Moderate Abschläge bei Bundesanleihen, steigende Renditen für US-Staatsanleihen


02.11.18 11:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe Großbritanniens ist deutlich stärker als erwartet von 53,6 auf 51,1 Punkte gesunken, so die Analysten der Helaba.

Die Abschwächung der Konjunktur sei neben der Verunsicherung in Zusammenhang mit dem Brexit sicherlich ein weiterer Grund, warum die Bank von England wie erwartet die Leitzinsen nicht angetastet habe und ihren geldpolitischen Kurs beibehalte.

Aber es scheine sowohl bei den Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens aus der EU, als auch dem Handelsstreit zwischen den USA und China Fortschritte zu geben.

Donald Trump habe es wieder einmal geschafft, kurz vor den Kongresswahlen in der kommenden Woche mit ein paar versöhnlichen Worten Hoffnung im Handelsstreit mit China zu schüren und Investoren zurück an die Aktienmärkte zu locken. Am Dienstag würden die Amerikaner das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu wählen. Die Chancen für die Demokraten stünden gut, eine Mehrheit in der großen Parlamentskammer zu stellen. Allerdings müssten sie im Senat mehr Sitze verteidigen als die Republikaner. Die Aussichten für eine Mehrheit seien hier deutlich schlechter einzuschätzen. Insgesamt dürfte das Regieren für den amerikanischen Präsidenten nach der Zwischenwahl aufgrund veränderter Machtverhältnisse schwieriger werden. Minenfelder seien Haushalt und Schuldenobergrenze.

Da könne jede noch so kleine Stimmungsaufhellung an den Finanzmärkten Vorteile bringen und die bisherige "Leistung" des Republikaners Trump ins rechte Licht rücken. So "zwitschert" er von einem "guten Fluss" der Verhandlungen mit China und einem "sehr guten" Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping. Anlegern genüge dies, sich wieder auf Aktien zu stürzen und im Gegenzug qualitativ hochwertige Anleihen zu vernachlässigen.

Vor dem Hintergrund ungebrochener Risikoneigung hätten Bundesanleihen moderate Abschläge verkraften müssen. Umsätze seien wegen des Feiertages in einigen Regionen Europas eher unterdurchschnittlich geblieben. Lange und ultralange Laufzeiten hätten stärker unter Druck gestanden. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich um 1,5 BP auf 63,5 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,78%) und Frankreich (0,76%) hätten gegen Bunds gut einen BP aufgeholt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich in einem Umfeld zunehmender Risikobereitschaft gut behaupten können. Die Aussicht auf eine einvernehmliche Lösung im Haushaltsstreit zwischen Rom und Brüssel habe Anleger zuversichtlich gestimmt. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Anleihen (3,38%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5 BP ermäßigt. In ihrem Sog hätten spanische (1,56%) und portugiesische Bonds (1,87%) gegen Bunds 1 bis 2 BP gut gemacht.

Die Renditen für US-Staatsanleihen würden angesichts der guten Stimmung an den Aktienbörsen weiter ansteigen. Der ISM-Index im Verarbeitenden Gewerbe (57,7 nach 59,8) habe trotz eines stärkeren Abschwungs kaum Zweifel am guten konjunkturellen Umfeld aufkommen lassen. Nachdenklich dürfte nur der deutliche Anstieg der Subkomponente für "Bezahlte Preise" von 66,9 auf 71,6 Punkte stimmen, der für eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung spreche. PKW-Absatzzahlen (17,50 Mio.) hätten im Oktober die Erwartungen übertroffen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe bei 41 BP verharrt. In Fernost würden US-Treasuries angesichts positiver Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen weiter nachgeben. Der Nikkei-Index lege über 2,5% zu, an den chinesischen Aktienmärkten sei die Euphorie noch größer.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (160,03) habe 23 Stellen verloren, Bobl (131,39) und Schatz (111,997) seien 5 bzw. 1,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,40% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 102 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 3,17% rentieren. Der Euro erhole sich auf 1,143 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 63,8 Dollar.

Heute würden europäische Banken erfahren, wie sie beim Stresstest abgeschnitten hätten. Daneben würden die Einkaufsmanager des Verarbeitenden Gewerbes aus Spanien (50,9 nach 51,4) und Italien (49,7 nach 50) ihre Umfragen veröffentlichen, die den Wert für die Eurozone (52,1) finalisieren würden. Das Hauptaugenmerk liege aber ganz klar auf dem Arbeitsmarktbericht der Vereinigten Staaten. Allerdings sollten weder die Zahl der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (200K), noch die Arbeitslosenquote (3,7%) das robuste Bild ins Wanken bringen. Der erwartete Lohnanstieg um 0,2% erscheine moderat, die Jahresrate von 3,1% (nach 2,8%) dürfte jedoch den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank bestätigen. Das Handelsbilanzdefizit (-53,6 Mrd. USD) und die Auftragseingänge bei der Industrie (0,5%) würden das Bild abrunden.

Am Primärmarkt seien keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Das amerikanische Schatzamt versteigere in der kommenden Woche 3-, 10- und 30-jähriger Treasuries im Volumen von 37, 27 bzw. 19 Mrd. USD. (02.11.2018/alc/a/a)