Reform der Eurozone - ja, aber…


06.12.18 13:30
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - 16 Stunden hat’s gedauert, bis sich die Eurogruppen-Minister ihr "Reformpaketchen" für die Eurozone geschnürt hatten, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Es beinhalte ein Sicherungsnetz zur Abwicklung von Krisenbanken sowie die Eckpunkte für eine Reform des Euro-Rettungsfonds ESM. So solle der ESM künftig die Letztabsicherung des Bankenabwicklungsfonds SRF übernehmen. Damit habe man sich offenbar auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt.

Bei genauerem Hinschauen falle auf, dass die meisten Reformen frühestens 2021 kommen würden. Vage würden die Aussagen zu einem von Deutschland und Frankreich angestrebten eigenen Haushalt der Eurozone bleiben. Ok, der Gedanke werde weiterverfolgt, falls die Staats- und Regierungschefs zustimmen würden. Aber dann werde das von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vehement geforderte Eurozonen-Budget kein neues, unabhängiges Budget sein, sondern im regulären EU-Haushalt verankert werden. Weder über dessen Höhe noch über seine Finanzierung sei etwas beschlossen worden. Einzig über dessen Ziel, "Wettbewerbsfähigkeit und Konvergenz" zu fördern, herrsche Einigkeit. Auch von Macrons Idee, einen Euro-Finanzminister zu etablieren, fehle jede Spur und zu guter Letzt sei auch die Einführung einer Steuer für Internetriesen wie Google und Facebook gescheitert.

Die wichtigste Errungenschaft sei somit die Weiterentwicklung des Euro-Rettungsschirms ESM, der neue Kompetenzen erhalte. Künftig solle das in Luxemburg angesiedelte Institut Zertifikate zur Bonität von Euro-Ländern ausgeben und vorsorglich einspringen, wenn eine Regierung unverschuldet in Probleme gerate. Bisher habe der ESM nur Krisenländern wie Griechenland aus der Patsche geholfen.

Außerdem bekomme der ESM eine neue Kreditlinie für notleidende Banken, die als "Letztsicherung" beim europäischen Bankenabwicklungsfonds SRF für die Abwicklung von Banken diene. Dieser "Backstop", in den die europäischen Banken bis 2024 rund 55 Mrd. Euro einzahlen sollten, werde nun bereits vor diesem Datum zur Verfügung stehen. Unterm Strich sei diese Stärkung des ESM zu begrüßen.

Indessen sei eine Einigung bei der von der EU-Kommission 2015 vorgeschlagenen Einführung eines gemeinsamen Einlagensicherungssystems für Banken, die in Deutschland sehr skeptisch gesehen werde, nicht in Sicht. Und man habe das gemacht, was man immer mache, wenn man nicht weiterwisse: Man habe eine Arbeitsgruppe gegründet.

Den Satz "Und sie bewegt sich doch" lasse Bertold Brecht seine italienische Titelfigur in dem Drama "Leben des Galilei" sagen, nachdem dieser vor dem Inquisitionsgericht dem kopernikanischen Weltbild öffentlich habe abschwören müssen. Das Motto "Und sie bewegt sich doch" könnte nun auch für die italienische Regierung gelten, die sich offenbar bemühe, einen Eklat mit der Europäischen Kommission abzuwenden.

Nachdem Brüssel erstmals in der Geschichte den Haushaltsentwurf eines Mitgliedslandes zurückgewiesen habe, sende Rom Signale, wonach man gewillt sei, die geplante Neuverschuldung von 2,4% des BIP auf um die 2,0% zu senken - wie es Finanzminister Giovanni Tria in Aussicht gestellt habe. Um ein EU-Defizitverfahren und damit eine milliardenschwere Strafe gegen Italien zu vermeiden, wolle nun Ministerpräsident Guiseppe Conte am kommenden Dienstag einen neuen Budgetvorschlag vorlegen. Darin enthalten sei wohl auch der Verkauf zusätzlicher Vermögenswerte zur Schuldenreduzierung. Unter anderem werde laut Tria angestrebt, weitere Beteiligungen zu veräußern. Die italienische Regierung habe bereits zuvor erklärt, bis zu einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts 2019 durch Privatisierungen erwirtschaften zu wollen. Jedoch sei eine einmalige Einnahme nicht dazu geeignet, um immer wiederkehrende Ausgaben gegenzufinanzieren.

