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Renten: Bundesanleihen - knapp und teuer


03.12.21 13:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Aufflammen der Pandemie und das Auftauchen einer neuen Mutation haben Konjunkturunsicherheit geschürt und Rentenkursen Auftrieb gegeben, so die Analysten der Helaba.

Die Rendite zehnjähriger Bunds habe sich zuletzt der Marke von -0,4% nähert. In den USA sei die zehnjährige Staatsanleihe auf 1,4% gesunken. Bedeutsamer sei dabei vor allem der Rückgang der Ölpreisnotierungen gewesen, was zu einem Sinken der Inflationserwartungen geführt habe. Vor diesem Hintergrund habe die höhere Euro-Teuerung im November von 4,9% kaum Wirkung entfaltet.

Solche Inflationsraten, die für einen Investor möglicherweise ein KO-Kriterium bei Anleihen sei, würden bei Notenbanken keine große Rolle spielen. Hätten diese, vor allem die Bundesbank, im ersten Halbjahr 2020 Bundeswertpapiere in einer Größenordnung von netto 71 Mrd. Euro erworben, so sei das Volumen im zweiten Halbjahr auf 134 Mrd. gestiegen. Im ersten Halbjahr 2021 sei der Wert sogar auf 202 Mrd. Euro geklettert. Zum Vergleich: Die Nettokäufe von Asset Managern, Pensionsfonds, Versicherungen und Banken hätten in den ersten sechs Monaten nur bei insgesamt 23 Mrd. Euro gelegen. Spiegelbild dieser Unwucht sei der Anlagenotstand.

Inzwischen gebe es aber nicht nur einen Mangel bei Rohstoffen und Gütern. Auch Bundesanleihen seien zuletzt knapp gewesen. Gegen Jahresende sinke erfahrungsgemäß die Emissionstätigkeit, die Geschäftsbanken würden ihre Bilanzen verkleinern. Qualitativ hochwertige und sehr liquide Assets wie Bundesanleihen würden aber am billionenschweren Markt für Absicherungsgeschäfte dringend benötigt. Dies habe die Kurse zusätzlich nach oben getrieben. Der Abstand zwischen dem zehnjährigen Swapsatz der Banken und dem Pendant des Bundes sei auf fast 50 Basispunkte gestiegen - immerhin der höchste Wert seit März 2020. Besonders kräftig gewesen sei die Spreadausweitung bei kurzen Laufzeiten. Auch gegenüber italienischen Staatsanleihen habe dieser Effekt vermutlich eine Rolle gespielt. Innerhalb der letzten vier Wochen sei die Renditedifferenz zehnjähriger Papiere von 1,1 auf 1,3 Prozentpunkte geklettert.

Die Verspannungen würden sich früher oder später wieder lösen, was mit steigenden Renditen bei Bundesanleihen einhergehen dürfte. Gleichzeitig zeige sich damit erneut, dass die massiven Eingriffe der EZB in die Anleihemärkte Konsequenzen hätten. Letztlich könnten solche Erfahrungen auch bei der EZB-Entscheidung bezüglich der Kaufprogramme eine Rolle spielen. (03.12.2021/alc/a/a)