Erweiterte Funktionen

Mexiko: Die Zentralbank erhält mehr Spielraum


15.01.21 12:33
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie bei vielen anderen Ländern in der Region hat sich die Lage der Corona-Pandemie zum Jahresende 2020 in Mexiko wieder deutlich verschlechtert, sodass nach der starken Erholung in der zweiten Jahreshälfte das Risiko eines erneuten Einbruchs im ersten Quartal dieses Jahres gestiegen ist, so die Analysten der DekaBank.

Die Regierung zeige sich allerdings bisher sehr zurückhaltend hinsichtlich einer weiteren Verschärfung des Lockdowns, um die Wirtschaft nicht stärker zu belasten. Die Regierung setze auf Erfolge an der Impffront, wo das Land überraschenderweise größere Fortschritte erreicht habe als andere Länder der Region, vor allem im Hinblick auf die Impfung der Beschäftigten im Gesundheitssektor. Es sei geplant, dass bis Juni alle Mexikaner älter als 50 geimpft sein sollten. Das sei aber eine lange Durststrecke für die Wirtschaft.

Anders als in anderen Ländern habe der sparsame Präsident Andres Manuel Lopez Obrador (AMLO) keine nennenswerten fiskalischen Maßnahmen angekündigt, um die Folgen der Pandemie einzudämmen. So sei der Einbruch der Wirtschaft im vergangenen Jahr in Mexiko besonders stark ausgeprägt gewesen. Die Erholung dürfte im Laufe dieses Jahres bestenfalls zaghaft bleiben. Zwar habe AMLO eine dramatische Ausweitung des Budgetdefizits verhindern können worden, aber die fehlende fiskalische Unterstützung dürfte für Unternehmen und Arbeitnehmer schwerwiegende Folgen haben.

Trotz der konservativen fiskalpolitischen Haltung sei aufgrund der deutlichen Schrumpfung der Wirtschaft die öffentliche Verschuldung des Landes auf fast 60% des BIP angestiegen. Aber zwischen den schwarzen Wolken gebe es auch einige Sonnenstrahlen: Mexiko dürfte indirekt vom Fiskalpaket in den USA nach dem Sieg der Demokraten profitieren. Ebenfalls wirke sich die Erholung der Ölpreise positiv für die staatliche Ölgesellschaft PEMEX aus.

Etwas Entlastung komme zudem vonseiten der Zentralbank: Nachdem die Inflation in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen sei und sich gleichzeitig die Währung sehr stabil gezeigt habe, sei der Spielraum für Zinssenkungen wieder gestiegen. Die Analysten der DekaBank würden mit zwei weiteren Zinssenkungen von aktuell 4,25% auf 3,75% rechnen. Die Inflationserwartungen lägen gut verankert innerhalb des Zentralbankziels von 2% bis 4%.

Präsident Andres Manuel Lopez Obrador verfolge seit seiner Amtseinführung verschiedene Ziele: Die Bekämpfung der Korruption und die Ausweitung der Sozialausgaben. Letzteres solle allerdings ohne eine Ausweitung des Budgetdefizits erfolgen, weshalb die öffentlichen Investitionen eingeschränkt würden. Bei der Bekämpfung der aktuellen Krise habe er sehr zurückhaltend agiert, was die Ausbreitung der Pandemie begünstigt und den wirtschaftlichen Ausblick zusätzlich eingetrübt habe. Seine Politik nehme wenig Rücksicht auf die Belange der Unternehmen, was zu einer deutlichen Investitionszurückhaltung geführt habe. Die Beziehung zum wichtigsten Handelspartner USA könne sich jederzeit wieder deutlich verschlechtern.

Die aktuelle Krise stelle die Bonität Mexikos auf den Prüfstand. Der starke Anstieg der Verschuldung und der schwache Wachstumsausblick würden die Gefahr erhöhen, dass aus einer der traditionell besten Bonitäten Lateinamerikas ein "Fallen Angel" werde. Noch profitiere das Land von einer guten Schuldenstruktur und einer großen lokalen Investorenbasis. Aber das Land sei krisenanfällig: Die starke Abhängigkeit von der Entwicklung in den USA sei im Zuge der globalen Finanzkrise sehr deutlich geworden. Ein Schwachpunkt im Bonitätsprofil sei die hohe fiskalische Abhängigkeit von den Öleinnahmen. Die Zunahme der Drogengewalt laste ebenso auf dem Investorenvertrauen wie die Unsicherheit über die Politik der Regierung. S&P habe Ende März das Rating für Mexiko auf BBB, Fitch im April sogar auf BBB- gesenkt. (15.01.2021/alc/a/a)