Dieses Einlenken von Rom sei an den Kapitalmärkten mit schrumpfenden Risikoaufschlägen quittiert worden. So seien am Mittwoch die Renditen für italienische Staatsanleihen im Zehnjahresbereich um rund 0,63 PP auf ein Niveau von ca. 3,08% gesunken. Habe dieser Wert doch am 20. November noch bei ca. 3,71% gelegen. Damit betrage der Spread gegenüber Bundesanleihen aktuell wieder nur noch ca. 280 BP. Das Signalisieren eines Entgegenkommens scheine sich für Rom am Kapitalmarkt vorerst ausgezahlt zu haben, wenn auch ein Teil dieser positiven Entwicklung der allgemeinen Tendenz am Rentenmarkt geschuldet sei.

Immerhin, nicht nur von Wirtschaftsberatern der US-Regierung, sondern von D. T., dem Unberechenbaren, höchstpersönlich seien die drei deutschen Automanager empfangen worden, als sie sich diese Woche mal kurz als EU-Handelspolitiker versucht hätten. Ob sie damit die Drohung der Strafzölle auf europäische Autos gebannt hätten, bleibe abzuwarten. Fest stehe, dass die Vorstände Herbert Diess (VW), Nicolas Peter (BMW) und Dieter Zetsche (Daimler) versucht hätten, mit Investitionen, die sie für die USA in Aussicht gestellt hätten, den Herrn im Weißen Haus milde zu stimmen. Schon die Wortwahl erinnere an heidnische Bräuche.

Dabei habe Diess für VW eine angestrebte Kooperation mit Ford beim Bau von Pickup-Trucks in die Waagschale gelegt und eine zweite US-Fabrik in Aussicht gestellt. Peter habe weitere Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe im BMW-Werk Spartanburg angekündigt und Zetsche habe auf den Bau einer Batteriefabrik von Mercedes in der Nähe seiner Pkw-Produktion in Tuscaloosa verwiesen.

Zetsche, der einst in US-Werbefilmen als "Dr. Z" für die Automarke mit dem Stern getrommelt habe, habe im Anschluss der Gespräche zwar gesagt, dass damit die "potenzielle Bedrohung" durch neue US-Importzölle habe reduziert werden können. Dennoch schwebe das Damoklesschwert, das US-Präsident Donald Trump aufgehängt habe, weiterhin über der europäischen Autoindustrie. Die Reise der drei Automanager sei nichts Geringeres gewesen als ein Bittgang nach Washington. Und da ein Abkommen nur zwischen Brüssel und Washington vereinbart werden könne, sei der Besuch lediglich eine deutsche "Goodwill-Aktion" gewesen, die im schlimmsten Fall noch seitens D.T. zum Auseinanderdividieren der europäischen Autobauer verwendet werde.

Dass Trump inzwischen als "Mann der Zölle" Gefallen daran gefunden habe, die Unsicherheit weiterhin aufrechtzuerhalten, beweise auch sein Verhalten im Handelsstreit mit China. Nachdem man sich bei dem jüngsten G20-Treffen in Buenos Aires scheinbar angenähert habe, drohe Trump inzwischen wieder mit "erheblichen Zöllen". Sofern es zu keinem "effektiven" Handelsabkommen kommen werde, wolle er chinesische Einfuhrgüter mit Abgaben belegen. Entweder es gebe einen "echten Deal" oder eben keinen.

