Erweiterte Funktionen

Renten: Armdrücken zwischen Märkten und Notenbanken


05.03.21 13:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den USA war zuletzt ein markanter Renditeanstieg zu verzeichnen, so Ulrich Krauss von der Helaba.

Die Analysten der Helaba hätten zwar für dieses Jahr mit höheren Kapitalmarktzinsen gerechnet, allerdings nicht mit einer so dynamischen Entwicklung. Das US-Wachstum werde aufgrund der massiven Fiskalprogramme vermutlich stärker ausfallen als erwartet. Die Analysten der Helaba würden daher die Renditeprognose 10-jähriger US-Treasuries für das Jahresende von 1,2% auf 1,5% erhöhen. Bis zur Jahresmitte würden die Analysten eine leichte Beruhigung an der Zinsfront erwarten. Die Konjunkturerwartungen seien bereits sehr hoch und die Inflationserwartungen hätten sich zuletzt sogar leicht zurückgebildet.

Kein Anpassungsbedarf bestehe derzeit bei deutschen Renten. Der erwartete Renditeanstieg zum Jahresanfang sei eingetreten. Für das zweite Halbjahr würden die Analysten der Helaba an dem Gravitationswert von -0,2% bei 10-jährigen Bundesanleihen festhalten. Das Momentum des Renditeanstiegs werde vermutlich nachlassen. Darauf deute u.a. eine Analyse vergangener Baisse-Phasen hin. Seit 2015, dem Beginn der erweiterten EZB-Käufe von Staatsanleihen, sei die Rendite 10-jähriger Bunds, nachdem sie sich deutlich von der 100-Tagelinie abgesetzt habe, auf Sicht von zwei Monaten nur in einem Fall spürbar gestiegen.

Der entscheidende Grund, warum die Renditen beiderseits des Atlantiks vermutlich nur einen begrenzten Erhöhungsspielraum hätten, liege an der Geldpolitik. US-Notenbankchef Powell betone gebetsmühlenartig, dass die FED ihren expansiven Kurs halten werde. Der EZB-Rat tage in der kommenden Woche und einige Mitglieder wie EZB-Präsidentin Lagarde hätten bereits deutlich gemacht, dass sie höhere Renditen angesichts der schwierigen Konjunkturlage im Euroraum nicht akzeptieren möchten.

Da wegen der zuletzt anziehenden Verbraucherpreise Zinssenkungen - mehr denn je - keine Option seien, bleibe nur eine Akzentuierung der Kaufprogramme. Dafür müsse die EZB aber nicht einmal am Gesamtvolumen schrauben. Die noch nicht ausgeschöpfte "Kriegskasse" für das Pandemie-Kaufprogramm PEPP betrage noch rund eine Billion Euro. Die Flexibilität des Programms sei ein weiterer Vorteil: So könnten bestimmte Staatsanleihen wie 10-jährige Bunds, die als Orientierungsgröße für viele Märkte dienen würden, vorrangig gekauft werden. Oder die EZB kaufe nunmehr vor allem längere Laufzeiten, um steilere Zinskurven im Euroraum zu vermeiden. So erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank noch unkontrollierter Liquidität in die Märkte pumpe, möglicherweise auf Kosten der Stabilität. Die Hoffnung schwinde gerade, dass man das gewaltige Kaufprogramm zur Bekämpfung der Pandemie-Folgen nicht ausreize. Die Analysten der Helaba hätten daher leichte Anpassungen auch bei den Geldmarktsätzen vorgenommen. (05.03.2021/alc/a/a)