Kursrutsch am US-Bondmarkt!


04.10.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kursrutsch am US-Bondmarkt! Positive US-Konjunkturdaten und Sorgen vor der zunehmenden Schuldenlast haben amerikanischen Staatsanleihen zur Wochenmitte schwer zugesetzt, berichten die Analysten der Helaba.

Der überraschend hohe Stellenaufbau in der Privatwirtschaft (230K) liefere eine Steilvorlage für den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Hinzugekommen sei die gute Stimmung bei den Dienstleistern (61,6 nach 58,5), die ebenfalls durch die Beschäftigungskomponente getrieben gewesen sei. Mit Beginn des dritten Quartals richte sich der Blick der Anleger aber auch auf den zu erwartenden Anstieg der Staatsverschuldung, die infolge der Finanzierung der Steuergeschenke des US-Präsidenten spürbar zunehmen dürfte.

In Europa hingegen hätten erste vorsichtige Annäherungsversuche der italienischen Regierung im Haushaltsstreit an die EU der Fluchtbewegung in Anleihen der Kernländer ein vorläufiges Ende gesetzt. Allerdings würden die Vorschläge, eine geringere Neuverschuldung für die Jahre 2019 von 2,1% und 2020 von 1,8% zu planen, wenig überzeugend klingen.

Bundesanleihen hätten mit ausbleibenden Fluchtgeldern nicht an den Kursaufschwung der Vortage anknüpfen können. Der Renditesprung in den USA verstärkte auch hierzulande den Abgabedruck, so die Analysten der Helaba. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 61 BP verringert.

Anleihen der EU-Peripherie stünden unverändert unter dem Eindruck des drastischen Renditeanstiegs für italienische Staatsanleihen. Nach dem vorsichtigen Einlenken der Regierung entspanne sich die Lage leicht. Sorgen würden aber immer noch die Ende des Monats anstehenden Ratingüberprüfungen Italiens durch die Agenturen S&P sowie Moody's bereiten. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,53%) und portugiesischer Bonds (1,88%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen zur Wochenmitte um etwa 5 BP ermäßigt, italienische Anleihen (3,31%), die in der Spitze am Dienstag nochmals knapp 20 BP höher als Bunds rentiert hätten, hätten jetzt wieder 19 BP aufgeholt. Kurze Fälligkeiten hätten etwa 25 BP gutgemacht.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen infolge der überraschend guten Stimmung im Dienstleistungssektor und robuster Arbeitsmarktdaten kräftig gestiegen. Am stärksten seien lange und ultralange Laufzeiten in Mitleidenschaft gezogen worden. 5-jährige Laufzeiten würden 11 BP höher bei 3,07% rentieren. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 29 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries weiter nachgeben und ihrerseits jetzt die asiatischen Aktienmärkte unter Druck setzen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (159,37) habe 122 Stellen verloren, Bobl (130,55) und Schatz (111,765) seien 54 bzw. 10,5 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,48% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 101 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 13 BP höher bei 3,21% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,147 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige weiter auf 76,3 Dollar.

Auch heute richte sich der Blick in erster Linie auf Konjunkturdaten der Vereinigten Staaten. Am Tag vor dem offiziellen Arbeitsmarktbericht würden Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (215K) und Industrieaufträge im August (2,1%) veröffentlicht.

Am Primärmarkt emittiere Spanien eine neue 3-jährige Anleihe und stocke die im Juli 2028 bzw. Januar 2029 fällige Papiere auf. Insgesamt sollten bis zu 5,5 Mrd. Euro eingesammelt werden. Frankreich stocke 10-, 16- und 30-jährige OATs um bis zu 9 Mrd. Euro auf. ING-DiBa habe zwei Hypothekenpfandbriefe mit fünf und 15 Jahren Laufzeit im Volumen von 1,5 Mrd. Euro und 500 Mio. Euro bei Midswap -6 bzw. +5 BP begeben. (04.10.2018/alc/a/a)