Bekanntlich hätten Trump und sein chinesischer Kollege Xi Jinping beim G20-Gipfel besprochen, die ursprünglich für Anfang Januar anstehende nächste Runde von neuen Zöllen auszusetzen und sich um eine Lösung des Handelsstreits zu bemühen. Nach den nachgeschobenen Drohungen durch den US-Präsidenten habe Peking zu beschwichtigen versucht. Man werde in den kommenden 90 Tagen die Bemühungen verstärken, um ein Abkommen umsetzen zu können, habe es aus China geheißen. Kein Zweifel, auch in Peking spüre man das Damoklesschwert im Nacken, das über den Handelsbeziehungen mit den USA hänge.

In London sei inzwischen alles denkbar. Nachdem die Debatte über das Brexit-Abkommen mit einem Fehlstart im Parlament begonnen habe, sei sowohl ein Rücktritt von Theresa May als auch eine Neuwahl, ein zweites Referendum oder ein Austritt ohne Abkommen nicht mehr ausgeschlossen. Zunächst habe die Regierung unter Premierministerin May das Misstrauen der Parlamentarier provoziert, indem sie ein Gutachten von Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox zum Brexit-Deal nicht vollständig zugänglich gemacht habe. Laut BBC sei daraufhin das erste Mal in der Geschichte des britischen Parlaments die Regierung von den Abgeordneten wegen Missachtung abgemahnt worden. Die Chancen von May, ihr mit der EU ausgehandeltes Abkommen am 11. Dezember im Unterhaus durchzubekommen, seien damit weiter gesunken. Sowohl Befürworter als auch Gegner des EU-Austritts würden den Deal blockieren wollen.

Ob aus dem dann folgenden politischen Chaos eine neue Chance entstehe, sei zumindest fraglich. Ein neues Hintertürchen habe dafür nun ein vorläufiges Urteil des zuständigen Generalanwalts am Europäischen Gerichtshof (EuGH) geöffnet. Demnach habe die britische Regierung im März 2017 kein Einverständnis der anderen EU-Mitglieder gebraucht, um den Brexit formal in Gang zu setzen. Und genauso könnte sie diese Entscheidung unilateral wieder zurücknehmen, heiße es in dem Gutachten. Dies könnte zwar den Weg zwischen Pest und Cholera weisen, dürfte aber nur Wunschdenken der Remainer im Vereinigten Königreich sowie der Kontinentaleuropäer bleiben. Und so sehe sich May bis zum B-Day am 11. Dezember im Parlament mit dem massiven Widerstand von beiden Seiten konfrontiert. Es sei zu befürchten, dass in der aufgeheizten Atmosphäre nicht mal im Ansatz ernsthaft über den dritten Weg, den der EuGH da aufgezeigt habe, nachgedacht werde. Der neue Exit vom Brexit habe somit eigentlich keine Chance.

Sei der Renditeschwund bei klassischen Lebensversicherungen tatsächlich zu Ende? Darauf weise die Zinspolitik des Marktführers Allianz hin, an dem sich gewöhnlich die gesamte Branche orientiere. Wie der größte deutsche Lebensversicherer mitgeteilt habe, zahle das Unternehmen 2019 eine unveränderte Überschussbeteiligung von 2,8% auf klassische LV-Policen. Mit dem Schlussüberschuss und dem Sockel an Bewertungsreserven ergebe sich eine Gesamtverzinsung von 3,4%. Damit halte die Allianz Leben das dritte Jahr in Folge die Verzinsung auf Lebens- und Rentenversicherungen stabil. Wettbewerber wie AXA und Alte Leipziger würden es dem Marktführer gleichtun. Der eine Dekade währende Abwärtstrend dürfte damit gestoppt sein.

