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Renditen der T-Notes und der Bunds geben wider Erwarten nach


21.01.21 13:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Während die Aktienmärkte in den letzten Tagen wieder Aufwind hatten, haben die Renditen der T-Notes und der Bunds - anders als man es erwarten könnte - nachgegeben, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank im aktuellen "Wochenbarometer".

In den USA seien die zehnjährigen T-Notes Renditen wieder unter die Marke von 1,10% gefallen und die Bundrenditen, die im gleichen Laufzeitsegment Anfang der Woche noch leicht auf -0,51% zugelegt hätten, seien auf -0,53% gesunken. Man könnte meinen, die Notenbanken hätten ihre Ankaufaktivitäten erhöht, um einen weiteren Renditeanstieg zu stoppen, aber weder gebe es dafür Anzeichen noch sehe de la Rubia einen Grund, in dem jetzigen Umfeld über das bisherige Maß hinaus tätig zu werden.

Mit dem Regierungsbeginn der Biden-Administration stünden die Anzeichen eigentlich auf einen gewissen Renditeanstieg. Joe Biden habe gute Chancen, ein Konjunkturpaket von rund 1,9 Billionen US-Dollar in den nächsten Wochen durch den Kongress zu bringen. Das entspreche fast 10% des BIP und komme noch zu den 0,9 Billionen US-Dollar hinzu, die Ende Dezember als Hilfspaket beschlossen worden seien. Außerdem sei im Rahmen des Green Deal ein Investitionsprogramm von etwa 2 Billionen US-Dollar geplant. Die Ausgaben sollten sich über vier Jahre verteilen. Die Verabschiedung des Green Deal dürfte wesentlich schwieriger werden als die des Konjunkturprogramms, aber in jedem Fall werde die Neuverschuldung kräftig steigen. Der in dieser Art in Anspruch genommene Bondmarkt werde zu einem großen Teil von der FED entlastet, die über das Gesamtjahr Ankäufe von rund 1,4 Billionen US-Dollar bzw. 7% des BIP durchführen dürfte. Das entspreche etwa der Hälfte des voraussichtlichen Budgetdefizits von 14% des BIP. Die durch den Senat noch zu bestätigende Finanzministerin Janet Yellen begrüße explizit das hohe Ausgabenvolumen und habe in ihrem Confirmation Hearing vor dem Finanzausschuss des Senats "to go big" gefordert. Per Jahresende erwarte de la Rubia die zehnjährigen T-Notes bei 1,45%. Die Bunds sollten etwas langsamer folgen und am Ende des Jahres bei 0,45% rentieren.

Bei der heutigen EZB-Sitzung dürfte Präsidentin Lagarde die kurzfristigen Risiken einer Konjunktureintrübung durch die Verschärfung der Pandemie bzw. die verlängerten Lockdown-Maßnahmen betonen. An der Bereitschaft der EZB, die Flexibilität des PEPP-Programms zu nutzen und ggf. die Anleiheankäufe kräftig zu erhöhen, werde Lagarde vermutlich keinen Zweifel lassen. Über die operative Geldpolitik hinaus würden vermutlich zwei Themen, die Frau Lagarde letzte Woche bereits angesprochen habe, eine wichtige Rolle spielen: Der digitale Euro und Bitcoin. Den digitalen Euro habe die Notenbankchefin -vielleicht etwas leichtfertig - für spätestens in fünf Jahren versprochen. Und Bitcoin sehe sie offensichtlich als Gefahr und regulierungsbedürftig. Mit diesem Thema könne sie sich angesichts seiner Komplexität rasch auf Glatteis begeben, es dürfte daher auf der Pressekonferenz keinen allzu großen Raum einnehmen.

Nächste Woche sei die FED an der Reihe (27.01.). Sie kaufe derzeit pro Monat 120 Mrd. US-Dollar an Anleihen und de la Rubia erkenne keinen Hinweis, dass sich an dieser Politik auf absehbare Zeit etwas ändern werde. Allerdings stelle sich die Frage, ab welchem Renditeniveau die FED die Konjunkturerholung in Gefahr sehe und dann entsprechend doch handeln würde. De la Rubia vermute, dass das erst der Fall ei, wenn sich die zehnjährigen Renditen in einem kurzen Zeitraum dem Niveau von 2,0% nähern würden. Zum Handeln gezwungen könnte sich die FED auch sehen, falls die Aktienmärkte in Turbulenzen stürzen und die Realwirtschaft in Mitleidenschaft zu ziehen drohen würden.

Datenseitig sei auf die vorläufigen PMI-Indices für die Eurozone (22.01.) zu achten sowie auf den ifo-Index (25.01.). Vermutlich dürfte mittlerweile auch das Verarbeitende Gewerbe - in den vergangenen Monaten habe nur der Dienstleistungssektor durch die Lockdowns Schaden genommen - etwas gelitten haben, wenngleich der Sektor weiterhin Wachstum zeigen sollte. Zu achten sei auch auf den GfK Konsumentenvertrauensindex (27.01.), der sich weiterhin auf einem relativ niedrigen Niveau befinde. Darüber hinaus kämen für Deutschland noch Inflationsdaten (28.01.), die Arbeitslosigkeit (29.01.) und das BIP für das vierte Quartal (29.01.). Die letzte Woche für das Gesamtjahr veröffentlichte BIP-Schrumpfung von 5,0% deute darauf hin, dass im vierten Quartal die Wirtschaftsleistung praktisch stagniert habe. (21.01.2021/alc/a/a)