Kursrückgang bei Bundrenditen - US-Bondrenditen steigen leicht vor der FED-Sitzung


13.06.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Handelskrieg, Brexit und Italien haben tiefe Spuren bei Finanzanalysten hinterlassen, berichten die Analysten der Helaba.

Lagebeurteilung (80,6 nach 87,4) sowie Erwartungshaltung (-16,1 nach -8,2) der ZEW-Umfrage hätten sich deutlich stärker als erwartet abgeschwächt und würden Wachstumsaussichten zunehmend infrage stellen.

Die belastenden Themen seien jedoch angesichts des Gipfeltreffens in Singapur zunächst in den Hintergrund getreten. Allerdings hätten die vagen Vereinbarungen außer Absichtserklärungen beider Seiten kaum verwertbare Hinweise für einen Handelsansatz enthalten.

Im Handelsverlauf hätten sich Anleger aber auf Gefahren besonnen, die den Aufschwung gefährden könnten. Dennoch habe dies der Risikobereitschaft kaum Abbruch getan, die Aktivitäten hätten sich jedoch vor den Notenbanksitzungen dies- und jenseits des Atlantiks in Grenzen gehalten.

Die Renditen für Bundesanleihen seien anfangs weiter angestiegen, der Schwung habe jedoch spürbar abgenommen. Der Kursrückgang sei von geringer Umsatztätigkeit begleitet worden, Shorteindeckungen hätten am Ende die Verluste eingegrenzt. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich geringfügig auf 69 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,87%) und Belgien (0,88%) hätten gegen Bunds 1 bzw. 2 BP aufgeholt. Die erfolgreiche Aufstockung einer 6-jährigen DSL habe 2,15 Mrd. Euro in die Staatskasse gespült. Die Versteigerung eines 16-jährigen finnischen Staatsbonds im Volumen von knapp 1 Mrd. Euro habe nur auf unterdurchschnittliches Interesse getroffen, Liquidität genieße derzeit bei Anlegern oberste Priorität.

Anleihen der EU-Peripherie hätten sich mit Ausnahme portugiesischer Staatspapiere gut behauptet präsentiert und seien im Gleichschritt mit ihren Pendants aus den Kernländern gelaufen. Anfängliche Gewinne hätten nicht verteidigt werden können, Umsätze seien aber Mangelware geblieben. Im Vorfeld der Auktionen italienischer Staatspapiere hätten Anleger auch hier zurückgerudert. Der Renditeabstand 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (2,82%) habe sich gegenüber spanischen Bonds (1,41%) um 2 BP ausgeweitet, portugiesische Titel (1,96%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen vor der FED-Sitzung weiter leicht gestiegen. Die Versteigerungen 30-jähriger Bonds im Volumen von 14 Mrd. USD sei ebenso problemlos wie schon zuvor die kürzeren Laufzeiten verlaufen. Die Verbraucherpreise der Vereinigten Staaten (0,2%/2,8%; Kernrate 0,2%/2,2%) hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen und würden kaum Zweifel am weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank lassen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 28 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries angesichts uneinheitlicher Vorgaben der asiatischen Aktienbörsen knapp behauptet tendieren.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (159,85) habe eine Stelle zugelegt, Bobl (131,07) und Schatz (111,915) seien 4 bzw. 3 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe habe bei 0,49% verharrt, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 108 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 2,98% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,174 USD, der Preis für das Barrel Öl falle auf 66 USD.

Heute stehe die US-Notenbank im Fokus der Anleger. Angesichts zunehmender Inflationserwartungen und guter Konjunkturperspektiven werde sie kaum zögern, ihren strafferen geldpolitischen Kurs fortzusetzen und die Zinsen zu erhöhen. Besonderes Augenmerk richte sich auf die aktualisierten Projektionen der Rats-Mitglieder und die Steilheit des Pfades für die geldpolitische Anpassung. Bisher sei man von drei Zinsschritten in diesem sowie drei weiteren im kommenden Jahr ausgegangen.

Datenseitig stünden neben britischen Verbraucherpreisen (0,4%/2,4%; Kernrate 2,1%) die europäische Industrieproduktion (-0,7%/2,5%) sowie US-Erzeugerpreise (0,3%/2,8%; Kernrate 0,2%/2,3%).

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe um 2 Mrd. Euro auf. Portugal versteigere 5- und 10-jährige Staatanleihen im Volumen von zusammen knapp 1 Mrd. Euro.

In Italien stünden Auktionen in BTPs der Fälligkeiten 04/2021,05/2025,09/2046 & 03/2048 im Volumen von insgesamt 5,75 Mrd. Euro auf der Agenda.

Die KfW habe eine 5-jährige Anleihe im Volumen von 5 Mrd. Euro bei Midswap -24 BP begeben. DNB Boligkreditt AS habe einen 7-jährigen grünen Covered Bond im Volumen von 2 Mrd. Euro bei Midswap +2 BP emittiert. Der ESM habe eine im März 2027 fällige Anleihe um 1,5 Mrd. Euro bei Midswap -11 BP aufgestockt. Agence France Locale habe eine 10-jährige Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro 30 BP über vergleichbaren OATs platziert. Die französische CADES habe die Begebung einer 5-jährigen Benchmarkanleihe angekündigt. (13.06.2018/alc/a/a)