Der Branche komme hierbei eine neue Berechnungsmethode für einen Risikopuffer zugute, der negative Folgen der Dauerniedrigzinsen an den Finanzmärkten abfedern solle. Für dieses Instrument namens Zinszusatzreserve (ZZR) müssten die Versicherer laut Finanzaufsicht BaFin rund zwei Drittel weniger zurücklegen. Bei der alten Regelung wären demnach auf die Versicherer in diesem Jahr insgesamt 20 Mrd. Euro zugekommen. Die Rekalibrierung verhindere einen unangemessen schnellen Aufbau der ZZR, welcher die Unternehmen möglicherweise überfordert hätte und damit auch schlecht für die Kunden dieser Unternehmen gewesen wäre, heiße es dazu im BaFin-Journal.

In zwei Wochen werde man wissen, welche Richtung und welches Tempo die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks bei ihrer Geldpolitik 2019 einschlagen würden. Dabei seien zwar die europäischen Entscheider als Erste am Zuge, aber da es auf der letzten Sitzung des Jahres nicht um eine Veränderung der Leitzinsen gehe, sondern lediglich um die Gestaltung des Umfeldes, könne man getrost abwarten, bis eine Woche später die US-Notenbanker ihren Beschluss fassen würden. Denn davon hänge auch die weitere Vorgehensweise der EZB-Verantwortlichen ab. Sollte sich eine Zinspause in den USA abzeichnen, dann wäre zumindest die Voraussetzung für ein Hinauszögern der ursprünglich für Herbst 2019 angedachten europäischen Zinserhöhung geschaffen. Zumal damit der Renditespread zwischen den USA und Euroland - insbesondere Deutschland - nicht noch weiter ausgeweitet würde. Doch das sei alles reine Spekulation.

Bei der Sitzung der Europäischen Zentralbank am kommenden Donnerstag würden zwar auch die neuen Stabsprojektionen zu Wachstum und Inflation veröffentlich, aber in erster Linie werde von den Marktteilnehmern der finale Beschluss zum Ende der Anleihekaufprogramme erwartet. Dies sei zwar in der Vergangenheit mehrfach angedeutet worden, aber noch habe sich der EZB-Rat einer schriftlichen Fixierung verweigert. Doch nun müsse geliefert werden, um die Glaubwürdigkeit der EZB nicht zu untergraben. Die zu befürchtende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone bringe die EZB hier zusätzlich unter Druck. Wenn also nicht jetzt sich festlegen, wann dann?

Gleichzeitig erwarte man an den Finanzmärkten auch Klarheit über die Reinvestition fälliger Gelder und ausgeschütteter Zinsen. In punkto Zinsanhebung sei davon auszugehen, dass Mario Draghi auf die zweite Jahreshälfte 2019 oder sogar schon auf das vierte Quartal verweisen werde. In der Zwischenzeit könnte man in Ruhe abwarten und die Folgen der wirtschaftlichen sowie politischen Streitigkeiten analysieren. Man würde also zum wiederholten Mal sich und den Politikern Zeit erkaufen.

In den USA sei die Situation zurzeit wesentlich komplizierter, da es nicht wenige Notenbanker gebe, die sich sowohl für ein Beibehalten wohl dosierter Zinserhöhungen aussprechen würden als auch welche, die das Wort Zinspause in den Mund nehmen würden, um zunächst die Wirkung der bisherigen Maßnahmen zur Entfaltung kommen zu lassen. Diese sehr unterschiedlichen Meinungen innerhalb des Gremiums würden darüber hinaus noch durch politische Kommentare seitens des US-Präsidenten Donald Trump, dem Wankelmütigen, befeuert.

Ganz egal, wie die Entscheidung am 19. Dezember ausfallen werde, bereite die US-Notenbank FED die Finanzwelt auf eine Änderung ihrer Arbeitsweise vor. So wolle man zukünftig laut FED-Vizepräsident Richard Clarida, der für die Koordination des Reformprozesses zuständig sei, bei diversen Veranstaltungen die Meinung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen über Möglichkeiten der Kommunikationsverbesserung einholen. Wichtig werde auch in Zukunft sein, dass man einen "Wackelkurs" bei den Zinsen ausschließe, wie es ein weiterer Vizepräsident, Randal Quarles, bereits gefordert habe. Noch würden die impliziten Wahrscheinlichkeiten signalisieren, dass in diesem Jahr auch eine vierte Zinserhöhung beschlossen werde. Ob es sich dabei um ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk handle, dürfe jeder Marktbeobachter selbst entscheiden.

