Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Zinspapieren bleibt ungebrochen


09.07.18 10:12
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Regierungskrise jetzt auch in Großbritannien! Dort sind Brexit-Minister Davis und sein Staatssekretär aus Protest gegen den von PM May geplanten weichen Austritt aus der EU zurückgetreten, berichten die Analysten der Helaba.

Gebannt würden die Akteure an den internationalen Finanzmärkten aber auf die Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China blicken. Bei den Versuchen, Auswirkungen auf lokale und globale Konjunkturentwicklungen zu analysieren, würden sich Ökonomen derzeit gegenseitig mit pessimistischen Vorhersagen überbieten. Realwirtschaftliche Daten, wie Auftragseingänge oder jetzt die überraschend starken deutschen Produktionszahlen (2,6%/3,1%) im Mai, würden relativiert oder ganz missachtet.

Der US-Arbeitsmarkt liefere dagegen keine Hinweise, am weiteren Vorgehen der Notenbank zu zweifeln. Obwohl die Arbeitslosenquote überraschend auf 4% gestiegen sei und die durchschnittlichen Stundenlöhne bei einer Jahresrate von 2,7% stagniert hätten, sprächen mehr Beschäftigte außerhalb der Landwirtschaft für zunehmende Lohndynamik.

Die Aktienbörsen hätten die positiven Daten sowie die Hoffnung auf einen Verzicht von US-Importzöllen auf europäische Autos mit leichten Kursgewinnen quittiert. Auch heute in Fernost würden Sorgen über eine weitere Eskalation des Handelskonfliktes zwischen China und den USA ausgeblendet.

Dennoch bleibe die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Zinspapieren ungebrochen. Bundesanleihen hätten auch zum Wochenschluss keine Anzeichen von Schwäche gezeigt. Nur ultralange Laufzeiten hätten unter moderaten Gewinnmitnahmen gelitten, 30-jährige Bundesanleihen hätten unterhalb einer Rendite von 1% auf heftigeren Gegenwind getroffen. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich um 2 auf 71 BP ausgeweitet. Umsätze seien unterdurchschnittlich geblieben und hätten überwiegend am Terminmarkt stattgefunden. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,63%) und Belgien (0,66%) hätten gegen Bunds einen halben BP verloren.

Anleihen der EU-Peripherie würden angesichts der geringen Risikobereitschaft nur zweite Wahl bleiben. Nur Spanier könnten sich dem erneuten Schwächeanfall teilweise entziehen. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer (2,71%) und portugiesischer Anleihen (1,79%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 3 bzw. 4 BP ausgeweitet, spanische Bonds (1,30%) würden gegen Bunds knapp 2 BP aufholen.

Am US-Bondmarkt hätten sich die Renditen angesichts widersprüchlicher Arbeitsmarktdaten kaum von der Stelle bewegt. Der Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries ermäßige sich geringfügig auf 20,5 BP. In Fernost würden US-Treasuries angesichts freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen etwas schwächer tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (162,78) habe 19 Stellen zugelegt, Bobl (132,18) und Schatz (112,065) seien 8 bzw. 1,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,29% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe bei 95 BP verharrt. 10-jährige US-Treasuries würden unverändert bei 2,84% rentieren. Der Euro klettere auf 1,176 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 74. Dollar.

In dieser Woche liege der Fokus auf Preisdaten der Vereinigten Staaten, die tendenziell weiter moderat steigen dürften. Die Zeit bis zu US-Produzentenpreisen würden Produktionszahlen einzelner Volkswirtschaften in der Eurozone sowie die ZEW-Umfrage überbrücken. Zum Wochenschluss stünden die vorläufigen Umfragen der University of Michigan zum Verbrauchervertrauen auf der Agenda.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. In der kommenden Woche stünden die Versteigerungen zweier Bund-Linker mit Fälligkeiten 2030 und 2046 sowie eine neue 10-jährige Bundesanleihe im Volumen von 4 Mrd. Euro auf der Agenda. Portugal stocke 10-und 16-jährige PGBs um insgesamt 1 Mrd. Euro auf. Irland stocke 10-und 15-jährige Staatsanleihen um 750 bzw. 500 Mio. auf. Die Niederlande seien ebenfalls mit langen Laufzeiten unterwegs, Italiens Auftritt sei in der zweiten Wochenhälfte geplant. Auch der EFSF habe eine Transaktion angekündigt. Obwohl dieser Woche keine Kuponzahlungen und Tilgungen anstünden, dürften der in der letzten Woche frei gewordene Betrag von 29 Mrd. Euro nachwirken. Die Deutsche Bank AG habe einen im März 2024 fälligen Hypothekenpfandbrief um 250 Mio. bei Midswap -6 BP aufgestockt. (09.07.2018/alc/a/a)