht worden. Darin sei nachzulesen, dass eine Reihe von Mitgliedern des Gremiums sich besorgt über die Höhe der Inflation gezeigt hätten. Offenbar habe es eine lebhafte Diskussion gegeben, in der einige Stimmen eine möglicherweise schnellere Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) als bislang beschlossen ins Spiel gebracht hätten.

So weit sei man bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zwar noch lange nicht. Aber auch in Frankfurt werde zunehmend kontrovers über den richtigen Kurs der Notenbank diskutiert. EZB-Direktorin Isabel Schnabel habe beispielsweise am Donnerstag in einem Zeitungsinterview vor Inflationsrisiken gewarnt. Die Äußerung sei insofern bemerkenswert, als Schnabel bislang eher den vorübergehenden Charakter der aktuellen Teuerungsraten hervorgehoben habe. Die Marktteilnehmer würden daher mit zunehmender Spannung die nächste EZB-Sitzung am 16. Dezember erwarten, von der sie sich Aufschluss über das im März 2022 auslaufende Notfallprogramm PEPP erhoffen würden. Es werde zwar allgemein damit gerechnet, dass die EZB dieses auf dem Hochpunkt der Pandemie geschaffene Instrument auslaufen lassen werde. Dennoch dürften die Frankfurter Währungshüter auch danach weiter am europäischen Anleihemarkt aktiv bleiben und noch für einen langen Zeitraum Papiere erwerben.

Diese Diskrepanz zwischen den geldpolitischen Kursen auf beiden Seiten des Atlantiks habe zuletzt zu einer erneuten Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro geführt. Auch in der abgelaufenen Handelswoche habe die Gemeinschaftswährung zur Schwäche tendiert, wenngleich sie sich von ihrem Tiefpunkt zum Wochenende hin wieder etwas habe erholen können. Zuletzt habe ein Euro noch 1,1232 US-Dollar gekostet. Zum Vergleich: Zu Jahresbeginn habe der Wert noch bei 1,2338 gelegen. Ursache für die Abwertung sei die Annahme der Marktteilnehmer, dass die Geldpolitik in Washington und Frankfurt sich weiter auseinanderentwickeln dürfte. Ein strafferer Kurs der FED stehe demnach eine weitere lockere Politik der EZB gegenüber. Ein stärkerer Zinsanstieg in den USA wäre die Folge, was einen entsprechenden Kapitalstrom und eine korrespondierende Devisennachfrage auslösen könnte. (Ausgabe vom 26.11.2021) (29.11.2021/alc/a/a)