Kurz vor Weihnachten nehme der Softwarehersteller SAP noch frisches Geld am Kapitalmarkt auf, um die Übernahme von Qualtrics teilweise zu finanzieren. Damit habe Europas größtes Technologieunternehmen den Markt für Unternehmensanleihen ohne vorherige Ankündigung ein wenig überrascht und nutze gleichzeitig die etwas ruhigere Jahreszeit für die Platzierung der fünf neuen Bonds. Insgesamt nehme das deutsche Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf 4,5 Mrd. Euro auf.

Darunter auch ein zweijähriger, 500 Mio. Euro schwerer Floater (ISIN DE000A2TSTC2 / WKN A2TSTC), der am 10.12.2020 fällig werde. Der Zinssatz richte sich nach dem vierteljährlichen Euribor +0,23 PP. Begeben worden sei das Papier zu 100,174%. Die weiteren vier Tranchen (ISIN DE000A2TSTD0 / WKN A2TSTD, ISIN DE000A2TSTE8 / WKN A2TSTE, ISIN DE000A2TSTF5 / WKN A2TSTF, ISIN DE000A2TSTG3 / WKN A2TSTG) hätten Laufzeiten von 3,25, 6, 9,25 und 12,24 Jahren. Die erste Tranche mit 900 Mio. Euro sei am 10.03.2022 fällig und habe einen Zinssatz von jährlich 0,25%. Begeben worden sei das Papier zu 99,829%, was einem Spread von +28 BP über Mid Swap gleichgekommen sei. Das Papier sei einen Monat vor Endfälligkeit, also ab dem 10.02.2022, jederzeit zu 100% kündbar.

Der zweite 850 Mio. Euro schwere Bond mit Fälligkeit am 10.12.2024 zahle den Investoren jährlich 0,75% Zinsen und sei zu 99,452% (+43 BP über Mid Swap) begeben worden. Bei dieser Anleihe räume sich SAP drei Monate vor Endfälligkeit (ab dem 10.09.2024) ein Kündigungsrecht zu 100% ein. Der 9,25-jährige Bond sei 1 Mrd. Euro schwer und am 10.03.2028 fällig. Hier zahle SAP den Gläubigern jährlich 1,25% Zinsen und der Reoffer habe bei 99,121% gelegen (+55 BP über Mid Swap). Ebenfalls sei der Bond ab dem 10.12.2027 jederzeit zu pari kündbar.

Die letzte Anleihe im Bunde sei mit einem Kupon in Höhe von jährlich 1,625% ausgestattet und werde am 10.03.2031 fällig. Der Ausgabepreis habe bei diesem Bond bei 98,657% gelegen, was +68 BP über Mid Swap entsprochen habe. Das Emissionsvolumen habe sich auf 1,25 Mrd. Euro belaufen. Auch bei diesem Papier habe sich SAP ein optionales Kündigungsrecht (jederzeit ab dem 10.12.2030 zu 100%) in die Emissionsbedingungen aufnehmen lassen. Des Weiteren habe der Konzern die besonders für institutionelle Kunden interessante Mindeststückelung von 100.000 Euro gewählt.

Ebenfalls am Bondmarkt aktiv sei in dieser Berichtswoche die Nidda BondCo GmbH gewesen. Nachdem der STADA-Konzern zuletzt im September 2017 zwei Bonds über ihre Finanzierungsgesellschaften gebracht habe, nutze das Unternehmen jetzt ebenfalls die vorweihnachtliche Zeit für eine erfolgreiche Platzierung. Der Bond (ISIN XS1914256695 / WKN A2NBMG) sei mit einem Emissionsvolumen von 250 Mio. Euro begeben worden und sei am 30.09.2025 fällig. Der Kupon betrage 7,25% p.a. und werde halbjährlich im März und September an die Investoren gezahlt. Emittiert worden sei zu 97,404%, was einem Spread von +781 BP über der vergleichbaren Bundesanleihe entsprochen habe. Neben einer Mindeststückelung von 100.000 Euro habe sich Nidda BondCo bei der Emission drei optionale Kündigungsrechte jeweils ab dem 30.09.2020 zu 103,625%, ab dem 30.09.2021 zu 101,813% und ab dem 30.09.2022 zu 100% einräumen lassen. Ebenfalls sei eine Make Whole Option in den Anleihebedingungen festgeschrieben worden.

In den vergangenen Handelstagen sei bereits zum wiederholten Male in diesem Jahr deutlich geworden, dass die alten Gesetzmäßigkeiten in dieser von Alphatieren beherrschten Welt nur noch bedingt Anwendung finden könnten. Jeder Händler, der zu Wochenbeginn - unmittelbar nach dem G20-Gipfel - auf steigende Aktiennotierungen und die entsprechende Umschichtung zulasten der als sicherer Hafen geltenden Rentenpapiere gesetzt habe, sei eines Besseren belehrt worden. Aktien und Renten hätten sich im Gleichschritt bewegt und als am Dienstag die Aktienmärkte kollabiert hätten, seien die Rentenkurse weiter in die Höhe geschossen. Inzwischen sei im neuen, aussagekräftigen März-Kontrakt die Marke von 163,34% erreicht worden, was einer Rendite bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen von knapp unter 0,25% entsprochen habe. Dieses Ziel habe also doch nochmals erreicht werden können und so stelle sich jetzt die Frage: Sei das ein letztes Aufbäumen beim Rentenbarometer gewesen oder werde schon bald ein Test des bisherigen Renditejahrestiefs bei 0,188% erfolgen?

Auslöser dieser für viele Marktteilnehmer überraschenden Marktbewegung sei u.a. ein Fernsehinterview mit dem FED-Vizepräsidenten Richard Clarida gewesen, der weltweit die Bekämpfung der Disinflation als die aktuell größte Herausforderung für die Zentralbanken ansehe. In der Konsequenz sei in den USA ein Renditerückgang am langen Ende initiiert worden, der sich auch bei uns und sogar bei den Peripheriestaaten fortgesetzt habe. In den USA sei die Rendite zehnjähriger T-Notes wieder deutlich unter 3% und somit auf den tiefsten Stand seit Juli dieses Jahres gefallen. Ob die inverse Zinsstrukturkurve im zwei- bis fünfjährigen Bereich nur eine vorübergehende Erscheinung sein werde, müsse abgewartet werden. In der Vergangenheit sei eine solche Entwicklung als Indikator für eine bevorstehende Rezession angesehen worden.

In solch unsicheren Zeiten sei ein Blick auf die Charttechnik sicherlich hilfreich. Jedoch sollte man vorher wissen, dass sich aus mathematischen Gründen die einzelnen Fixed-Income-Future infolge des Rollovers teilweise nicht unwesentlich verändert hätten. Die Spreads zwischen "Alt" und "Neu" würden sich beim Buxl- auf ca. -1,54PP, beim Bund- auf +0,86PP, beim Bobl- auf +0,24PP und beim Schatz-Future auf -0,10PP belaufen. So verlaufe aktuell beim Euro-Bund-Future (Märzkontrakt) ein erster Widerstand bei ca. 163,32% und eine ernstzunehmende Unterstützung würde die psychologische Marke von 162% bieten. Grundsätzlich könne man getrost behaupten: "Nichts Genaueres weiß man nicht", und der Werbeslogan von Toyota sei hierbei zu nennen.

Sollte also das Renditetief nochmals getestet werden, so wäre dies mit einem Anstieg des Euro-Bund-Future auf ca. 164% verbunden, aber andererseits könnten auch Gewinnmitnahmen schnell wieder in einer Region bei ca. 161,70% enden. Aktuell notiere der März-Kontrakt bei ca. 163,05%, was einer Rendite bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen von ca. 0,258% entspreche.

In den USA seien gleich zu Wochenbeginn am Geldmarkt insgesamt 171 Mrd. USD mittels T-Bills mit Laufzeiten von vier, acht und 52 Wochen sowie drei und sechs Monaten refinanziert worden. Erst in der kommenden Woche würden auch wieder länger laufende Anleihen interessierten Investoren zum Kauf angeboten.

In der Eurozone würden sich heute die Blicke auf Frankreich richten, das mit mehreren Aufstockungen (ISIN FR0011486067 / WKN A1HKFP/ 2023; ISIN FR0012517027 / WKN A1ZVTR/ 2025; ISIN FR0010916924 / WKN A1AYTR/ 2026; ISIN FR0013200813 / WKN A1VQ1A/ 2026) am Kapitalmarkt aktiv werde. Bereits zur Wochenmitte habe Spanien sich ebenfalls mit der Erhöhung der Emissionsvolumen von drei Altemissionen (ISIN ES0000012C46 / WKN A2RSUP/ 2021; ISIN ES0000012B62 / WKN A1908W/ 2023; ISIN ES0000012B88 / WKN A192X6/ 2028) mit neuer Liquidität versorgt.

Wie beim Adventskalender hinter den jeweiligen Türchen erwarte die Marktteilnehmer noch in den verbleibenden Handelstagen womöglich die eine oder andere Überraschung. Bis zum Jahresende sei es nicht mehr lange hin, Themen seien jedoch noch reichlich vorhanden.

So sei das aktuelle Marktgeschehen nach wie vor von Nervosität und Unsicherheit geprägt hinsichtlich diverser US-Handelskonflikte, dem Brexit sowie auch noch den bevorstehenden Notenbanksitzungen von EZB und FED. Im Vorfeld dessen habe sich die europäische Gemeinschaftswährung in der vergangenen Berichtswoche ohne größere Kursschwankungen bewegt. So habe der Euro in einer Tradingrange zwischen 1,1306 USD und 1,1419 USD gehandelt. Jedoch seien in den kommenden Tagen jederzeit infolge unterschiedlicher Meldungen Neubewertungen für den Greenback bzw. die gemeinsame Währung der Euroländer möglich. Heute Morgen notiere der Euro bei ca. 1,1330 USD.

Die Frage aller Fragen laute "Deal or No Deal". Darüber müsse das britische Unterhaus mit seinen Abgeordneten befinden. Im Zuge dessen sei die Währung des Landes einer erhöhten Volatilität ausgesetzt. So sei der Euro zu Wochenbeginn auf ein neues Monatshoch bei 0,8945 GBP gestiegen. Zur Stunde notiere der Devisenkurs um die Marke von 0,8914 GBP und man werde frühestens nach dem 11. Dezember etwas mehr wissen, aber sicherlich noch nicht alles.

In dieser Berichtswoche hätten die Privatanleger auf Altbekanntes gesetzt. Favorisiert worden seien hierbei Fremdwährungsanleihen auf Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie US-Dollar.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (06.12.2018/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 163,98 156,31
Werte im Artikel
108,44 plus
+0,02%
102,01 plus
+0,01%
98,60 plus
+0,01%
100,08 plus
+0,01%
-    plus
0,00%
100,20 plus
0,00%
99,06 plus
0,00%
100,09 plus
0,00%
98,74 plus
0,00%
99,96 plus
0,00%
99,96 minus
-0,02%
123,44 minus
-0,03%
99,83 minus
-0,08%
99,99 minus
-0,26%